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TANJA EIFERTINGER SPD Stadtrats- & Kreistagskandidatin Vorsitzende Kleiderkammer Pfaffenhofen Ich kämpfe für Menschenwürde vor der eigenen Haustür! ÜBER MICH

Unser vollständiges Wahlprogramm finden Sie auf unserer Homepage www.spd-ingolstadt.de www.spd-ingolstadt.de/ transparenz MEHR FÜR DICH. BESSER FÜR INGOLSTADT. 08.03.26 Kommunalwahl Liste 5, Platz 40 UTE EURINGER Liste 5, Platz 1 CHRISTIAN DE LAPUENTE Liste 5, Platz 2 NADINE PRAUN Liste 5, Platz 3 QUIRIN WITTY Liste 5, Platz 4 K. SCHWÄRZLIBÜHLER Liste 5, Platz 5 JÖRG SCHLAGBAUER Liste 5, Platz 6 KERSTIN LANG Liste 5, Platz 7 KLAUS MITTERMAIER Liste 5, Platz 8 SHIRIN HAMO Liste 5, Platz 9 Markus Rößler Liste 5, Platz 10 CRISTINA SEEGER Liste 5, Platz 11 DR. MED. ANTON BÖHM Liste 5, Platz 12 SYLVIA SCHWARZ Liste 5, Platz 13 DR. MICHAEL BLEY Liste 5, Platz 14 CLAUDIA WODERER Liste 5, Platz 15 JÖRG KUTTENREICH Liste 5, Platz 16 LENA ZECHBAUER Liste 5, Platz 17 ALMIR META Liste 5, Platz 18 BETTINA SCHALLERT Liste 5, Platz 19 HARTMUT BRANDT Liste 5, Platz 20 LINA SKIRDE Liste 5, Platz 21 THORSTEN BRAUN Liste 5, Platz 22 SILKE FISCHER- HOFFMANN Liste 5, Platz 23 DR. ANDREAS SARROPOULOS Liste 5, Platz 24 STEFANIE WUNDER Liste 5, Platz 25 RUDI WAGNER Liste 5, Platz 26 MICHAELA PEMSL Liste 5, Platz 27 CHRISTOPH PRAUN Liste 5, Platz 28 VERONIKA PETERS Liste 5, Platz 29 ALEXANDER EXNER Liste 5, Platz 30 ALEXANDRA KÖRNER Liste 5, Platz 31 NORBERT WAGNER Liste 5, Platz 36 KLARA RÜSENBERG Liste 5, Platz 33 DR. FABIAN MIERISCH Liste 5, Platz 34 ELKE PFEFFER Liste 5, Platz 32 NELE SKIRDE Liste 5, Platz 37 MARTIN HECKNER Liste 5, Platz 38 WALTRAUD TATTERMUSCH Liste 5, Platz 39 ANDREAS CRUSIUS Liste 5, Platz 35 MORITZ SCHÄFER Liste 5, Platz 41 WERNER RUPP Liste 5, Platz 46 DEMIS MÜNCH Liste 5, Platz 42 BENEDIKT GRILL Liste 5, Platz 47 RAINER SCHMID Liste 5, Platz 43 C. CULLMANN- PETROLL Liste 5, Platz 48 Michael Groß Liste 5, Platz 44 OLIVER BURKL Liste 5, Platz 49 HANS-JOACHIM LANG Liste 5, Platz 45 BERNHARD TILL Liste 5, Platz 50 BERNADETTE BÜHLER

Hans Stachel, 59 Jahre Handwerksmeister, Stadtrat Münchener Str. Angela Mayr, 57 Jahre Dozentin, Stadträtin Nordost 201 205 209 213 217 221 225 202 206 210 214 218 222 226 203 207 211 215 219 223 227 204 208 212 216 220 224 228 Stefan König, 51 Jahre Redakteur Mitte Markus Reichhart, 59 Jahre Augenoptikermeister MdL a.D. Münchener Str. Jakob Rößler, 67 Jahre Küchenmeister, BZA-Mitglied Süd Stachel Lisa, 27 Jahre Physiotherapeutin Münchener Str. Barbara Wöhrl, 39 Jahre Bachelor of Engineering, BZA-Mitglied Südost Franz Appel, 58 Jahre Angestellter Dipl.-Ing. (FH), BZA-Mitglied Mailing/Feldkirchen Simone Hagn, 42 Jahre Angestellte, B.A. Friedrichshofen/Hollerstauden Thomas Schraufstetter, 40 Jahre Bilanzbuchhalter, BZA-Mitglied Etting Wolfgang Seifert, 60 Jahre Licht-Elektroplaner, Ortssprecher Süd Herbert Böll, 61 Jahre Projektmanager, BZA-Mitglied Südwest Petra Flauger, 55 Jahre Kommunik.elektronikerin, BZA-Mitglied Münchener Str. Manfred Müller, 74 Jahre Werkzeugmacher, BZA-Mitglied Etting Ralph Aubele, 67 Jahre Rentner West Franz Ullinger, 59 Jahre Lehrer, BZA-Mitglied Mitte Werner Rupp, 53 Jahre Diplom-Ingenieur Univ. West Sven Müller, 47 Jahre Geschäftsführer Spitalhof Nazmiye Boz, 60 Jahre Sachbearbeiterin, M. A. Nordost Raimund Reibenspieß, 73 Jahre Lehrer, Stadtrat Südwest Sebastian Kozlowski, 46 Jahre Fachreferent Nordost Gerlinde Kunz, 51 Jahre Erzieherin Nordwest Wolfgang Baumann, 56 Jahre Technischer Bundesbahninspektor Südost Angelo Riili, 47 Jahre Logistikfachkraft Münchener Str. Dr. Johannes Plank, 45 Jahre Zahnarzt Oberhaunstadt/Nordwest Thomas Böttcher, 40 Jahre Autosattlermeister Nordost Claudia Schredl, 53 Jahre Berufsschullehrerin, BZA-Mitglied Ober/Unterhaunstadt Dr. med. Patrick Schmoll, 61 Jahre Arzt Mitte

231 235 239 243 247 232 236 240 244 248 233 237 241 245 249 229 230 234 238 242 246 250 Andreas Gumplinger, 31 Jahre Angestellter Münchener Str. Rudolf Vollnhals, 74 Jahre Jurist Etting Josef Meyer, 70 Jahre Rentner Etting Peter Rauh, 49 Jahre Rauh Peter, B.Sc., Informatiker Mitte Marion Drechsel-Poser, 61 Jahre Bauingenieurin Süd Angela Arnold, 62 Jahre Päd. Ergänzungskraft f. d. Grundschule Südwest Andrea Schabmüller, 39 Jahre Assistenz der Geschäftsleitung Mitte Jürgen Kammerer, 58 Jahre Angestellter Mailing/Feldkirchen Frederick Scheuer, 37 Jahre FA f. Orthop. u. Unfallchir., BZA-Mitglied Nordost Dr. rer. nat. Winfried Frey, 63 Jahre Regierungsdirektor, BZA-Mitglied Süd Dr. Steffen Korfmann, 56 Jahre Entwicklungsingenieur Nordost Samir Hrbatović, 33 Jahre Pflegedienstleitung Friedsrichshofen/Hollerstauden Klaus Huber-Nischler, 68 Jahre Dipl.-Ing. (Univ.), Rentner Südost Werner Pleiner, 57 Jahre Industriemechaniker Ober/Unterhaunstadt Sabine Riili, 46 Jahre Einzelhandelskauffrau Münchener Str. Maria Gruber, 31 Jahre Metallbauerin Mitte Florian Hecke, 49 Jahre Kriminalhauptkommissar, BZA-Mitglied Mailing/Feldkirchen Christa C. Wittmann, 75 Jahre Rentnerin Mitte Rudolf Retzer, 69 Jahre Dipl.-Ing. (Univ.), Bauingenieur Ober/Unterhaunstadt Stefan Welz, 41 Jahre Dipl.-Ing. (FH), Entwickler Südwest Marion Rößler, 65 Jahre Rentnerin Süd Martina Huber-Nischler, 63 Jahre Hausfrau Südost Wir bitten Sie um Ihre Stimme und Ihr Vertrauen - für sachorientierte Politik - für eine stabile Mitte. WIR SETZEN UNS FÜR SIE EIN! FÜR UNSER GEMEINSAMES INGOLSTADT! Ingolstadts starke Mitte. www.fw-ingolstadt.de Nutzen Sie die Briefwahl!

