Nachhaltige AZ

Die grüne AZ – und wie sie wirkt Nur zur Erinnerung: Dass sich die Abendzeitung dazu entschlossen hat, zweimal im Jahr eine Nachhaltigkeitsausgabe mit Themen rund um Umwelt- und Klimaschutz zu erstellen, liegt schon vier Jahre zurück. Diese AZ-Sonderausgaben sind seit ihrer Erfindung grün – sie waren es also schon, weit bevor die Münchner Stadtbevölkerung am 22. März an der Wahlurne entschieden hat, dass sie in Dominik Krause einen grünen OB (und die Grünen als stärkste Kraft im Stadtrat) haben möchte. In unseren Nachhaltigkeitsausgaben geht es übrigens auch nicht um Politik. Sondern darum, unseren Leserinnen und Lesern zu zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, im Alltag, im Job, beim Bauen, Einkaufen und Ausgehen etwas bewusster darauf zu achten, Energie, Rohstoffe und am besten auch noch Geld zu sparen. Dazu liefert unsere Redaktion gut recherchierte Beispiele aus München und der Region. An diesem Wochenende schildern wir etwa, wie eine Münchner Brauerei durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz Wasser spart, wie die Allianz Arena sich zu einem energie-autarken Fußball-Tempel wandelt, wie weit der Bayerische Landtag auf seinem Weg zur Klimaneutralität wirklich schon ist – oder wie das beliebte Gärtnerplatztheater neuerdings Sonnenenergie nutzt. Das ist zeitgemäßer Journalismus und Aufklärung ohne erhobenen Zeigefinger. Und eben – trotz oder wegen der grünen Farbe – keine Parteinahme. Im besten Fall liefert die grüne AZ der neuen Stadtregierung und ihrem OB Denkanstöße für nachhaltige Politik. Die haben sich die Menschen in München bei der Wahl ja ganz offenbar gewünscht. Gefällt Ihnen die grüne AZ, haben Sie Ideen und Vorschläge für weitere nachhaltige Themen und Geschichten aus und um München? Dann schreiben Sie uns gern an: leserforum@abendzeitung.de Diese Ausgabe zeigt, wie München Energie spart, klüger baut, nachhaltiger lebt – ganz ohne Politik Förster Philip Müller (mit Hündin Xena) leitet das Revier Jachenau. In der Hand hält er eine kleine Tanne zur Aufforstung. Foto: Sophia Willibald Walchensee –hierwird aufgeforstet AZ-Report ausdem HKWNord Statt Büros: Wohnenmit Weitblick Gärtnerplatz: Solarkraft für für die Kultur VON CHEFREDAKTEUR MICHAEL SCHILLING michael.schilling@abendzeitung.de HEUTE IN DER AZ Die AZ-Tipps zum Wochenende Seite2 Leserforum Seite27 Kino & Theater S. 33, 34 Rätsel und Horoskop S. 42, 43 Leute Seite40 TV-Journal Als Beilage NACHRICHTEN kompakt Unfallfahrer kifft vor der Polizei KITZINGEN Ein Mann (33) hat in Unterfranken bekifft einen Unfall gebaut – dann zündete er sich direkt vor den Augen der Beamten einen Joint an. Die Kollegen in Schwabmünchen melden einen ähnlichen Vorfall: Ein 72-Jähriger kam zur Wache, weil er Dokumente verloren hatte. Auch er gab zu, noch während der Autofahrt gekifft zu haben. DAS WETTER 6 6 21 19 Heute Morgen Schokolade Ohne Kakao? Schmeckt! S. 9 Tschernobyl Der letzte Liquidator S. 13 TEL. ABO 089.2377-3400 | TEL. ANZEIGEN 089.2377-3300 | WEBWWW.ABENDZEITUNG.DE | ADRESSE GARMISCHER STR. 35, 81373 MÜNCHEN SAMSTAG/SONNTAG, 25./26. APRIL 2026 | NR. 95/17 · B88197 | 1,90 EURO | ÖSTERREICH 2,30 EUR Neuer Chef im Englischen Garten Kampf um die grüne Lunge AZ-Verlosung Auszeit im Baum-Hotel S. 40 S. 18 S. 3 S. 5 S. 29 S. 8 19.6. – 19.7. Konzertsommer u.a. mit Sex Pistols • BEAT Alvaro Soler • Oimara • Bosse • Brad Paisley Anastacia • Rick Astley • Wolfgang Ambros Die Rückeroberung der Empathie HEUTE Das komplette Programm als Beilage! STATT 3.399 €* nur1.899€ STATT 4.499 €* nur2.900€ STATT 5.999 €* nur2.999€ STATT 6.699 €* nur5.999€ E-OMNIA FXTYPE ENTICE5 MOVE LTD DIAMANT ECO6 STREET MACINA KAPOHO PROLDI2 EL. SCHALTUNG DI2 CARBON GPS-MODUL 100 NM READY LICHT INKL. 800WH LICHT IN RAHMEN INTEGRIERT FOX-FAHRWERK 625WHAKKU CX MOTOR 85 NM SMART SYSTEM 500 WH AKKU CX MOTOR 85 NM Gipfelglück am Wendelstein geschenkt. BeimKauf zweier E-Bikes ZWEI BIKES. ZWEI NÄCHTE. EIN ABENTEUER. Hans-Pinsel-Str. 1 im 3er-Haus (Wasserburger Landstr.) BIKESTORE Anbieter: Schübro Bike GmbH * UVP des Herstellers, Nachlässe bei Leasing ggf. abweichend E-BIKECENTER MÜNCHEN 85540 München-Haar Wahlweise im Hotel Alpenhof in Bayrischzell oder in den innovativen Radler-Zimmern im Mountaincamp auf der Glockenalm Fischbachau. Aktion gültig bis 30.06.2026, Reisedatum bis 31.12.2026 ausgenommen Juli und August 4 198819 701907 60017

2 ABENDZEITUNG SAMSTAG/SONNTAG, 25./26. 4. 2026 WWW.ABENDZEITUNG.DE MÜNCHEN MVG MUSEUM Historische Tram-Schätze An diesem Sonntag öffnet das MVG Museum mal wieder seine Türen. Auf die Besucher wartet nicht nur ein buntes Programm, sondern auch der große und sehr beliebte Modellbahnmarkt, bei dem Modellbahn-Fans und Sammler stöbern, kaufen oder tauschen können. Ein weiteres und besonderes Highlight ist die Präsentation von drei historischen Straßenbahn-Wagen, die derzeit eigens für das 150-jährige Jubiläum der Münchner Tram aufbereitet werden. Mitarbeiter vor Ort geben Auskünfte zu diesen besonderen historischen Fahrzeugen, die im Oktober bei der Jubiläumsparade mitfahren werden. Sonntag, 11 bis 17 Uhr, Ständlerstr. 20, Erwachsene 3, Kinder (6-14 Jahre) 2,50 ₠, Familienkarte 6 ₠. Anfahrt mit der Shuttlelinie E7 ab MaxWeber-Platz über Ostbahnhof Myriam Siegert Im Museum werden historische Fahrzeuge präsentiert. F.: MVG Museum IN FRISCHER SPINAT: Hat gerade Saison und lässt sich wunderbar vielseitig kombinieren. OUT KAHLSCHLAG: Hohe Bäume sind die Lunge der Stadt. Schade, dass viele verschwinden. ZAHL 50 Jahre dauert es, bis eine Kastanie ihre volle Größe erreicht hat. HERR HIRNBEISS Zeichnung: Fr. Bilek „Für mi gibt’s a Auszeit im Greana!“ „Jeder kann im Alltag etwas tun“ Hier erzählen Menschen, was sie bewegt. Heute: Gründer und Unternehmensberater Frédéric Klung. „Die großen Hebel zur Stabilisierung des Klimas liegen in der Industrie, in der Transformation zu Erneuerbaren Energien. Künstliche Intelligenz eröffnet dabei völlig neue Möglichkeiten. Jeder kann im Alltag etwas tun: bewusster konsumieren, sich fragen, was man wirklich braucht. München zeigt, wie es funktionniert: Gute U-Bahnen, Busse und Radwege – dann nimmt man gerne das Fahrrad. Elektroautos sind für mich völlig normal. Viele sind überrascht, wie angenehm sie sind, auch wenn die Umstellung von der Tankstelle zur Ladesäule erst mal ungewohnt ist. Ich komme aus dem Ruhrgebiet, habe lange in Berlin gelebt und wohne mittlerweile in der Maxvorstadt. Da gefällt mir die Mischung: Restaurants und Bars gleich um die Ecke, aber trotzdem ruhig undgrün.“ Foto/ Kolumne: Daniel von Loeper MEIN MÜNCHEN MONACO Tankyou! Damit Sie etwas zu lachen haben, liebe Leser, mache ich mich hier zum Horst. Ich gebe es zu: Seit ich mich von meinem automobilen Wegbegleiter aus Altersgründen (seins!) trennen und mir einen Neuen zulegen musste, plagen mich Anpassungsschwierigkeiten. Mit dem Tankverschluss. Dass ich ihn öffnen konnte, geschah eher zufällig beim Herumrühren mit dem Schlüssel. Nun ließ mich das Glück im Stich. Es ging vor, es ging zurück, aber Aufschließen ging nicht. Wildes Herumgoogeln erbrachte die Erkenntnis: Ich bin damit nicht allein. Erstaunlich viele Menschen in ganz Europa haben damit Probleme. Deutsche Herstellerforen konnten nicht helfen, erst britische Nutzer gaben den entscheidenden Hinweis: Wenn man denkt, man hat abgeschlossen, dann ist der Verschluss offen. Und umgekehrt. Klar, dass das die Briten wissen, die haben ja auch Linksverkehr. Und wissen Sie was? Ich bin Linkshänderin. M. Scheffler Unsere Tipps für Sie Katzen-Omi Churri (16) lebt derzeit im Tierheim und sucht ein liebevolles und ruhiges Zuhause. Foto: Tierheim Sophia Willibald TIERHEIM MÜNCHEN Den Frühling feiern – für einen guten Zweck Am Samstag wird es im Tierheim ab 11 Uhr noch lebendiger als sonst: Die Einrichtung feiert ein Frühlingsfest für den guten Zweck – alle Einnahmen kommen den Tieren zugute. Den musikalischen Auftakt macht der Schongauer Steve Bohem mit Gitarre und Gesang, gefolgt von Salei und Freunden, die mit Hits aus den 60ern bis 90ern für Stimmung sorgen. ren, an einer Tombola teilzunehmen oder durch den Flohmarkt des Hauses zu stöbern. Kulinarisch ist ebenfalls einiges geboten: Wie etwa deftige Schmankerl von der Veganen Fleischerei oder für die Süßen: ein reichhaltiges Kuchenbuffet. Um 16 Uhr endet das Fest. Brukenthalstraße 6 in Riem, aufgrund der Parksituation wird gebeten, öffentlich anzureisen Zwischen den Auftritten gibt ein Vortrag Einblicke in das Thema Tiertransporte. Um 14.40 Uhr zeigt der Flow Artist Nesso eine LED-Show. Im Anschluss stellen sich einige der tierischen Bewohner persönlich vor. Wer zusätzlich einen Blick hinter die Kulissen werfen möchte, kann an Führungen teilnehmen. Zudem hat man die Möglichkeit, sich an einigen Infoständen zu informieDavid Mayonga alias Roger Rekless wird live musizieren. Foto: imago Jan Krattiger KÖSK Ein Fest für Lokalhelden Das ist kein Geheimnis: In München leben viele Künstlerinnen und Künstler. Manche von denen sind aber vielleicht weniger bekannt als andere. Um der vielfältigen Münchner Kulturwelt eine Plattform zu geben und ihre unterschiedlichen Perspektiven abzubilden, startet am Samstag die Reihe „Support Your Locals“ im Kösk im Bahnhofsviertel. Es gibt eine Ausstellung, Lesungen, Livemusik und ein Kinderprogramm, unter anderem eine Kinderbuchlesung von Jane Mbeba, ein Livekonzert von Roger Rekless und eine Lesung von Dana von Suffrin. Auch kulinarisch wird’s interessant: Es gibt eine afrikanische Zauberküche und Kaffee von Cup & Cozy. Los geht es um 14 Uhr, der Eintritt ist frei. Samstag, ab 14 Uhr, Schillerstraße 38 IMPRESSUM Abendzeitung München Verlags-GmbH Mitglied der Herausgeber: Prof. Dr. Martin Balle Chefredakteur: Michael Schilling Stellvertretende Chefredakteure: Thomas Müller, Julian Kares Chefreporterin: Nina Job Lokales: Felix Müller, Carmen Merckenschlager (stv.) Politik und Nachrichten (Wirtschaft, Panorama, Bayern, Leute): Natalie Kettinger, Lisa Marie Albrecht (stv.), Martina Scheffler (stv.) Feuilleton: Volker Isfort, Adrian Prechtel (stv.) Sport: Krischan Kaufmann, Florian Weiß (stv.) Chefreporter Sport: Maximilian Koch Kommunalpolitik: Christina Hertel Fotoreporter: Daniel von Loeper Geschäftsführer: Joachim Melzer alle zu erreichen unter: Garmischer Straße 35, 81373 München Anzeigen- und Vertriebsverwaltung: Mediengruppe Attenkofer Ludwigsplatz 32, 94315 Straubing Geschäftsführung dort: Prof. Dr. Martin Balle Anzeigenpreisliste: https://www.abendzeitung.de/mediadaten/ Anschrift Verlag und Redaktion: Garmischer Straße 35, 81373 München Redaktion: Tel. 089/2377-3100, Fax 089/2377-3199, E-Mail: redaktion@az-muenchen.de Anzeigen: Tel. 089/2377-3300, Fax 089/2377-3399, E-Mail: anzeigenverkauf@abendzeitung.de Aboservice: Tel. 089/2377-3400, Fax 089/2377-3499, E-Mail: abo@abendzeitung.de Abo: Monatlicher Abonnements-Bezugspreis: 46,90 ₠ inkl. gesetzlicher Mehrwertsteuer Druck: J. 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Feuer & Flamme für München Von Nina Job (Text) und Bernd Wackerbauer (Fotos) Routiniert steuert Özcan Basanci die riesige Eisenkralle über den Müllberg. Mit zwei Hebeln, die ausschauen wie Joysticks, lenkt er den tonnenschweren Greifer zu der Rinne. Dorthinein haben die Mülllaster ihre stinkende Ladung gekippt. Der Kranführer lagert den Müll um, macht Platz für die nächsten Fuhren. 400 Fahrzeuge karren hier im Heizkraftwerk Nord täglich Hausmüll und hausmüllähnliche Gewerbeabfälle an, aus ganz München und dem Umland, etwa 700.000 Tonnen im Jahr. Özcan Basanci ist der Herr über den Müll, als die AZ vorbeischaut. 5000 Tonnen Fassungsvermögen hat der Bunker, in dem er in einer Kabine aus Panzerglas sitzt. Die nächste Ladung, die er mit der XXL-Kralle greift, geht zum Verbrennungsofen. 50 Minuten bei 900 bis 1000 Grad – übrig bleibt nur rauchende Schlacke und Metall. Letzteres gehört eigentlich nicht in den Müll. Genauso wenig wie die Matratze und das Sofa, die aus dem Abfallberg herausschauen. Özcan Basanci wundert sich über nichts mehr. „Sofas sehe ich hier jeden Tag“, sagt er. „Alles, was Sie sich vorstellen können, habe ich schon gesehen: Fahrräder, Karosserieteile, einen V8-Motor, Waschmaschinen ...