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11 Liebe Leserinnen und Leser, Wir leben in einer Zeit, in der es in vielen Teilen der Welt scheinbar gefährlicher ist, die Wahrheit auszusprechen, als pornografische Kinderfotos mithilfe eines Chatbots zu generieren und verbreiten. Wir leben in einer Welt, in der nicht mehr entscheidend ist, ob etwas stimmt, sondern ob es gut in ein Weltbild passt. Die Lüge hat es heute leicht. Sie braucht keine großen Argumente, Reichweite ist genug. Ein Satz, eine provokante Überschrift, die wütend macht, reicht. Soziale Medien sind längst keine neutralen Plattformen mehr. Sie sind Verstärker für das Niederträchtigste im Menschen. Und viele sogenannte Meinungsmedien und Politiker*innen nutzen das gezielt. Rechtspopulist*innen fluten die Netze mit KI-generierter Propaganda: mit arischen Familienidyllen, mit sexualisierten Frauenbildern. Die Wirklichkeit auf Hubert Aiwangers Social Media Post lässt sich heute schneller fälschen wie früher Flugblätter drucken. Auch unser Kinoplakat auf dem Cover haben wir mit KI erstellt. Der Film läuft (noch) nicht in den Altstadtkinos. Aber wie Sie vielleicht schon gelesen haben, suchen die gerade dringend Zuschauer*innen, um nicht schließen zu müssen. Mensch Leute, was läuft gerade verkehrt?! Wir schauen amazon prime, während die Innenstädte sterben und haben mehr Angst vor Ausländern als vor Faschisten? Lasst uns wieder ehrlicher und empathischer werden! Vielleicht braucht die Welt gar nicht weniger Arschlöcher, sondern nur mehr Präsenz der Gerechten. Ich meine, fändet ihr es nicht auch sinnvoller, ein AfD-Verbot auf den Weg zu bringen, BEVOR die AfD eine Terrortruppe wie die amerikanischen ICE durch die Straßen schickt, Kinder traumatisiert und Menschen tötet? Die AfD-Landtagsfraktion in Bayern stellt sich öffentlich hin, verkündet, "das wollen wir auch!" - Sonder-Polizei nach Trumps Vorbild. Wie die genau aussehen soll, will Ebner-Steiner erst nach einer Regierungsübernahme in Bayern klären. Achsoooo, ja dann.. - Sind wir eigentlich noch bei Trost? Ein paar kleine Schlagzeilen und morgen wieder vergessen? Über Fehltage philosophieren, während kleine Adolfs am Fundament unserer Demokratie sägen? Hört den Nazis zu. Haben sie damals nicht. Sprache wird zu Taten. Am 8. März sind Kommunalwahlen in der Region10. Jede*r kann mitentscheiden, ob wir für Kultur, Wissenschaft und Wahrheit den Weg ebnen oder Hass, Hetze und Lügen bevorzugen. Dieses Magazin ist unser Beitrag zur Demokratie. Ihre Stefanie Herker, Chefredakteurin SABINE KACZYNSKI WIR SUCHEN MEDIENBERATER (M/W/D) EVELIN RAFFALT MEDIENBERATERIN 0841/ 9812401 - 40 / MOBIL: 0172/8533599 raffalt@espresso-mediengruppe.in SEBASTIAN BIRKL SONJA MELZER marketing teamespresso editorial Outfit von Retzlaff Moden, Ingolstädter Straße 27 & 29, Pfaffenhofen Tel. 08441 84887 Mail: retzlaff.moden@online.de Instagram @retzlaff_moden Stefanie Herker Foto: www.thorsten-brieger.com

12 espresso VON STEFANIE HERKER In Menning kräht der Hahn vom Bergmüller Michl immer pünktlich. Ein leichter Nebel legt sich frühmorgens meist für ein paar Stunden über die Menninger Felder und hüllt sie rosa-blau ein. Ein Gemälde. Wenn man auf dem Weg zum Kindergarten dem Hausmeister Mennings, dem Opa Alois, bei der Arbeit begegnet, weiß man, dass alles gut ist. Von der funktionierenden Klingel bis zum sauber gemähten Rasen am Sportplatz – er macht’s. Die wichtigsten Nachrichten hört man hier nicht in den sozialen Medien, sondern beim Bein Done, und egal was passiert, die Welt geht meistens nicht unter. Doch die Idylle des 700-Seelen-Dorfes wurde vor etwa einem Jahr ein wenig getrübt. Eine zunehmend rechtsradikale Partei, die Hass, Ausgrenzung und Frauenfeindlichkeit ohne Scham feiert, erhielt bei der Bundestagswahl 2025 über ein Drittel der Stimmen. Bald sind Kommunalwahlen. Trends sind in Menning eigentlich egal. Aber wenn sich dieser braune Trend fortsetzt, dann möchte ich zumindest einmal davor festgestellt haben, dass auch das schwächste Glied einer Fahrradkette ein schmutziger Teil von ihr ist, der sie zusammenhält. Menning ist mein Heimatdorf. Ich bin hier aufgewachsen. Hier habe ich das Christkind fliegen sehen und versucht, Kaugummiautomaten zu knacken. Am meisten Angst hatte ich damals vor Sceletor, dem Bösewicht bei He-Man. Von meiner Mutter habe ich gelernt, nicht zu verurteilen, von meinem Vater, dass Respekt keine Frage von Klasse sein darf. Weil meine Oma ein gutes Dutzend Geschwister hatte, bin ich hier im Ort mit jeder dritten Person verwandt. Eine der nettesten Menschen im Ort waren immer schon unsere Nachbarn, die Familie Spenger. Jedes Mal wenn ich zu Besuch war, ging ich mit mindestens einer Packung Süßigkeiten heim - vergess ich nie! Unser Kindergartenbusfahrer war der Musil Franz. Dreizehn Jahre später holte er uns vom Amadeus ab. Die Pernreiter Verena und ich waren ab der zweiten Klasse die "woken Meinungsmacher" des menning Ein Blick in meinen Wohnort, in dem die AfD 31,1 Prozent bei der Bundestagswahl 2025 bekam Menning im Januar 2026 / Fotos: Herker