“ Aus dem ganzen Müll, der im Heizkraftwerk Nord landet, werden Strom und Fernwärme für 150.000 Münchner Haushalte erzeugt. Die Anlage besteht aus drei Blöcken, die in Kraft-Wärme-Kopplung betrieben werden. In Block 1 und 3 wird der Müll verbrannt, beide gehören zum Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM). Block 2 gehört den Stadtwerken und ist die größte Erzeugungsanlage. 555 Megawatt (MW) Wärme kann sie produzieren für das Fernwärmenetz und 360 Megawatt elektrischen Strom. Bis vor zwei Jahren wurden im Block 2 noch rund 800.000 Tonnen Steinkohle im Jahr verheizt. 2017 besiegelte ein Bürgerentscheid den Kohle-Ausstieg, im März 2024 war Schluss. Seitdem wird Erdgas als Brennstoff genutzt. „Damit konnten wir die CO2-Emissionen um ein Drittel senken“, sagt Helge-Uve Braun, technischer Geschäftsführer bei den Stadtwerken. In Zukunft soll das HKW noch viel ökologischer werden. Schon heute gelte das HKW Nord als eines der besten in Deutschland, was die Emissionen betrifft. Auch werden Abfallprodukte weiterverwendet – etwa Aschen, um Salzbergwerke wieder zu verfüllen oder Schlacken, um Straßen zu bauen. Doch die Pläne gehen noch viel weiter. Bis 2040/45 soll das Werk komplett CO2-frei sein, so SWM-Geschäftsführer Braun. Eine große Transformation stehe bevor. „Wir sind gerade dabei, diesen Standort komplett zu überplanen“, sagt er. „In den nächsten 15 Jahren wollen wir 15 Projekte und Maßnahmen umsetzen.“ Milliarden sollen dafür investiert werden. Erster Meilenstein ist ein Biomasseheizwerk. Bereits 2030 soll es in Betrieb gehen. „Gespeist werden soll es mit großen Restmengen von nachhaltigem Schadholz aus dem Umkreis von 100 Kilometern“, erklärt Kraftwerksleiter Michael Bergler. Während der Heizperiode würden pro Tag etwa 50 Lkw-Ladungen benötigt. 2035 endet für Block 3 aus Altersgründen die Laufzeit. Als Nachfolger ist eine Anlagegeplant, in der ab 2034 pro Jahr etwa 400.000 Tonnen Müll verbrannt werden können. Möglicherweise wird diese Anlage ausreichen, wenn zehn Jahre später auch Block 1 abgeschaltet wird. Denn: Mit der Einführung des Gelben Sacks wird wohl die Gesamtmüllmenge kleiner, da weniger Plastik darin landet. Neben dem neuen Müllverbrennungsblock ist zudem eine CO2-Abscheide-Anlage vorgesehen: „Damit wären wir zu 100 Prozent CO2-frei“, so Stadtwerke-Geschäftsführer Braun. Die Stadtwerke und der AWM haben viel vor in Unterföhring. Auch die Umspannanlage und die Trafos sollen erneuert werden. Aktuell aber treibt die Kraftwerksbetreiber und Arbeiter noch etwas anderes um: In den Brennöfen kommt es immer wieder zu Explosionen. Bis zu fünf Mal am Tag. Schuld sind kleine Kartuschen mit Lachgas – eine Partydroge. Braun: „Die Behälter werden nicht richtig geleert und einfach in den Müll geworfen.“ Sie richten großen Schaden an – kein Vergleich etwa zu Sofas, die im Hausmüll landen. „Die Explosionen führen dazu, dass wir während des Betriebs immer wieder Schäden an den Verbrennungsöfen reparieren müssen“, sagt Helge-Uve Braun. Mitte April wurde der Verkauf von Lachgas an Minderjährige verboten. Im HKW Nord hoffen die Mitarbeiter nun sehr, dass der Aufwand für Reparaturen wieder zurückgeht. Der Müll der ganzen Stadt landet im Heizkraftwerk Nord in Unterföhring. Daraus entstehen Strom und Wärme – und das immer ökologischer. Die lange verheizte Steinkohle ist Geschichte. Bald soll für die Energiezentrale groß neu gebaut werden So eine Dampfleitung verläuft unterm E-Garten zum HKW Süd. Ein oranger Lkw bringt Müll aus München. Täglich kippen 400 Fahrzeuge hier ihre Ladung ab. Foto: AWM Auch die Kohle-Silos werden nicht mehr gebraucht. Sie sind leer. Daneben, auf dem Kamin von Block 2, nisten Wanderfalken. Leitet das Heizkraftwerk Nord: Michael Bergler. Haben ausgedient: die Förderbänder für Steinkohle. Rund 800.000 Tonnen sind bis März 2024 im Block 2 jedes Jahr verbrannt worden. Bis zu 20 Meter hoch lodern die Flammen. Es kommt auch zu Explosionen – schuld ist eine Partydroge. Knochenjob: Aus der noch heißen Schlacke fischt ein Arbeiter Metall heraus – das eigentlich nichts zu suchen hat im Müll. Kranführer Özcan Basanci steuert in einer Kabine aus Panzerglas zwei riesige Müllgreifer (kl. Foto). Er lagert den Müll um, mischt ihn und transportiert ihn zur Verbrennung. Fotos: Bernd Wackerbauer Wichtiger Wärme- und Stromversorger: Das Heizkraftwerk Nord in Unterföhring ist seit 1964 in Betrieb. 230 Menschen arbeiten hier. n ABENDZEITUNG SAMSTAG/SONNTAG, 25./26. 4. 2026 WWW.ABENDZEITUNG.DE 3 MÜNCHEN

4 ABENDZEITUNG SAMSTAG/SONNTAG, 25./26. 4. 2026 WWW.ABENDZEITUNG.DE MÜNCHEN Tollwood reagiert auf Hitze und Wetterextreme Wettertechnisch ist ein Besuch auf dem Tollwood-Sommerfestival auch von Gegensätzen geprägt. Zwar gibt es meist ausreichend schöne Tage mit angenehmen Temperaturen, an denen sich das bunte Gelände im Olympiapark gut erkunden lässt. Gleichzeitig kommt es zwischen Juni und Juli immer wieder zu stürmischen Sommergewittern, aber auch Hitzeperioden treten in dieser Zeit immer wieder auf. Letzteres war für die Veranstalter nun Anlass, ein neues Hitzeschutzkonzept zu entwickeln. Es kommt erstmals beim diesjährigen Festival zum Einsatz, das am 19. Juni beginnt. Besucher müssen dabei auch mit einem sogenannten bunten „Sondereinsatzkommando Wasser“ rechnen, das mit Wassersprühlanzen für Abkühlung sorgt. Neu sind außerdem zusätzliche Überdachungen, Sonnensegel und Sonnenschirme auf dem Gelände. Sie sollen einerseits Schatten spenden, andererseits aber auch bei Regen Schutz bieten. Bisher mussten Besucher bei plötzlichen Schauern häufig auf wenige überdachte Bereiche wie Bars oder die Zelte ausweichen. Ergänzt wird das Konzept durch Sprühvernebler, wie sie auch aus südeuropäischen Städten oder von Musikfestivals bekannt sind. Sie sollen am Eingang und in diversen Gastronomien durch Verdunstung für Abkühlung sorgen. Auch die „Kühl Oase“ – ein ehemaliges Saunafass – soll bei Hitze Abhilfe schaffen, dank Klimaanlage. Die wird durch Fotovoltaikanlagen auf dem Dach betrieben. An kostenlosen Trinkwasserzapfstellen kann der Durst gestillt werden. Die Folgen des Klimawandels seien auch in München längst spürbar, begründen die Veranstalter die neuen Maßnahmen. Auch außerhalb des Tollwoods wird Hitzeschutz zunehmend wichtiger. Die Stadt setzt bereits seit einigen Jahren auf entsprechende Maßnahmen. Dazu zählen etwa über das Stadtgebiet verteilte Trinkbrunnen, die mittlerweile fest zum Stadtbild gehören. Eine interaktive OnlineKarte weist zudem „kühle Orte“ in München aus. Das Tollwood-Festival setzt seit seiner Gründung auf Nachhaltigkeit und ökologisches Engagement. Der Strombedarf des Geländes werde etwa vollständig aus erneuerbaren Energien gedeckt. „Klimaschutz und Klimaanpassung sind eng verbunden. Wir engagieren uns dafür, dass die weitere Erwärmung gebremst wird“, sagt Stefanie Kneer, Sprecherin des Tollwood-Sommerfestivals. „Auf dem Festivalgelände können wir Klimaschutz leben; gleichzeitig begegnen wir den höheren Temperaturen mit mehr Schatten, Grün und Möglichkeiten zur Abkühlung.“ Niclas Vaccalluzzo Das Festival setzt erstmals gezielte Maßnahmen gegen Sommerhitze um Auf dem sonnigen Festivalgelände des Sommer-Tollwoods kann es auch ganz schön heiß werden. Foto: Ingmar Wein Vom Büro zur Studenten-WG Von Christina Hertel In einem Plastikkorb trägt Gregor Wöltje eine Schüssel, ein Päckchen Reis, eine Dose Tomaten, Gläser und Besteck in die Küche. Dort nimmt er eine Elektro-Kochplatte aus einem Regal, in dem auch vier Mikrowellen stehen. Wöltje beginnt jetzt nicht, etwas zusammenzurühren. Er will nur zeigen, wie es theoretisch ablaufen könnte, wäre er kein Architekt Mitte 60, sondern Student mit einem Zimmer in einer „Mega-WG“. Das ist der Arbeitstitel eines Projekts, das Wöltje mit seinem Geschäftspartner Roman Diehl vorantreiben will. Offiziell heißt es inzwischen „Take over“. Passend dazu, worum es geht: leer stehende Bürogebäude zu übernehmen und möglichst günstig in Wohngemeinschaften für Studenten umzuwandeln. Nicht mal 600 Euro soll ein Zimmer am Ende kosten. „Dass es mal ein Büro war, wird man trotzdem merken“ Das Potenzial ist groß: In München sind rund 1,87 Millionen Quadratmeter Bürofläche ungenutzt. Das ist eine Fläche 4,5 Mal so groß wie die Theresienwiese. Gleichzeitig kosten WGs in München rund 800 Euro pro Monat – so viel wie in keiner anderen deutschen Stadt. Um zu zeigen, wie die Umwandlung gehen kann, haben Wöltje und Diehl in einem ehemaligen Bürogebäude der Post an der Arnulfstraße einen Showroom eingerichtet – mit Zimmer, Waschraum, Küche. Auch einen Gemeinschaftsraum haben sie aufgebaut: Sitzsäcke, Tischtennisplatte, großer Tisch. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie hier Studenten miteinander essen, trinken, ratschen und feiern. Weil es nicht nur so aussieht wie in einem Studentenwohnheim. Es riecht auch so. Ein Stockwerk tiefer ist eine Firma für medizinisches Cannabis, erzählt Wöltje. Der Architekt weiß, warum Büros heute selten in Wohnungen umgebaut werden: Weil es aufwendig ist – zumindest normalerweise. Ein Büro hat in der Regel pro Stockwerk an einer Stelle Sanitäranlagen. Will man mehrere Wohnungen unterbringen, müsste man neue Wasseranschlüsse und Leitungen verlegen. Das macht das Ganze teuer. In einer „Mega-WG“ hingegen teilen sich die Studenten einen Waschbereich, der immer dort sein soll, wo auch schon das Büro seine Toiletten hatte. „Das spart enorm viel Geld“, sagt Wöltje. Sein Ziel ist, die Zimmer so günstig wie möglich anzubieten. Er wirbt mit dem Preis von 595 Euro warm. Internet und das Reinigungspersonal für die Bäder und die Gemeinschaftsflächen sind da schon eingerechnet. Möbel müssen die Studenten keine mitbringen. In jedem Zimmer wird ein 1,20 Meter großes Bett stehen, ein Schreibtisch mit Stuhl, ein offener Schrank. Alle Möbel sind aus Holz. Es gibt einen Kühlschrank. „Damit es keinen Streit darum gibt, wer wessen Joghurt aufgegessen hat“, sagt Diehl. An einer Gitterwand können die Studenten Poster oder auch ihre Jacken aufhängen. „Dass es mal ein Büro war, wird man trotzdem merken“, sagt Wöltje. Denn er will gar nicht den In München stehen rund 1,8 Millionen Quadratmeter Bürofläche leer. Doch der Umbau zu Wohnungen ist oft teuer. Zwei Münchner haben einen Plan entwickelt, wie sie günstigen Wohnraum schaffen perfekten Umbau. Auf alte Steckerleisten sind Platten geschraubt, Löcher sind nicht zugespachtelt, der Boden ist nicht geglättet. Das spart alles Kosten – und sieht gleichzeitig cool, industriell aus. Momentan führen Wöltje und Diehl Gespräche mit Investoren. Denkbar sei, dass diese leer stehende Büros kaufen, nach diesen Plänen umbauen und Wöltje und Diehl dann das Studentenwohnheim betreiben. „Wir reden aber auch mit Bestandshaltern“, sagt Diehl. Zum Beispiel mit den Eigentümern der verwaisten „Ten Towers“ am Ostbahnhof (siehe auch Seite 5). Dass ein Büro-Umbau am Ende an Auflagen der Münchner Behörden scheitert, damit rechnet Wöltje nicht. Denn auch der zukünftige OB Dominik Krause (Grüne) hat sich seinen Showroom schon angeschaut – und war begeistert. Krause hat angekündigt, gleich zu Beginn seiner Amtszeit eine Agentur beim Planungsreferat aufzubauen, die sich um die Umwandlung von Büros in Wohnungen kümmert. „In ihr sitzen Fachleute aus der Verwaltung, die Expertise aus Bauwirtschaft und Wissenschaft einholen“, sagt Krause. Das Potenzial liege bei rund 10.000 Wohnungen, die auf Büroflächen geschaffen werden könnten. Und wohl bei noch mehr WG-Zimmern. Roman Diehl undGregor Wöltje wollen mit ihrem Unternehmen „Bricks And Stories“ aus leeren Büros StudentenWGs machen. Foto: Sigi Müller Kühlschrank, Bett, Schreibtisch: So könnte ein typisches Zimmer aussehen, das in einem leeren Büro entsteht. Diesen Waschbereich sollen sich die Studenten teilen. Auch mehrere Duschen sind eingeplant. In ihrem Showroom zeigen Gregor Wöltje und Roman Diehl die Gemeinschaftsflächen samt Küche für die Studenten.