13 espresso Orts - unsere Schülerzeitung war der Hit. Die wildesten Partys feierten wir im Jugendheisl – zum Leidwesen der Riedlmüller Gerti, die aus der Not heraus öfter mal die Polizei verständigen musste. Dezente Lärmbelästigung war das größte Übel. Gewalt habe ich in Menning niemals von Ausländern erlebt, von einzelnen Einheimischen leider schon. In meinen Zwanzigern habe ich durch Reisen gelernt, dass es überall auf der Welt nette Menschen gibt. In Menning bin ich Mitte dreißig sesshaft geworden, weil es für mich immer schon ein Genug-Ort war. Familie, Felder, Frieden. 2008 begann man damit, den alten Ortskern von Menning mit einem Neubaugebiet zu erweitern. Aufgrund der hohen Immobilienpreise in den Städten wurde der Vorort zu einem gefragten Plätzchen. Nach und nach wurden weitere Neubaugebiete erschlossen. Eine absolute Bereicherung. Auch ein paar Menschen mit polnischen, ukrainischen, russischen, philippinischen, italienischen und türkischen Wurzeln leben hier. Tür an Tür mit Einheimischen. Menning ist trotz des Zuzugs nur dezent interkulturell. „Alle Kinder sind bestens integriert“, sagt die Kindergartenleiterin, die Artmeier Silvia. Überhaupt nur ein ukrainisches Flüchtlingskind sei hier für eine kurze Zeit gewesen. In Menning liegen keine Spritzen auf Spielplätzen, hier werden Menschen höchstens mit Spitznamen wie "ZehnHalbe" oder "Wueste" gewürdigt. Nüchtern betrachtet haben die Menschen hier im Ort mehr als genug: Haus, Garten, Kinder, Auto, Job. Wenn Menning ein Peppa-Wutz-Charakter wäre, dann Frau Mümmel in Form vom Brieger Thorsten oder der Meder Marianne und vielen anderen, die sich im Orts-und Vereinsleben vielfältig engagieren. Und Menning bündelt durchaus Kompetenzen: Das Dorf wird belebt von den Gebrüdern Bachmaier, den deutschlandweiten Spezialisten in Sachen Landmaschinen, von Pionieren wie den Trüffelbauern Neumayer Andreas und Damaris oder vom Ehepaar Kipfelsberger, das jedes Jahr mit einem unvergleichlichen Maislabyrinth für Tourismus und Unterhaltung sorgt. Hier leben Ärzte, Landwirte, Handwerker, Ingenieure, Rentnerehepaare, Familien. Man sitzt zusammen beim Dorffest, stellt gemeinsam den Maibaum auf, spielt Tennis, macht Yoga. Ein bunt gemischter Fußballverein feiert Erfolge, und das Dorf fiebert sonntags mit. Man kennt sich, grüßt sich, ratscht, tauscht. Man hilft sich gegenseitig. Wer braucht ein neues Fahrrad? Wer hat einen Handschuh verloren? Wo ist Mauzi? Die WhatsApp-Gruppe rund um die Belange der Menninger Kinder schließt niemanden aus. Und in der einzigen – aktuell leerstehenden – Wirtschaft im Ortskern wird sogar über ein veganes Lokal nachgedacht. Der ehemalige Grünen-Politiker, der Merkouris Alex, ist der Käufer. Würde man Friedrich Merz’ Stadtbild-Aussage heranziehen, müsste man sich eingestehen, dass es so etwas wie ein „Dorfbild“ in Menning nicht gäbe. „Es leben hier recht wenig ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger“, sagt Bürgermeister Martin Schmid, "da Schmidl", der selbst in Menning wohnt. Die Menge wirkt recht homogen. Dennoch: Die Entnazifizierung nach 1945 fand auch hier möglicherweise genauso wenig statt wie in vielen anderen Städten und Dörfern Deutschlands. Natürlich gibt es auch hier Ressentiments. Verdacht auf einzelne Reichsbürger, Deutschlandflaggen im Garten, Sätze wie: „Mei, i mog hoid koane Ruaßigen!“ Aber keine Springerstiefel, keine lauten Parolen. Genauso wenig wie Flüchtlingsunterkünfte oder nächtlichen Brennpunkte. Und trotzdem scheint bei manchen die Angst vor Ausländern größer als vor einer erneuten Explosion des Kraftwerks in Irsching nebenan. Die Grünen kamen auf 2,7 Prozent. 31,1 Prozent wählten 2025 die AfD. Wahlbeteiligung: 45 Prozent. Im Wahllokal im Kindergarten St. Martin. Dort, wo Kinder teilen lernen, fangen Erwachsene wieder an zu sortieren. Ein Drittel der Menschen, denen der Gang zur Wahlurne hier am Herzen lag, hat eine Partei gewählt, die von Lügen lebt, deren Politiker sich Gefängnisstrafen für Homosexuelle wünschen, die Behinderte als „nicht tragbar“ bezeichnen und Frauen am liebsten zurück an den Herd schicken würden. Wovon sollte eine Durchschnittsfamilie in so einem AfD-Modell heute leben? Beispiele für Frauenverachtung gibt es in der AfD zahlreiche. Eine der harmloseren, aber skurrilen stammt von Josef Burkart, AfD-Fraktionsvorsitzender, 2023: „Ich sehe die Ausgabe [von Menstruationsartikeln] an Frauen ähnlich, als würde man Alkoholikern Alkohol und Rauchern Zigaretten ausgeben.“ Immer wieder wird auch der Schutz von Frauen instrumentalisiert, um gegen Migration und den Islam zu mobilisieren, obwohl die AfD selbst Frauenrechte und Selbstbestimmung einschränken will. Mein vierjähriger Sohn fragte mich kürzlich, als wir über Politik sprachen: "Warum glauben die Menschen den Politikern, wenn sie lügen?" Das Lügen in der Politik ist ein Geschäftsmodell geworden, das vor allem in den sozialen Medien bestens funktioniert. Wer würde wissentlich gegen die Rechte seiner eigenen Tochter oder Enkelin wählen? Wer würde gegen sich selbst wählen? Die AfD ist keine Volkspartei, weil sie

14 espresso bereits durch ihre Tonalität mindestens die Hälfte der Bevölkerung ausschließt. Von den AfD-Steuerplänen profitieren zudem nur höhere Einkommensgruppen und Reiche. Also warum wählt man in Menning die AfD? Menschen wählen eine Partei, die ideologisch, rhetorisch und programmatisch genau jene Gruppen angreift, zu denen sie selbst gehören – oder zu denen ihre Nachbarn, Kolleginnen und Freunde gehören sagt eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und bestätigt damit eine der seltsamsten Paradoxien der Gegenwart. Das prominenteste Beispiel für dieses Paradox ist Alice Weidel, Co-Vorsitzende der AfD. Im Bett liegt sie mit einer dunkelhäutigen Frau aus Sri Lanka. Dunkelhäutige Kinder tapsen durch ihre Villa in der Schweiz. Im Deutschen Bundestag spricht sie von Remigration. "Wir haben immer genau das gefordert, was Donald Trump heute umsetzt", sagte sie Ende November letzten Jahres in einer Generaldebatte im Bundestag. Weidel und ihre Liebsten verkörpern genau das, was Teile ihrer Partei und auch Donald Trump als Bedrohung darstellen: eine Regenbogenfamilie. Und doch ist sie heute eines der wichtigsten Gesichter dieser Bewegung. Warum? Frauen sollen denken: Wenn Weidel ihre Daseinsberechtigung hat, kann es für Frauen nicht so schlimm werden. Ausländer sollen denken: Wenn sie selbst eine ausländische Partnerin hat, kann sie nicht so radikal sein. Homosexuelle sollen denken: Sie darf es auch. Aber was, wenn sie nur das Feigenblatt ist? Solange sie nützlich ist, nimmt man sie als Schutzschild. Wenn die AfD an der Macht ist, wird man sie nicht mehr brauchen. Oder man wird eine einsame Ausnahmeregel finden: Wer Macht hat, darf alles. Auch auf kommunaler Ebene zeigt sich dieses Muster. Als die AfD in Ingolstadt 2025 eine Oberbürgermeisterkandidatin aufstellte, Rosa Pepke, hatte diese keine „rein deutsche“ Biografie im völkischen Sinne. Die Botschaft war klar: Seht her, wir sind nicht so, wie ihr uns beschreibt. Mehrere empirische Studien zeigen zudem, dass die Wahl rechtspopulistischer Parteien häufig weniger Ausdruck rationaler Eigeninteressen ist als von Unsicherheitsgefühlen, politischer Frustration und Identitätsängsten. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung etwa gelangt zu dem Schluss, dass AfD-Wähler häufig durch Krisenängste und Benachteiligungsempfinden mobilisiert werden – obwohl viele von ihnen nicht von den zentralen Programmpunkten der Partei profitieren würden. Angst also? Hat man auch in Menning einfach nur die permanenten Lügen und leeren Versprechen der großen Politik satt? Ist es Neid? Oder ist es die Angst, das Idyll eines bayerischen Dorfes irgendwann durch zu viele „Fremde“ zu verlieren? Rechtfertigten diese Gründe die Wahl einer Partei, die von „Entsorgen von Menschen“ spricht? „Solche Menschen müssen wir selbstverständlich entsorgen!“, sagte der AfD-Bundestagsabgeordnete Petr Bystron 2017 über die ehemalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD). Ist es Unwissen? Oder können Menschen wirklich so radikal hassen, dass Politiker gar nicht radikal genug sprechen können? Diese Partei wuchert wie ein Geschwür. Die Grenzen wurden längst überschritten. Selbst der ehemalige Vize-Vorsitzende der AfD Hans-Olaf Henkel sagt wörtlich: " Diese Partei können Sie vergessen. (..) Diese Partei ist zu einer "NPD light", vielleicht sogar identisch mit der NPD geworden." Eigentlich sollten bei uns allen die Alarmglocken läuten. Eigentlich. Aber der Hahn kräht jeden Morgen, die Menschen grüßen sich, spielen zusammen Fußball, kein Weltuntergang in Sicht. Also ist wohl doch alles gut. Einmal wurde ich in Menning gefragt, warum ich mich eigentlich für Gleichheit einsetze, obwohl ich doch selbst gar nicht betroffen sei. Die Frage richtete sich an meine Arbeit als Journalistin und war nicht böse gemeint. Eher neugierig. Aber sie spukt mir bis heute im Kopf herum. Als Frau fühle ich mich sehr wohl negativ von streng konservativer Politik betroffen, die gerade mit Vollgas den Rückwärtsgang einlegt und alles niederwalzt, wofür unsere Großmütter kämpfen mussten. Und überhaupt: Braucht es wirklich einen triftigen Grund für Toleranz gegenüber anderen Menschen? Eigentlich sollte das die Normalität sein. Die Frage sagt meiner Meinung nach noch mehr über unsere Gesellschaft aus. Sie sagt: Solange es mich nicht selbst betrifft, ist doch alles gut. Nach Recherchen von Correctiv liegen die Pläne der AfD zur massenhaften Vertreibung von Menschen mit Migrationshintergrund, darunter auch deutschen Staatsbürgern, schon längst auf dem Tisch. Politiker wie Maximilian Krah erklärten sinngemäß, Deutschland komme auch mit 20 Millionen Menschen weniger aus. "Man wird nicht um eine Politik der wohltemperierten Grausamkeit herumkommen,"nannte es ein Björn Höcke, 2024 vor der EU-Wahl. In der Schule fährt man zum Geschichtsunterricht vielleicht einmal ins Konzentrationslager nach Dachau. Man könnte aber auch nach Gaimersheim, Ingolstadt, Pfaffenhofen oder anderswo in der Region schauen. Die Nazi-Verbrechen fanden überall statt. Auch vor der eigenen Haustür. Geschwiegen wurde überall. Neulich stieß ich auf dieses Zitat von Karl Stojka, Auschwitz-Überlebender: „Es waren nicht Hitler oder Himmler, die mich entführten, mich schlugen, meine Familie erschossen. Es war der Schuster, der Milchmann, der Nachbar, der eine Uniform bekam und dann glaubte, er gehöre zur Herrenrasse.“ Manchmal frage ich mich, wer wohl eines Tages vor meiner Haustür stehen könnte. Maximilian Krah oder Alice Weidel werden es jedenfalls nicht sein. Sondern jemand, den man vielleicht kennt. „Nie wieder“ sollte so etwas geschehen. „Wie konnten die Menschen damals nur zuschauen“, fragt man sich – und gleichzeitig wird in der Welt Faschismus wieder salonfähig. Und wir schauen dabei zu. Trump wünschte sich 2024 „Generäle wie die von Hitler damals“. 2025 finanziert er aus der „Big Beautiful Bill“, einem Finanztopf, der die Wirtschaft fördern sollte, die Gewalttruppe ICE, die die Straßen von „Kriminellen“ säubern soll. Seit 2026 werden nicht nur illegale Migranten zur Zielscheibe, sondern potenziell alle, die sich dem Trump-Regime entgegenstellen. Kleine Kinder werden von ihren Eltern getrennt, alte Menschen aus ihren Häusern gezogen. Unschuldige werden auf offener