24.- 26.04.2026 dem die Türme gehören, umnutzen – sodass Wohnen möglich ist. So soll ein neues, gemischt genutztes Quartier entstehen, mit Wohnungen, Büros und auch einem Hotel, das zwei der Türme übernehmen soll. „Wegen der großen Fläche, die zur Verfügung steht, bieten die Ten Towers die Chance, diese Mixed-Use-Nutzung darstellen zu können“, sagt Veit Weidinger, der bei Unicredit Invest Alternatives für die Vermietung der Towers zuständig ist. „Kleinere Gebäude können das nicht abbilden.“ Laut Weidinger wurde bereits beim Bau der Türme darauf geachtet, dass sie unterschiedlich genutzt werden können. Es seien zum Beispiel sehr große Schächte gebaut worden. „Das wurde damals visionär geplant, aus heutiger Sicht ist das sehr interessant für uns“, sagt WeiWohnen mit Weitblick Von Jan Krattiger Es war eines der großen Themen des Münchner Kommunalwahlkampfs – und eine Frage, bei der Herausforderer (und Sieger) Dominik Krause (Grüne) und der bisherige OB Dieter Reiter (SPD) deutlich unterschiedliche Ansichten hatten: Kann es helfen, die Münchner Wohnmisere abzumildern, wenn einige der vielen leer stehenden Büros zu Wohnraum umfunktioniert werden? Krause nannte die Umnutzung von Büros als wichtigen Baustein, um sein Wahlkampfversprechen von 50.000 neuen Wohnungen einhalten zu können. Reiter vertrat den Standpunkt, dass es sich wirtschaftlich nicht lohnen würde, Büros zu Wohnungen zu machen. Und dass er solche Anträge grundsätzlich unterstützen würde, aber keine auf seinem Schreibtisch gelandet seien. Ein Projekt, das dabei immer wieder zur Sprache kam, sind die Ten Towers am Leuchtenbergring: Zehn 50 Meter hohe, miteinander verbundene Bürotürme, die seit gut drei Jahren leer stehen – seit die Telekom ausgezogen ist. Rund 69.000 Quadratmeter Fläche, von der nur noch wenig vermietet ist. In solchen Innenstadt-Randlagen sind leer stehende Büros in München mittlerweile ein großes Problem. Mehr als 1,8 Millionen Quadratmeter Büroflächen stehen aktuell in etwa leer. Vier der zehn Türme will der Immobilienfonds Wealthcap, dinger. Man müsse Bäder einbauen und andere technische Elemente, das sei „wirtschaftlich und baulich zu prüfen“, sagt Weidinger. Aber: „Das Gebäude kann das realisieren. Darum haben wir uns dazu entschieden, in die Richtung zu gehen“. Vorteil in Sachen Nachhaltigkeit der Umnutzung: Die sogenannte „graue Energie“ geht nicht verloren, also die Energie, die bereits aufgewendet wurde, um ein Gebäude zu bauen. Anders wäre es, wenn man die Türme abreißen und Wohnungen neu bauen würde. Auch die Lage der Ten Towers ist aus Sicht Weidingers ideal dafür geeignet. Noch fehlen zwar der geplante Radlschnellweg, der direkt an den Türmen vorbeiführen soll, und die Fußgängerbrücke. Wenn die aber realisiert sind, sind die Gebäude sehr gut an den öffentlichen Verkehr angebunden – und natürlich auch an den Mittleren Ring. Allgemein gibt es laut Weidinger „viel unversiegelte grüne Fläche, die auch für die Naherholung zur Verfügung steht“. Und es gibt auch Pläne, die Dächer der Türme zu nutzen, für die Gastronomie zum Beispiel. Aktuell wartet Wealthcap darauf, möglichst bald die Baugenehmigung für die Umnutzung der Türme (auch die des Hotels) zu bekommen. Weidinger betont, im Austausch mit der Stadt sei ein „frischer Wind“ wahrnehmbar. Im Februar hatte der Planungsausschuss der Stadt dem Vorhaben bereits zugestimmt. Die Auflage der Stadt: Zehn Prozent der Wohnungen müssen bezahlbar sein – „ausnahmsweise“, wie es in der Vorlage heißt, denn eigentlich müssten es gemäß den Regeln der Stadt zwanzig Prozent sein. Die „wirtschaftliche Zumutbarkeit“ nennt die Stadt unter anderem als Grund für dieses Entgegenkommen. Außer der Linken haben alle Parteien im Ausschuss zugestimmt. Die Stadt wünscht sich außerdem ein Vorschlagsrecht für ihr Azubi-Wohnen für die preisgedämpften Wohnungen. Das „werde noch geprüft“, sagt Weidinger. Wenn die Genehmigung da ist, könne es recht schnell gehen, sagt Weidinger. „Dann geht der Grundausbau los“ und man werde auch rasch Veränderungen vor Ort sehen. In den nächsten Monaten könnte es mit dem Umbau losgehen. Bis die Ten Towers aber wirklich bewohnt werden, wird es noch eine Weile dauern. Vier der zehn Türme der Ten Towers sollen schon bald zu Wohnungen umfunktioniert werden. Wie die Pläne aktuell ausschauen, was schwierig ist – und wie die Stadt unterstützt Gemütliche Sitzecke: Könnte so zum Beispiel ein Wohnzimmer in den Ten Towers aussehen? ‚‚ Wurde damals schon visionär ‘‘ geplant Der Ausblick ist vielversprechend: Die Türme sind durch Korridore miteinander verbunden. Es wird viel gebaut in Berg am Laim, auch rund umdieTen Towers. Bereits geplant ist, dass die Radlautobahn an denTürmen vorbei, und dass eine neue Fußgängerbrücke über die Bahngleise führt. Fotos (3): Jan Krattiger Veit Weidinger. Unicredit Invest Alternatives ABENDZEITUNG SAMSTAG/SONNTAG, 25./26. 4. 2026 WWW.ABENDZEITUNG.DE 5 MÜNCHEN

6 ABENDZEITUNG SAMSTAG/SONNTAG, 25./26. 4. 2026 WWW.ABENDZEITUNG.DE MÜNCHEN „Im KGB hat alles angefangen“ Von Hüseyin Ince Der rote Stern auf der Flasche kann einen auf die falsche Fährte bringen. Es ist ja so: Die meisten Menschen denken bei Vodka an Russland, bei einem roten Stern ebenfalls. Dabei ist die Bio-Spirituose das Ergebnis der Rastlosigkeit eines Mannes, der Wurzeln im georgisch-türkischen Grenzgebiet und jahrelange Erfahrung im Nachtleben hat. Vural Koca, Jahrgang 1974, zog 1992 vom türkischen Artvin nach Freiburg. Die türkische Stadt lag vor 1990 nahe der Sowjetunion, weil Georgien zum riesigen kommunistischen Staatsgebilde gehörte. Frei interpretiert könnte man jetzt sagen: Ein bisschen hat Vural Vodka, den Koca später auf den Markt brachte, also doch mit den Russen zu tun. Doch da täuscht man sich auch schnell. Georgien ist kein Vodka-Land: „Georgien ist ein Weinland und bekannt dafür, dass sehr viele Haushalte eigenen Wein herstellen“, sagt Koca. Hier soll Wein sogar erfunden worden sein. Koca ist tatsächlich gerade in Georgien, als die AZ mit ihm Mitte April sprechen kann. Dort lebt ein Teil seiner Verwandtschaft. Nahe Tiflis füllt er den 2026er Jahrgang seines Bio-Weines ab. Das ist nämlich sein aktuelles Projekt, nachdem er die VodkaMarke Vural Vodka 2013 gegründet hatte. Der Name: Vural Saperavi Bio Amphore. Aber zurück zum Vodka. Das war sicher keine Schnapsidee, wenn man Koca zuhört. „Einen Vodka als Bio-Produkt herzustellen, war die einzige Konsequenz“, sagt er und erzählt die Vorgeschichte. Etwa 2003 begann alles in Freiburg, mit einer Vodka-Bar, die Koca eröffnet hatte: das KGB. Nach Freiburg war Koca Ende der 90er gezogen, um Volkswirtschaftslehre zu studieren, jobbte regelmäßig in Wirtshäusern. Schon damals kam es ihm