Anzeige espresso 15 Straße erschossen. Blutrünstig. Beliebig. Und die Regierung legt sich nur noch ihre eigene Wahrheit zurecht. Ich stelle mir vor, was ich tun würde, wenn eine illegale, bewaffnete Polizistentruppe vor dem Haus meiner Nachbarn stünde und sie vor ihren Kindern festnehmen oder verprügeln würde – ohne Grund. Ob mir jemand helfen würde? Warum uns Amerika interessieren sollte? Weil AfD-Politiker offen Sympathien für Donald Trump und seine Gewaltbereitschaft zeigen – und weil sich auch in Deutschland die politische Sprache bereits gefährlich verschiebt. Wenn von „Lügenpresse“ gesprochen wird, Schulen unter Generalverdacht geraten, nicht neutral zu sein, und Meinungsfreiheit zunehmend selektiv verstanden wird, ist das kein Zufall. Die USA stehen exemplarisch dafür, wie schnell demokratische Institutionen unter Druck geraten können und staatliche Macht zunehmend gegen das eigene Volk gerichtet wird. „Wissen Sie, das große Problem ist, dass man Hitler als absolut böse darstellt.“ Das sagte Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender der AfD Thüringen, 2017 über einen der größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte. Was ist denn „absolut böse“, wenn nicht Hitler? Warum uns Worte wie die von Björn Höcke nicht kalt lassen sollten? Weil es hier um viel mehr geht als „einfach nur weniger Ausländer im Ort haben wollen“. Autoritäre Parteien beginnen nicht mit Lagern. Sie beginnen mit Sprache. Mit der Normalisierung des Unsagbaren. Und auch die AfD auf kommunaler Ebene wird nicht sofort Lager bauen, aber sie wird die Region mit ihrer Sprache verändern. Sie wird sich gegen Klimaschutzmaßnahmen stellen, Ausschüsse blockieren, Menschen indirekt klassifizieren. Die Kultur wird verarmen, weil interkulturelle Feste und Vielfalt kein Teil ihres Programms sein werden. Es wird schleichend passieren, nicht immer sofort dramatisch sein. Ich denke, ein kleiner Unterschied ist – ohne etwas zu verharmlosen: Wähler sind nicht Funktionäre. Die meisten AfD-Wähler schreiben keine Parteiprogramme. Sie halten keine Reden über Hitler. Sie reagieren. Sie sind wütend, enttäuscht, müde vom Gefühl, nicht mehr gehört zu werden, und vor allem eines: schlecht informiert. Desinformation ist eine der gefährlichsten Waffen unserer Zeit. Zu den Funktionären: Sie gestalten. Sie wählen die Begriffe. Sie verschieben die Grenzen des Sagbaren. Sie wissen, was sie tun. Sie tun es bewusst. Sie arbeiten mit Desinformation und gezielter Spaltung. Zwischen Funktionären und Wählern liegt ein Unterschied. Aber ein Punkt verbindet sie: Die Stimme, die jemand bei einer Wahl abgibt, legitimiert die Führung dieser Partei. Der Wähler wählt reale Akteure und reale Strategien. Zu sagen, eine Stimme für eine rechtsradikale Partei sei Protest gegen die anderen Parteien, ist etwa so, als würde man saure Milch trinken und so tun, als wäre sie süß, nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum etwas anderes sagt. Wenn jemand aus Protest wählen will, dann bitte doch lieber „Die Partei“. Einmal sagte ein Menninger zu mir, mit dem ich über meinen Weltschmerz sprach: „Wir können doch eh nichts ändern!“ Die Politik war gemeint. Wenige Wochen später hörte ich das letzte Interview der Friedensaktivistin Jane Goodall, die sagte: „Du kannst einen Unterschied machen. Und es ist wichtig, welchen Unterschied du machst.“ Und so ist es. Es waren nur hundert Menschen in Menning, die die AfD gewählt haben. Und doch stellen sie ein Drittel des Wahlergebnisses dar. Wie wäre das Ergebnis gewesen, wenn 80, 90, 100 Prozent der Menninger gewählt hätten? Jeder Einzelne zählt. Ich wohne gerne in Menning. Aber ich bin wütend. Wütend darüber, dass wir nichts aus der Vergangenheit unserer Großeltern gelernt haben. Wütend, dass Angst und billiger Populismus mehr Aufmerksamkeit bekommen als die Wahrheit. Die Steintafeln vor der Menninger St.-Martins-Kirche erinnern an die im Krieg gefallenen Männer. Was würden sie uns sagen, wenn sie wüssten, dass einige von uns auf die gleichen Mechanismen hereinfallen wie sie damals bei Hitler? Auf Sündenböcke und Hassreden. Am Ende bleibt ein alter Irrtum, den es zu brechen gilt: Autoritäre Bewegungen leben davon, dass Menschen glauben, sie würden zur Ausnahme gehören – bis die Ausnahme abgeschafft wird. Und damit sind wir wieder bei der Frage, warum es sich lohnt, für Demokratie und Gleichheit aller einzustehen, auch wenn man selbst (gerade) nicht benachteiligt ist: Weil es früher oder später jeden trifft, wenn autoritäre Systeme erst einmal gefestigt sind. Es gibt nichts, was wir als externe Kraft mehr fürchten sollten als den Faschismus. Menning, ich zähl auf dich. 45 Prozent Wahlbeteiligung sind zu wenig. Und ein Drittel AfD ist zu viel. Jetzt schaut die ganze Region auf dich – bitte blamier dich nicht. Zeig Herz am 8. März. Menning ist ein Ortsteil von Vohburg an der Donau / Foto: Thorsten Brieger, 2025

espresso Anzeige 16 ach Mutti human Statement-Socken von www.arrel.de "Ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn wir jetzt noch anfangen müssen, uns dafür zu entschuldigen, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land." Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Merkel am 15. September 2015 ABOUT arrel: Drei Jungs mit Verstand, die nicht nur Mode verkaufen, sondern Botschaften in die Welt senden und sie damit ein bisschen besser machen. Arrel steht für Offenheit, Liebe, Toleranz, Freude und Nachhaltigkeit. Das Label unterstützt faire und nachhaltige Produktion in Europa und zeigt soziales Engagement. Zeig Flagge mit www.arrel.de! Es gibt Tage, da wünscht man sich Mutti wäre da. BE NICE TO EACH OTHER AND HARD WITH THE SYSTEM.

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14 espresso INGOLSTADT, WIR MÜSSEN REDEN! DIE EHEMALIGE BUNDESTAGSABGEORDNETE UND GRÜNEN-STADTRÄTIN AGNES KRUMWIEDE HAT DIE NS-KRIEGSVERBRECHEN DER REGION DOKUMENTIERT Foto: Stefanie Herker

19 espresso Politikerin, Aktivistin, Künstlerin, Musikerin, Autorin - in Agnes Krumwiede stecken viele Talente. Leicht hatte sie es trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen - nicht immer. Als junge, gutaussehende Bundestagsabgeordnete der Grünen wurde sie oft auf Äußerlichkeiten reduziert, musste – wie viele andere Frauen in einer Männerdomäne – mehr leisten als männliche Kollegen, um Ernst genommen zu werden. Trotzdem hat sie immer wieder Klarheit bewiesen und gezeigt, wofür sie brennt. „Mit 12 habe das Buch der Geschwister Scholl gelesen. Von diesem Zeitpunkt an wusste ich, dass ich mich mit diesem Thema auseinandersetzen muss.“ Mit was sie nicht ihre Zeit verschwendet, weiß sie auch ganz genau: Händeschütteln mit der AfD im Stadtrat kommt für sie nicht in Frage. „Ich ignoriere sie. Im Sinne der Demokratieerhaltung ist alles andere nicht förderlich“, stellt sie klar. Mit ihrem Buch „Gefangen in der NS-Vergangenheit – Wenn Aufklärung acht Jahrzehnte später beginnt“ hat sie die Rollenverhältnisse zwischen Macht und Aufklärung nachhaltig auf den Kopf gestellt. Manchmal braucht es jemanden, der den Finger in die Wunde legt. So tief, damit es weh tut und in Erinnerung bleibt. Agnes Krumwiede hat genau das getan. Sie hat einen unbequemen Weg gewählt. Einen Weg voller blutiger Spuren, die immer da waren, aber die sich kaum jemand zu hinterfragen wagte. Es ist ein erschreckend ehrliches und zu tiefst aufrüttelndes Gesamtwerk, dass die Autor:innen Agnes Krumwiede Juliane Günther, Thomas Schuler und Martin Springfeld detailliert recherchiert und zusammengetragen haben. Im November 2025 wurde es in Ingolstadt vorgestellt. Aufgrund der hohen Nachfrage gibt es bereits eine 3. Auflage. Eine Muss-Lektüre! Begnadete Künstlerin: Agnes Krumwiede portraitierte "Frauen von damals", Öl auf Papier, 60 x 46 cm, 2025/2026.