komisch vor, dass eigentlich viele Vodka-Sorten ähnlich schmecken. „Vor allem, wenn man das Getränk stark kühlt, ist kaum ein Unterschied“, sagt er. Guten Vodka darf man nicht eisgekühlt servieren, davon ist er überzeugt. KGB, das hörte sich natürlich nach Russland an. Schließlich gilt es als das Mutterland des hochprozentigen „Wässerchens“, wie Vodka ja übersetzt werden kann. Und Koca hatte bald eine Idee, die in den 2010ern mit vielen Spirituosen deutschlandweit boomte: Tastings. „Bei mir im KGB gab es einen Meter Vodka mit 15 verschiedenen Sorten in kleinen Mengen zum Probieren“, sagt Koca. Der Laden lief gut. Die teuersten Vodkas schmeckten ihm selbst am besten. „Russian Standard war der allererste Importeur“, erinnert sich Koca. Und so langsam reifte in ihm der Gedanke: Warum eigentlich nicht eine eigene Vodka-Marke gründen? Nach fast zehn Jahren im „KGB“ entschloss sich Koca für den Umbruch. Er gab die Bar ab und suchte nach einer Metropole, die ihm für seinen Vodka einen neuen Horizont verschaffen würde. Es wurde München: Hier gründete Koca 2013 seine Vodkamarke Vural Vodka. Das Produkt sollte Ultrapremium sein. Darunter machte er es nicht. Koca testete viel und kam zum Schluss: Je natürlicher und reduzierter die Zutaten, desto besser schmeckt die Spirituose. Auch Kartoffeln testete er. „Aber das schmeckt einfach nicht so gut wie mit Getreide“, sagt Koca. Für die Qualität wollte er Bio-Weizen verwenden und stieß auf Bauern in Niederösterreich. Von dort bezieht er nach wie vor seinen Bio-Weizen und auch das Quellwasser für sein Getränk. Vural Koca feilte am Geschmack. „Die meisten Hersteller filtern ihren Vodka am Ende. Meiner Meinung nach unnötig“, sagt Koca. Unfiltriert schmecke sein Getränk am besten. So wird Vural Vodka bis heute verkauft. Viel wichtiger sei die Destillation. Mindestens 30 Mal destilliert Koca seinen Vodka, deutlich häufiger als die Konkurrenz. „Das ist einer der Schlüssel“, ist sich Koca sicher. Ein Jahr lang reift Vural Vodka in kleinen Margen in der Flasche, bevor er in den Handel kommt. Unfiltriert, vegan, mit Quellwasser und Bio-Weizen sowie ohne Zusatzstoffe, bio-zertifiziert nach AT-BIO-301. In vielen Online-Tests bekommt das Wässerchen mit Münchner Firmensitz Bestnoten. Tester schwärmen auch von den bunten Geschmacksnoten bei Vural Vodka. Vor allem Premium-Vodka trinkt man bei 16 bis 18 Grad, sagt Vural Koca. Aber ganz so streng ist er dann doch nicht. „Ein kleiner Eiswürfel darf schon drin sein.“ Aber eben auf keinen Fall dürfe man ihn bis zur Unkenntlichkeit tiefkühlen. Mehrere Preise hat Koca auch schon abgeräumt: Grand Gold 2019 bei der Frankfurt International Trophy oder sogar in England. Hier wurde der Vural Vodka zum Vodka des Jahres auf Platz Eins gewählt. In China gewann das hochprozentige Getränk die Goldmedaille beim „China Wine and Spirits Award“ 2018. Aber auch in Skandinavien kommt Vural Vodka gut an: Gold bei der „Nordic Beverage Competition“ 2019. 30 Mal destilliert, keine Zusatzstoffe, Bio-Getreide, Naturquellwasser: Günstig ist der „UltraPremium-Vodka“ von Vural Koca daher nicht. 49 Euro kostet die 0,7-Liter-Flasche, die seit 2025 ausgereift ist. Vor 13 Jahren hat Vural Koca seine eigene Bio-Vodkamarke in München gegründet. Inzwischen hat er mehrere Preise abgeräumt und arbeitet am nächsten Projekt Für seinen Vodka verwendet Vural Koca Bio-Weizen aus Niederösterreich. Auch Kartoffeln hat er ausprobiert: „Aber das schmeckt einfach nicht so gut wie mit Getreide.“ Foto: imago/Jochen Eckerl Vural Koca hat mit seinem Vodka schon mehrere Preise abgeräumt. privat ‚‚ Ein kleiner Eiswürfel darf ‘‘ drinsein So spart Spaten Wasser Bier Brauen und Wasser sparen – geht das zusammen? Der neue SpatenChef Jack Reedy hat dem Münchner Bundestagsabgeordneten Hans Theiss (CSU) gezeigt, wie’s geht. Die Münchner Brauerei, die zum belgischen Konzern AB Inbev gehört, hat sich den amerikanischen Technologie-Konzern Laminar an Bord geholt. Das Unternehmen bietet eine KI-basierte Plattform an, die mit Sensoren kontinuierlich „Flüssigkeitssignaturen“ von Wasser über Bier bis Reinigungsmittel in Echtzeit überwacht. Die KI analysiert Daten und erkennt den exakten Zeitpunkt, wann etwa eine Leitung gereinigt werden muss oder ein bestimmter Prozess abgeschlossen ist – und vermeidet so unnötige Reinigungszyklen. Für Spaten bedeutet das konkret, dass die Brauerei seit 2017 ihre Emissionen pro Hektoliter um rund 49 Prozent reduzieren konnte. Da Spülvorgänge nur noch die exakt benötigte Wassermenge nutzen, konnte Spaten seinen Wasserverbrauch deutlich reduzieren, so Reedy. Der effizientere Einsatz von Reinigungsmittelnschont die Umwelt zusätzlich und durch die Minimierung von Produktverlusten werde weniger wertvolles Bier abgeleitet. Das Unternehmen verzeichne Erfolge auf seinem Weg zu globalen Nachhaltigkeitszielen, so Reedy weiter. „München ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie wir uns stetig weiterentwickeln. Mit unseren neuen Wasseraufbereitungsanlagen und der LaminarTechnologie machen wir einen entscheidenden Schritt, um die natürlichen Ressourcen zu schonen und das Brauen für die Zukunft noch effizienter zu gestalten.“ Reedy hat zu Beginn des Jahres Friedrich Geiger als Spaten-Chef abgelöst. Der US-Amerikaner war zuvor schon in verschiedenen Positionen für AB Inbev tätig, unter anderem in Bremen und Wernigerode. Neben Spaten werden auch die Marken Löwenbräu und Franziskaner unter dem Dach der AB Inbev in der Münchner Marsstraße gebraut. ruf Durch KI reduziert die Brauerei nicht nur Emissionen, sondern auch Wasserverbrauch Der neue Spaten-Chef Jack Reedy (rechts) mit dem Münchner Bundestagsabgeordneten Hans Theiss in der Brauerei. Foto: Jonas Nefzger 154 neue E-Ladepunkte in der Parkharfe Die Münchner Stadtwerke (SWM) arbeiten stetig an der Energie- und Wärmewende. Dazu gehört auch die Elektrifizierung des Verkehrs – im eigenen Fuhrpark, aber auch mit Lösungen für den Individualverkehr, etwa durch Ladestationen. Bislang betreiben die SWM knapp 1400 öffentlich zugängliche Ladesäulen im Stadtgebiet, etwa auf Parkplätzen und Firmengeländen. Jetzt kommen 86 AC- und 68 DC-Schnellladepunkte in der Parkharfe des Olympiaparks dazu. Der Olympiapark hat den Grund zur Verfügung gestellt, die SWM haben die Ladestationen mit der entsprechenden Infrastruktur aufgebaut und betreiben sie. Genutzt werden sie ganz einfach per SWM-Ladekarte oder der eines Partners aus dem Ladenetzwerk. Auch spontanes Laden per QR-Code und Direktbezahlung ist möglich. Wie an allen SWM-Ladepunkten tanken die Nutzer 100 Prozent Ökostrom, so die SWM. Lädt man über die SWM-Ladekarte, gibt es keine Zeitbegrenzung. Gut, gerade bei einer weiteren Anreise: Das Auto kann so während eines Veranstaltungsbesuchs stehenbleiben, solange es lädt. AZ Die Stadtwerke bauen ihre Ladeinfrastruktur weiter aus – mit neuen Säulen im Olympiapark Diegute Nachricht Wasdiese Woche gut war AZ-SERIE „