20 espresso unbekannte Aspekte und Zusammenhänge in den Lebensgeschichten von Ingolstädter Tätern und NS-Opfern öffentlich. Verdrängtes und Vergessenes kommt ans Tageslicht: Was geschah mit den Säuglingen und Kleinkindern von Zwangsarbeiterinnen im gelben Haus in Gaimersheim? Welche NS-Verbrechen wurden am Städtischen Krankenhaus verübt und wer waren die Haupttäter? Wie gestaltete sich nach 1945 das Leben für Marieluise Fleißer in Ingolstadt, wo sie auf die Gunst des einflussreichen "Donaukurier"-Verlegers Wilhelm Reissmüller angewiesen war, dessen NS-Belastung im letzten Jahr bekannt geworden ist? Wie erging es Ingolstädter Bürger*innen, die sich den Zwangsmaßnahmen im Rahmen des nationalsozialistischen Gesetzes „zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ unterziehen mussten? Welche Perspektive haben Zeitzeugen und Angehörige von NS-Opfern auf die vergangenen Jahrzehnte nach der Befreiung? Das Buch "Gefangen in der NS-Vergangenheit" Agnes Krumwiede - Warum dieses Buch für mich ein Beitrag zur Demokratie ist: Unter dem Titel "80 Jahre Kriegsende in Ingolstadt - Gefangen in der NS-Vergangenheit" durfte ich Ende letzten Jahres beim Kugelberg-Verlag ein Buch herausgeben. Wir Autor*innen -Juliane Günther, Thomas Schuler, Martin Springfeld und ich- zeigen darin, wie Verdrängung, Lebenslügen und Kontinuitäten einer Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in Ingolstadt lange Zeit im Weg standen: Exponierte Ingolstädter Persönlichkeiten wie der frühere „Kampfkommandant“ Paul Weinzierl konnten trotz ihrer NS-Belastung nach Kriegsende reibungslos ihre Karrieren fortsetzen, wurden geehrt und erlangten politische Ämter und Mandate. Gleichzeitig mussten viele NS-Opfer jahrzehntelang um Entschädigungsleistungen kämpfen. Zum Teil auf Grundlage erstmals erschlossener Quellen werden bisher schließt an kritische Beiträge über Ludwig Liebl, Josef Listl, Wilhelm Reissmüller und Lambert Friedrichs in "Täter, Helfer, Trittbrettfahrer, Band 17“ (Hg. Wolfgang Proske, Kugelberg-Verlag) an und ist ein Beitrag zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seinen Auswirkungen in Ingolstadt. Im vergangenen Jahr wurden durch eine Umfrage der Jewish Claims Conference alarmierende Wissenslücken zum Holocaust unter jüngeren Deutschen bekannt. Wissen ist ein wesentlicher Baustein zur Stärkung unserer Demokratie. Wer versteht, wie der Nationalsozialismus auch in der eigenen Stadt möglich wurde, kann dazu beitragen, dass es nie wieder geschieht. Deswegen verstehe ich das Buch "Gefangen in der NS-Vergangenheit" auch als Beitrag für unsere Demokratie. "Unter der Oberfläche", Öl auf Leinwand, 100 x 120 cm, Agnes Krumwiede, 2025 "Die Entnazifizierung hat in Bayern nicht stattgefunden." Foto: Stefanie Herker

Anzeige espresso 21 Politische Werbung zur Kommunalwahl 2026 von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Kreisverband Ingolstadt Grün für Naturschutz, eh klar. V.i.S.d.P.: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Ingolstadt, Joachim Siebler, Taschenturmstr. 4, 85049 Ingolstadt NICHT GEGEN. WIR GLAUBEN AN IDEEN. WAS GLAUBST DU? SONDERN FÜR. "80 Jahre Kriegsende in Ingolstadt - Gefangen in der NS-Vergangenheit" ISBN 978-3-945893-34-0 330 Seiten 28,00 €. Portofrei beim Kugelberg Verlag bestelltbar oder auf vielen Portalen des Online-Buchhandels sowie in Ingolstädter Buchhandlungen vorrätig. Am Samstag, 28. Februar 2026, findet um 19.00 Uhr in der Stadtbücherei Ingolstadt (Herzogskasten, Hallstraße 2-4, 85049 Ingolstadt) eine Lesung der Autor*innen statt. Der Eintritt ist frei. ABOUT Agnes Krumwiede ist Diplom-Musikerin mit Konzertexamen in Klavier und war während ihres Studiums Stipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung. Von 2002-2009 arbeitete sie als freie Mitarbeiterin in der Kulturredaktion des Donaukuriers und beim Bayerischen Rundfunk. Von 2009-2013 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages und kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN. Sie ist seit 2020 Mitglied des Ingolstädter Stadtrates. Seit 2021 unterstützt sie als freie Mitarbeiterin das Projekt „Opfer des Nationalsozialismus in Ingolstadt“ am Stadtarchiv Ingolstadt.

espresso Anzeige 22 „An uns denkt doch kein Mensch“ – dieses sinnbildliche Zitat steht am Anfang Ihrer kürzlich veröffentlichten Nordhalbener Erklärung. Ist das eher gefühlte Wahrnehmung oder harte Realität in vielen ländlichen Kommunen? Simon Dudek: Diese Aussage ist uns im Rahmen unserer Feldforschung immer wieder begegnet. Es drückt die Stimmung vieler Menschen aus, die in finanzschwachen, ländlichen Räumen leben. Es ist ein Gefühl des Vergessenwerdens. Es ist ein Stück weit Realität. Man hat das Gefühl, dass Politik oft für und in Großstädten gemacht wird. Sie sprechen von einer strukturellen Unterfinanzierung. Was ist der größte systemische Fehler in der aktuellen Kommunalfinanzierung? Andreas Kallert: Der Bias zwischen Aufgaben und Geldmitteln, die zur Verfügung gestellt sind. Die Kommunen übernehmen sehr viele Aufgaben, sie investieren sehr viel, sie haben viel Personal - sie werden dafür aber zu gering am Gesamtsteueraufkommen beteiligt. Sie bekommen zu wenig von den Gemeinschaftssteuern ab und sie haben sehr wenige eigene Möglichkeiten, Einnahmen zu erhöhen. AN UNS DENKT DOCH KEIN MENSCH Vielen kleinen Kommunen fehlt das Geld für notwendige Investitionen. Der Frust steigt mit jedem Schlagloch, jedem Tropfen durch das undichte Schuldach. Abhilfe könnte ausgerechnet die umkämpfte Vermögensteuer schaffen. Da sind sich zwei Wissenschaftler der KU Eichstätt einig. Ein Interview über die » Politik der 1.000 Fördertöpfe « und Wege aus der Misere - und warum wir mehr investieren müssen, um die Demokratie zu schützen. Interview: Sebastian Birkl In der Erklärung warnen Sie als Konsequenz daraus vor wachsendem Frust und politischer Radikalisierung. Wie direkt ist der Zusammenhang zwischen leeren Gemeindekassen und dem Zulauf zu extremen Parteien? Dudek: Grundsätzlich gibt es keinen direkten Zusammenhang. Man kann nicht sagen, dass wegen der Finanzschwäche rechtsextreme Parteien gewählt werden. Wir sehen wohlhabende Kommunen, in denen überdurchschnittlich viele AfD wählen und gleichzeitig gibt es genauso struktur- oder finanzschwache Kommunen, wo unterdurchschnittlich rechtsextrem gewählt wird. Ein wichtiger Faktor ist: Wo sind die Menschen mit ihren Lebensverhältnissen, ihrer politischen Repräsentation zufrieden? Dort ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass rechts gewählt wird. Dort, wo es eine AfD schafft, Angst vor sozialem Abstieg, vor Überfremdung, vor Geflüchteten oder auch eine gewisse Elitenfeindlichkeit zu kultivieren - und dann auch noch wenig Gegenwind aus der Zivilgesellschaft erhält -, wird auch stärker AfD gewählt. Der Punkt ist aber: Wenn Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld immer nur mit dem Abbau von Leistungen konfrontiert sind, geht auch ein Vertrauen Illustration: Adobe Stock / fran_kie

2 espresso in etablierte Parteien langsam aber sicher verloren. Kallert: Man kann dann verschiedene Politiken gegeneinander ausspielen. „Geflüchtete bekommen Leistungen, bei uns werden Leistungen gestrichen.“ Das ist natürlich das Metier, in dem die AfD sehr gut Unterstützung gewinnen kann. Was ist die Nordhalbener Erklärung? Die Nordhalbener Erklärung ist ein gemeinsamer Appell aus Wissenschaft, Kommunalpolitik und Zivilgesellschaft, der bessere finanzielle und strukturelle Rahmenbedingungen für strukturschwache ländliche Kommunen fordert. Sie macht auf die chronische Unterfinanzierung vieler Gemeinden aufmerksam und verlangt von Landes- und Bundespolitik mehr kommunale Handlungsspielräume, eine auskömmliche Finanzierung sowie eine Entlastung bei wachsenden Aufgaben. Ziel ist es, gleichwertige Lebensverhältnisse zu fördern, den sozialen Zusammenhalt vor Ort zu stärken und damit auch das Vertrauen in Demokratie und kommunale Selbstverwaltung zu sichern. Die Erklärung entstand auf Initiative von Dr. Andreas Kallert und Dr. Simon Dudek. Nordhalben (Oberfranken) steht dabei beispielhaft für viele strukturschwache Dörfer und Kleinstädte. Mehr: nordhalbener-erklaerung.de Dr. Simon Dudek und Dr. Andreas Kallert (re.) von der Arbeitsgruppe Wirtschaftsgeographie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). » DIE VERMÖGENSTEUER WÄRE EIN STARKES ZEICHEN, WIE DER BUND AUF DIESES PROBLEM REAGIEREN KANN « Sie fordern mehr echten Gestaltungsspielraum für Kommunen. Wodurch erleben Gemeinden heute konkret Fremdsteuerung „von oben“? Kallert: Dadurch, dass der Entscheidungsspielraum vor Ort sehr gering geworden ist. Vieles reduziert sich auf das Realisieren von Pflichtaufgaben, wobei ein Gemeinde- oder Stadtrat de facto sehr wenig entscheiden kann. Auch bei der Fördermittelpolitik wird die Fremdsteuerung konkret gespürt. Man schaut, welche Förderprogramme es gibt. Auf diese muss man sich bewerben. Das ist aber nicht unbedingt das, was man braucht. Diese Förderprogramme werden natürlich wieder eher in den Landeshauptstädten, in Berlin konzipiert und von dort auch verwaltet. Das alles verstärkt das Gefühl von einer Fremdsteuerung, von der eigenen Handlungsunfähigkeit. Auch bei Themen wie Ganztagesbetreuung oder einer besseren Integration von behinderten Menschen werden Kommunen nicht eingebunden und vor allem werden sie nicht ausfinanziert. Die Politik der »tausend Fördertöpfe« bezeichnen Sie als Ausdruck fehlenden Vertrauens des Bundes in die Kommunen. Warum wäre eine bessere Grundfinanzierung aus Ihrer Sicht demokratisch sinnvoller als immer neue Fördertöpfe? Kallert: Die Förderprogramme kosten gesamtgesellschaftlich gesehen extrem viel Geld. Die Kosten in der Verwaltung der Mittel, die Kosten auf kommunaler Seite … ganz viel Arbeit und auch Geld wird in erfolglose Fördermittelanträge gesteckt. Wir sprechen hier ja vielfach von Daseinsvorsorgeleistungen, also von elementaren Einrichtungen, die der Staat zu gewährleisten hat, die mittlerweile über Fördermittel finanziert werden – das geht in die falsche Richtung. Das Geld wäre viel besser investiert, indem man es den Kommunen direkt ausschüttet, vielleicht auch mit Leitplanken. Das heißt ja nicht, dass sich dann alle das Opernhaus hinstellen. Aber so könnten die Kommunen selbst entscheiden, was sie gerade am dringendsten brauchen und nicht dort investieren, wo es gerade am ehesten Fördergeld gibt. Dudek: Ländliche Kommunen fühlen sich in diesen Förderprogrammen strukturell benachteiligt. Bedingt dadurch, dass man teilweise eine juristische Vorbildung braucht, um überhaupt mit einem Antrag zurechtzukommen. Städte haben dafür Juristen. In ländlichen Kommunalverwaltungen sitzen eher Generalisten als Spezialisten. Die schaffen es weniger, solche Anträge erfolgreich durchzubringen. Für gewisse Fördertöpfe sind auch Eigenmittel nötig, um sich überhaupt qualifizieren zu können. Dudek: Richtig. Das Matthäus-Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben. Das ist auch ein Problem, mit dem gerade finanzschwache, kleine Kommunen zu kämpfen haben. In der Erklärung listen Sie konkrete Lösungsansätze auf, um Kommunen zu stärken. Kommunen sollen etwa mehr von der Einkommen- und Umsatzsteuer und Erträgen aus erneuerbaren Energien abbekommen. Ist das nicht ein wenig das „Rechte Tasche, linke Tasche“-Spiel? Was die 5. MÄRZ 2026 17.00 & 19.30 Modeparty & Drinks · Get-together · Shopping · Trends · DRINKS. TRENDS. FUN. Kommt zu unserer Fashion Party, lasst euch die neuesten Trends von unseren Models präsentieren und genießt die Zeit bei kühlen Drinks und guten Gesprächen. Unser Laden bleibt bis 22:00 Uhr für euch geöffnet. Um besser planen zu können, meldet Euch bitte telefonisch unter 08441/84887 oder per E-Mail an info@retzlaff-moden.de Wir freuen uns auf euch! Euer Retzlaff-Team Ingolstädter Straße 29 • 85276 Pfaffenhofen Tel: 08441/84 887 • Mail: info@retzlaff-moden.de www.retzlaff-moden.de DRINKS. TRENDS. FUN. Kommt zu unserer Fashion Party, lasst euch die neuesten Trends von unseren Models präsentieren und genießt die Zeit bei kühlen Drinks und guten Gesprächen. Unser Laden bleibt bis 22:00 Uhr für euch geöffnet. Um besser planen zu können, meldet Euch bitte telefonisch unter 08441/84887 oder per E-Mail an info@retzlaff-moden.de Wir freuen uns auf euch! Euer Retzlaff-Team Ingolstädter Straße 29 • 85276 Pfaffenhofen Tel: 08441/84 887 • Mail: info@retzlaff-moden.de www.retzlaff-moden.de