gudrunsjoden.com Schwedisches Design mit farbstarker Seele Tel. 0911 / 960 69 69 KONZEPTLADEN MÜNCHEN Reichenbachstraße 3 / Nähe Viktualienmarkt SOMMER 2026 Geknöpftes Kleid „Sona“ Schwedisches Design mit farbstarker Seele Begonnen hat bei Gudrun Sjödén alles mit einem kleinen Laden in Stockholm, heute vertreibt die Designerin ihre Kollektionen weltweit über Kataloge, den eigenen Onlineshop und in 23 Konzeptläden. Ihre Werte haben sich dabei bis heute nicht verändert: „Einem Konzept treu zu bleiben, das ist seit jeher sehr wichtig für mich. Jedem Trend hinterherzurennen dagegen weniger. Mir gefällt farbstarke Mode mit Charakter – Mode, die einen bestimmten Lebensstil ausstrahlt. Ich möchte Freude verbreiten und den Alltag ein bisschen schöner machen“, erklärt die Schwedin. Auch in München ist Gudrun Sjödén zu finden, ganz in der Nähe des Viktualienmarktes. In ihrem Laden in der Reichenbachstraße sorgen große Fenster bereits von außen für eine luftige und einladende Atmosphäre, während drinnen dank der liebevoll präsentierten Mode und Heimtextilien eine fröhliche Schweden-Stimmung herrscht. Ein engagiertes Verkaufsteam nimmt sich viel Zeit für seine Kundinnen und berät ganz individuell. Es gibt immer wieder besondere Angebote und Events – so startet am 5. Mai die kleine, aber feine MaiKollektion mit neuen Lieblingsteilen. Gemütlich geht es in der hübschen Kaffee-Ecke zu, wo nicht nur ein leckerer Cappuccino, sondern auch kühle Erfrischungen serviert werden. Sommerkollektion des Jahres 2026 In Gudrun Sjödéns aktueller Sommerkollektion treffen muntere Regenbogenfarben auf natürliche Fasern – luftige Modelle aus lockerem Voile, bequemem Jersey und Strick, die sich nach Lust und Laune kombinieren und sich überall sehen lassen können, ob am Strand, beim Stadtbummel oder auf der Gartenparty. Ergänzt wird das Sortiment von kombistarken Basic-Teilen und schönen Zuhause-Artikeln, die mit grafischen Mustern und sommerlichen Blumen nicht nur Küche und Esszimmer, sondern auch Balkon und Terrasse verschönern. Gudrun Sjödén Konzeptladen München Reichenbachstraße 3, Nähe Viktualienmarkt 80469 München gudrunsjoden.com Gudrun Sjödén steht seit über 50 Jahren für individuelle Mode aus hochwertigen Naturmaterialien Gudrun Sjödén steht bereits seit über 50 Jahren für farbenfrohe Mode aus hochwertigen Naturmaterialien mit eigenem Charakter. Mode, die erfrischend anders ist und Freude macht. Willkommen im Konzeptladen von Gudrun Sjödén in München! Das engagierte und freundliche Verkaufsteam berät seine Kundinnen gerne individuell. Fotos: Sebastian Rothe Photography Der Münchner Konzeptladen in der Reichenbachstraße 3 GUTSCHEIN 10 Euro Rabatt Ab einem Einkaufswert von 30 Euro erhalten Kunden mit diesem Gutschein insgesamt 10 Euro Rabatt. Dazu einfach den Gutschein ausschneiden und im Laden abgeben. Der Gutschein ist nur ein Mal gültig, nicht kombinierbar mit anderen Rabattaktionen und wird nur im Konzeptladen München angenommen. Geschenkkarten und Barauszahlung sind von der Aktion ausgeschlossen. Gültig ist der Gutschein bis zum 20. Juni 2026. ABENDZEITUNG SAMSTAG/SONNTAG, 25./26. 4. 2026 WWW.ABENDZEITUNG.DE 7 NACHHALTIGE ANZEIGE

8 ABENDZEITUNG SAMSTAG/SONNTAG, 25./26. 4. 2026 WWW.ABENDZEITUNG.DE MÜNCHEN „Trampelpfade ärgern mich“ Südlich des Biergartens am Chinesischen Turm spitzen aus den Büschen dottergelbe Häuser heraus, Baujahr 1793. „Ökonomiegebäude“ ist dort zu lesen, oder auch „Gärtnerhaus“. Es ist eine Außenstelle der Bayerischen Schlösserverwaltung, die Verwaltung des Englischen Gartens. Und dort hat vor wenigen Wochen Martin Baumgärtner (44) sein Büro bezogen, der neue Parkchef. Die Fläche, um die er sich kümmern muss, ist größer als der Central Park in New York. 600 Fußballfelder groß ist der historische Stadtpark (1789 vom Hofgärtner Friedrich Ludwig von Sckell entworfen), 78 Kilometer Wege und 15 Kilometer Bäche führen durch. Es gibt über 100 Brücken, 50 Vogelarten – und mehr als fünf Millionen Besucher, die sich jährlich zwischen Eisbachwelle, Monopteros, Kleinhesseloher See und dem ruhigen Nordteil oberhalb des Isarrings tummeln. München ohne sein grünes Wohnzimmer – undenkbar. Aber wie geht’s dem GroßstadtIdyll eigentlich in Zeiten von Wassermangel, Hitzesommern, viel Feiervolk, Bibern und Müll? AZ: Herr Baumgärtner, der Winter war sehr trocken, der Grundwasserpegel ist niedrig. Leidet der Englische Garten? MARTIN BAUMGÄRTNER: Zum Glück haben wir hier im Alpenvorland günstige Bedingungen, was die Niederschlagsmenge betrifft. Vom Steigregen an den Alpen bekommen wir erfreulicherweise einiges ab. Sowohl über die Isar, als auch als direkten Niederschlag. Aber Baumschulen und Landwirte äußern sich sehr besorgt. Natürlich können einzelne Bäume, die weit von Bächen entfernt stehen, im Sommer einen höheren Wasserbedarf haben. Ich finde den Zustand des Parks aber insgesamt sehr gut. Buchen, Stieleichen, Kiefern, Eiben und Edelkastanien sind Tiefwurzler, die kommen noch gut zurecht. Anders ist es bei Fichten, die flach wurzeln und an kühlere Standorte in Hochlagen angepasst sind, oder Linden, die es feucht und kühl mögen. Denen wird es langsam zu warm. Deshalb pflanzen wir jetzt stattdessen Weißtannen oder Robinien, die Wärme besser vertragen. Ein anderes Thema ist Schnee- und Windbruch an alten Bäumen, beispielsweise, wenn wir große Schneemengen im Winter haben. Biber, streng artengeschützt, sind auch keine helle Freude, oder? Sie nagen gerne die Bäume an – im Nordteil vor allem Jungbäume. Im gesamten Englischen Garten haben wir deshalb um jeden gefährdeten Baum einen Biberschutzzaun gebaut. Dadurch können wir gut gegensteuern. Und dann ist da noch das Thema Eschentriebsterben. Das Eschentriebsterben ist leider ein allgemeines Phänomen. Diese Pilzerkrankung betrifft junge wie alte Bäume. Und als erstes die Wurzeln, sie werden morsch, obwohl die Baumkrone kerngesund aussieht. Im Moment dürfte jede dritte Esche im Park betroffen sein, weshalb wir leider auch heuer vermehrt Eschen fällen müssen. Genaue Zahlen habe ich noch nicht, im Moment laufen noch die turnusmäßigen Kontrollen. Kann man eine befallene Esche nicht mehr retten? Bei kleinen Bäumchen gibt es Möglichkeiten. Bei Altbäumen nicht. Wenn ein Riese umzufallen droht, müssen wir ihn aus Sicherheitsgründen fällen. Pflanzen Sie für jeden gefällten Baum etwas nach? In Gehölzgruppen wird die Lücke durch die Jungbäume, die drumherum stehen, schnell aufgefüllt. Dann wachsen stattdessen Ahorne, Linden oder