24 espresso Kommunen mehr bekommen, fehlt den Ländern und dem Bund. Was wieder zu gleichen Problemen führt, nur auf anderer Ebene? Kallert: Ja, das stimmt natürlich. Auch Bund und Länder kämpfen mit Defiziten. Es hat allerdings schon Vorteile, wenn der Bund sich verschuldet. Er ist einer der besten Gläubiger der Welt. Er hat ganz andere Konditionen, kann ganz anders verhandeln. Für kleine Kommunen ist es teurer, sich über Kredite zu finanzieren. Und während Bund und Länder Steuern erhöhen und auch teilweise neue einführen können, haben Kommunen kaum Möglichkeiten, ihre Einnahmensituation zu verbessern. Unter anderem wegen der Gebührendeckung. Es bleibt dann eigentlich nur die Grund- und Gewerbesteuer. Hier stehen Kommunen mitunter in Konkurrenz zueinander. Es entstehen Standortnachteile, die zulasten der Bewohner gehen. Kommunalpolitik wird nicht unbedingt attraktiver, wenn man den schwarzen Peter auf die unterste Ebene überträgt. Bei den Erneuerbaren könnten Kommunen tatsächlich Mehreinnahmen generieren. Im Moment fließt da ganz viel an Investoren und Konzerne ab. Wenn eine Kommune selbst in Solar- oder Windkraft investiert, bekommt sie stetige, verlässliche Einnahmen zurück. Das ist gerade für ländliche, periphere Kommunen eine naheliegende Möglichkeit. Im vergangenen Sommer wurde ein Sondervermögen beschlossen. Der Bund zahlt 100 Milliarden Euro an die Länder, u.a. zur Modernisierung der lokalen Infrastruktur, wobei ein Großteil an Städte und Gemeinden weitergegeben werden soll. Kallert: Grundsätzlich ist das natürlich gut, aber die 100 Milliarden sind auf zwölf Jahre ausgelegt. Dann ist die Summe gar nicht mehr so groß. Man konnte sich auch nicht auf einen fixen Anteil, der von den Ländern an die Kommunen durchgereicht werden soll, einigen. Das macht jedes Land unterschiedlich. Teilweise werden auch wieder neue Förderprogramme aufgesetzt. Wir sprechen von round about 5 Milliarden, die bei den Kommunen pro Jahr hängenbleiben. Das Defizit 2024 lag bei 25 Milliarden. Und wir haben ein riesiges Investitionsdefizit von über 200 Milliarden. Sie werden keinen Kämmerer finden, der das Geld aus dem Sondervermögen nicht will, aber auch die wenigsten werden sagen: Das löst jetzt unsere Probleme. Sie sind mit ihrer Nordhalbener Erklärung nicht die ersten, die einen Appell an die Bundes- und Landespolitik stellen. Im vergangenen Jahr gab es etwa einen Brandbrief der Bürgermeister zur Finanznot. Sehen Sie aktuell irgendwelche Bemühungen zu strukturellen Veränderungen? Dudek: Wir haben in den letzten Jahren immer wieder Sondervermögen gesehen. Das Geld ist grundsätzlich da. Wir stehen also nicht vor der Frage, ob wir uns das leisten können, sondern ob wir das Geld mobilisieren wollen. Es ist eine politische Frage, ob man die Krise der Kommunalfinanzen angehen will. Wir hätten einen Hebel in der Vermögensteuer, die im Grundgesetz Artikel 106 vorgesehen ist, die bis 1997 galt und aktuell nur ausgesetzt ist. Das ist eine Steuer, die den Ländern, und damit mittelbar den Kommunen, zur Verfügung gestellt werden kann. Das wäre ein starkes Zeichen, wie der Bund auf dieses Problem reagieren kann. Wenn im öffentlichen Diskurs das Wort Vermögensteuer fällt, geht es gleich hoch her. Kallert: Ja, das sehen wir gerade auch bei der Erbschaftsteuer. Ich glaube, bei der Vermögensteuer will sich gerade gar niemand verbrennen. Aber es sind wichtige gesellschaftliche Debatten, die geführt werden müssen, denn allein über das Senken von Ausgaben wird es nicht funktionieren. Bei den anstehenden Aufgaben ist das illusorisch. Das Rumgehacke auf Bürgergeld wird wahrscheinlich noch deutlich weniger Geld bringen, als diese 5 Milliarden aus dem Sondervermögen. Wenn die Einnahmen nicht reichen, bleiben zwei Möglichkeiten: Kredite aufnehmen oder die Erhöhung der Einnahmen. Und bei den Einnahmen hat man in den letzten Jahrzehnten die staatlichen Kassen immer mehr limitiert. Neben der Vermögensteuer liegen hier weitere Möglichkeiten bei der Erbschaftsteuer und den Spitzensteuersätzen. Steuerhinterziehung wurde viel zu wenig verfolgt. Das sind alles Punkte, die würden wir eher in den Vordergrund rücken wollen. Die Vermögensungleichheit ist massiv gestiegen. Vermögende werden immer reicher. Das passt gesellschaftlich einfach nicht zusammen, wenn räumliche Disparitäten und immer mehr Armut zusammenkommen. 2026 stehen zahlreiche Kommunal- und Landtagswahlen an. Was erwarten Sie konkret von der Politik? Dudek: Die kommunale Grundfinanzierung zu verbessern, steht über allem. Der Fördermittel-Dschungel muss konsequent angegangen werden - man erkennt, dass die Problemwahrnehmung da zunimmt. Das Konnexitätsprinzip wieder durchsetzen, also: Wer bestellt, der bezahlt. Kallert: Und massiv investieren in eine Zukunftsfähigkeit. Infrastrukturen, Bildung, sozial-ökologische Erneuerung – das kostet extrem viel Geld, aber das Geld ist tatsächlich auch vorhanden, entweder über Kredite oder man geht es an, indem man Vermögensungleichheit ein bisschen reduziert. Dann sind Sie vermutlich auch keine Fans der Schuldenbremse. Kallert: Ich glaube, die Schuldenbremse hat einen Teil dazu beigetragen, dass zu wenig investiert wurde. Was öffentliche Investitionen angeht, steht Deutschland im internationalen Vergleich ganz schlecht da. Die Staatsquote ist lange Zeit zurückgegangen, die Investitionsquoten sind zurückgegangen, obwohl die Herausforderungen gestiegen sind. Das Thema "Sozial-ökologische Transformation" war in den 90ern, Anfang der 2000er, ja noch nicht ganz so präsent. Das sind Fehler, die werden sich wahrscheinlich rächen. Gab es schon Rückmeldungen auf Ihre Erklärung? (Zum Interview wenige Tage alt) Dudek: Was wir auf der Plattform nordhalbener-erklärung.de feststellen, ist, dass sehr viele Bürgerinnen und Bürger aus ländlichen Räumen dort unterzeichnet haben und die Kommentarfunktion nutzen. Kritik wird es wahrscheinlich keine hageln. Kallert: Wir haben noch keine mitbekommen, aber die Erklärung ist auch breit getragen. Sie ist überparteilich, wenn man so will. Würde man Bundespolitiker fragen, würden sie vielleicht nicht überall mitgehen, weil sie an gewisse Zwänge gebunden sind. Aber es haben auch CSUler unterschrieben, obwohl die Vermögensteuer mit drinsteht - und sie haben dabei nicht direkt Schnappatmung bekommen. Das ist wirklich überraschend. Kallert: Ja, das zeigt aber vielleicht auch, wie akut die Sache ist. Herr Dudek, Herr Kallert, vielen Dank für das Interview. » DAS ZEIGT VIELLEICHT AUCH, WIE AKUT DIE SACHE IST «

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