Hain- und Rotbuchen. Oder an Bächen Weiden und Erlen. Mit dem Eschensterben müssen wir umgehen wie mit dem Ulmensterben in den 70er und 80er Jahren. Heute gibt es wieder viele Ulmen. Irgendwann ist die Welle auch beim Eschentriebsterben hoffentlich vorbei. Münchnerinnen und Münchner und auch Touristen joggen, radeln, sporteln und feiern im Park. Wie viel Schaden richten die Besucher an? Bei so vielen Besuchern sind Spuren nicht zu vermeiden. Vor allem Trampelpfade, die entstehen, wenn die Leute nicht auf den befestigten Wegen bleiben, ärgern mich schon etwas. Auf verdichtetem Boden wächst dann leider kaum noch etwas. Wir bitten daher auch beispielsweise Sportler, die Wiesenflächen zum Spielen regelmäßig zu wechseln, damit die Wiese sich erholen kann. Machen Ihnen Slackline-Balancierer noch Sorgen? Der Trend nimmt ab, die Folgen bleiben aber oft bestehen. Wer seine Slackline ohne Schutz an einen Baum bindet, verwundet den Baum oftmals massiv. Davon kippt er nicht um, aber es wird die Rinde gequetscht. Dort entsteht ein potenzieller Eintrittspunkt für Pilze und andere Schädlinge. Das ist nicht jedem bewusst. Wir haben deshalb Flyer zur Aufklärung verteilt. Ihr Vorgänger Thomas Köster, der 31 Jahre hier Chef war, hat 2022 angefangen, Rasen in Wildblumenwiesen umzuwandeln. Damit die Artenvielfalt zurückkehrt, die es noch bis in die 70er Jahre hinein gab. Das Ergebnis ist toll. Wir haben jetzt drei Flächen beim japanischen Teehaus im südlichsten Parkteil und zwei an der Werneckwiese beim Kleinhesseloher See. Zusammengenommen sechs Fußballfelder groß. Was krabbelt und fliegt denn jetzt mehr als früher? Ich schätze, dass dort zwei bis drei Mal so viele Insekten unterwegs sind wie auf den Rasenflächen drumherum. Wildbienen, Heuschreckenarten, Schmetterlinge, Laufkäfer, Marienkäfer und Florfliegen. Planen Sie noch mehr? Konkrete Pläne gibt es noch nicht. Aber beispielsweise am Monopteros an der Hangwiese fände ich es schön. Dort wäre die Maßnahme zugleich hilfreich gegen die Hangerosion. Wie oft lassen Sie eine Blühwiesemähen? Nur ein Mal pro Jahr. Die klassischen Wiesen im Südteil des Parks mähen wir hingegen oft wöchentlich. Sind Sie mit der Pflanzenvielfalt im Englischen Garten zufrieden? Im Nordteil, wo die Wiesen weitgehend wild sind, ist die Vielfalt schon groß. Im Südteil könnte ich mir durchaus mehr Sträucher vorstellen. Duftende, für die Nase! Zum Beispiel? Ich mag den Schneeball, einer der frühesten Blüher im Frühling, ich sehe ihn bisher nur vereinzelt. Bauernjasmin bietet auch viel fürs Auge und für die Nase. Ilex, die Stechpalme mit weißen Blüten und knallroten Beeren, bietet Futter für Vögel. Dürfen Sie in einem denkmalgeschützten Park einfach etwas dazupflanzen? Die historischen Pläne geben uns vor, wo Rasen und Pflanzen sein dürfen. Nach Lust und Laune irgendetwas pflanzen können wir also nicht. Aber vielleicht bietet das Eschensterben eine Chance, an manchen freigewordenen Stellen etwas Neues mit Duft auszuprobieren. Falls der nächste Sommer über Wochen extrem heiß wird – was heißt das für Sie? Dann werden wir uns besonders um etwa 100 Jungbäume kümmern, die wir als Solitärbäume außerhalb einer Gruppe frisch gepflanzt haben. Junge Weißtannen, Schwarzkiefern, Vogelbeerbäume und Weiden. Die müssen wir möglicherweise wässern, damit sie gut anwachsen. Auch die Wegeflächen durch den Park brausen wir in heißen Sommern ab, damit sie nicht stauben. Abbrausen? Wie machen Sie das? Mit einem Fass auf einem Anhänger. Das Wasser holen wir aus dem Eisbach, und das Fahrzeug fährt täglich die wichtigsten Routen ab, vor allem die Fahrradrouten. Wiesen wässern Sie nicht? Oder einzeln stehende Bäume? In der Regel ist das nicht erforderlich. Ihre Leute sammeln im Jahr rund 240 Tonnen Müll auf. Im Sommer ist das täglich eine halbe Tonne an Flaschen, Pizzakartons, Pappbechern, Holzbesteck, Plastikfolien, Zigarettenschachteln. Zu viel? Die Menge ist offensichtlich enorm. Wenn ich im Sommer nach Feierwochenenden in der Früh in den Park komme, denke ich oft: Muss das sein? Ich verstehe wirklich nicht, warum man seinen Müll nicht wieder mitnimmt oder in einen der Mülleimer wirft. Die meisten Parkbesucher machen das ordentlich, aber geschätzt ein Zehntel des Mülls bleibt leider auf der Wiese liegen. Reicht die Zahl der Mülleimer vielleicht einfach nicht? Von den ein Mal ein Meter großen Trashboxen, die auf den Liegewiesen rund um den Monopteros und am Schwabinger Bach stehen, haben wir bereits die maximal mögliche Anzahl für den Park, der ja auch ein Gartendenkmal ist, aufgestellt. An den Eingangsbereichen würde ich gerne noch mehr Mülleimer aufstellen. Etwa von Schwabing kommend, an der Milchhäuslstraße. Vieles picken auch Krähen wieder aus den Mülleimern heraus. Würden Deckel nicht helfen? Das mag sein, aber wir haben festgestellt, dass Deckel teilweise auch die Parkbesucherinnen und Parkbesucher eher davon abhalten, ihren Müll reinzuwerfen. Deckel anfassen mögen manche Leute offenbar nicht. Ihre Prognose: Wie schaut der Englische Garten in 20 Jahren aus? Solange aus den Alpen hier noch Wasser herunterfließt, wird sich im Englischen Garten nicht sehr viel ändern. Das Gartenkunstwerk wird weiter so bestehen. Und die gute Nachricht ist: Themen wie Müll in die Mülleimer werfen, Trampelpfade meiden und Rücksicht auf Bäume nehmen – das haben wir als Menschen selbst in der Hand. Interview: Irene Kleber Wie schützt man eigentlich Münchens grünes Wohnzimmer, den Englischen Garten? Vor Hitzesommern, Freizeitmenschen,Bibern und Tonnen von Müll? Ein AZ-Gespräch mit dem neuen Parkchef Martin Baumgärtner Frühling im Englischen Garten, da sind schnell die Liegewiesen voll. Mehr als fünf Millionen Menschen tummeln sich jährlich im Park. imago Eine bunte Blühwiese im Park, im Hintergrund der Monopteros. imago Martin Baumgärtner, zuvor Vize, ist der neue Verwaltungschef des Englischen Gartens mit rund 65 Mitarbeitern. Foto: Sigi Müller Rest vom Fest: Bierflaschen auf einem Mülleimer im Park. imago ‚‚ Jede dritte Esche im Park dürfte ‘‘ betroffen sein ‚‚ Ein Zehntel des Mülls landet ‘‘ in der Wiese AZ-INTERVIEW mit Martin Baumgärtner Der Landschaftsarchitekt und Stadtplaner (44) ist seit 1. März der neue Verwaltungschef des Englischen Gartens (mit Hofgarten, Finanzgarten und Maximiliansanlagen). Zuvor war er Parkpfleger am Schloss Nymphenburg und ab 2024 Vize-Parkchef im Englischen Garten. Aufgewachsen ist er in Bogenhausen als Kind von HerzensSchrebergartlern. Mit Frau und Kindern könnte er im Englischen Garten wohnen, bleibt aber lieber in Sendling. Da sei es, meint er, doch ein wenig urbaner. WOCHENEND-INTERVIEW MÜNCHNER GSICHTER “

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