Ausgabejahr 27 | 10- 2026 Kostenlos zum Mitnehmen The Sound of Love DIE BARRY WHITE TRIBUTE SHOW BY TONY DAVIS & ORCHESTRA KOMMT AM 29. NOVEMBER INS STADTTHEATER INGOLSTADT
QR CODE PLACEHOLDER Mehr erfahren Hofmann Automobile Otto-Hahn-Straße 2 85276 Pfaffenhofen Tel. 08441 8950-0 pfaffenhofen@hofmann.auto www.hofmann.auto Hofmann Automobile Manchinger Straße 110 85051 Ingolstadt Tel. 0841 96605-0 ingolstadt@hofmann.auto www.hofmann.auto Hofmann Automobile Münchener Str. 132 86633 Neuburg a.d. Donau Tel. 08431 6746-0 neuburg@hofmann.auto www.hofmann.auto * 30 % Preisnachlass auf die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers für den Fahrzeuggrundpreis der Serienausstattung ohne Sonderausstattungen bei ausgewählten BMW Neufahrzeugen in ausgewählten Modellvarianten und Motorisierungen aus einem Aktionskontingent von insgesamt 100 Fahrzeugen der Baureihen BMW 1er, BMW 2er Gran Coupé, BMW 2er Active Tourer sowie BMW 3er Limousine und BMW 3er Touring. BMW M Modelle sind ausgeschlossen. Sonderausstattungen, Zubehör sowie Überführungs- und Zulassungskosten sind nicht Bestandteil des Nachlasses. Abbildungen können Sonderausstattungen zeigen. Die Verfügbarkeit einzelner Fahrzeuge sowie deren Konfigurationsmöglichkeiten richten sich nach Modell, Motorisierung und Bestellstatus. Das Angebot gilt ausschließlich bei Hofmann Automobile, solange das Aktionskontingent verfügbar ist. Nur bei Auslieferung in 2026. Abholung in der BMW Welt ausgeschlossen. NEUBAU-ERÖFFNUNGSAKTION Nur 100x verfügbar. 30 % PREISNACHLASS* AUF DEN FAHRZEUG-GRUNDPREIS (UPE) AUSGEWÄHLTER BMW NEUWAGEN. www.hofmann.auto
WIR LADEN DICH EIN A M FAUGET FASHION BEA + PAT BEA + PAT I Reitschulgasse 6 I 85049 Ingolstadt Tel. 0841/33689 I bea_pat_ 03. OKTOBER 2026 VERKAUFSOFFENEN Z U M FEIERTAG 1 3 - 1 8 U H R UND SCHENKEN DIR EINEN TRENDY *AB EINEM EINKAUF VON 50 € DREIECK-SCHAL BEA + PAT | Reitschulgasse 6 | 85049 Ingolstadt Tel.: 0841 / 33689 | bea_pat_
26 10 INHALT 20 44 32 Foto: Herker 16 30 Foto: Herker Foto: Herker Foto: Herker Foto: Birkl Foto: Herker
Münchener Str. 7 · 85276 Pfaffenhofen Telefon 08441/789 07 96 lichtpunkt-pollex.de Beleuchtungssysteme · Lichtdesign Beratung · Planung · Technische Umsetzung Beleuchtung in einer neuen Dimension Design: ideehochzwei® / Foto: Art Picture Production
1 Anzeige Ein Hauch von Milano Mit einer mitreißenden Modenschau feierte Bea Mode die Präsentation ihrer neuen Herbst- und Winterkollektion. Auf dem roten Teppich trafen herbstliche Naturtöne, edle Texturen und lässige Eleganz aufeinander – ein Tag ganz im Zeichen des modernen Italian Chic. Zahlreiche modebegeisterte Gäste folgten der Einladung von Bea Schimmel-Weber, um die aktuellen Trends hautnah zu erleben. Die neue Saison besticht durch eine spannende Kombination aus Komfort und High-Fashion. Weich fallende Wide- Leg-Hosen, kuschelige Strickvariationen, stilvolle Fellwesten, stylische Karo-Röcke und markante Lederjacken setzten starke Akzente. Die Kollektion beweist, wie mühelos sich italienische Raffinesse im Alltag tragen lässt. Das Team von Bea Mode freut sich auf deinen Besuch! Fotos: Markus Banai
7 Anzeige espresso Levelingstr. 1 | 85049 Ingolstadt | Direkt am Audi-Kreisel Ausfahrt Hollerstauden | Gratis Parkplätze vor der Tür Bea sagt DANKE bis zum 31. 12. 22 gibt es %10% auf ALLES! beamodeingolstadt Liebe Kund*innen, wieder geht ein Jahr voller schöner Fashion-Momente mit BeaMode zu Ende. Ich bedanke mich für Eure Treue und wünsche Euch und Euren Familien ein wunderschönes Weihnachtsfest! Eure Bea @beamodeingolstadt Levelingstr. 1 | 85049 Ingolstadt Direkt am Audi-Kreisel Ausfahrt Hollerstauden Gratis Parkplätze vor der Tür DIE NEUESTEN LOOKS UND TRENDS IMMER BEI UNS AUF INSTAGRAM.
Anzeige Plakate gegen Rechts • Gestaltung: Mareike Hartmann • www.verlagegegenrechts.de
9 Liebe Leserinnen und Leser, wir dachten uns für diese Ausgabe: Hey, lass uns mal wieder ein paar Feste und ihre Menschen zeigen. Lass uns Glitzer und Bier, Tradition und Vielfalt, Soul und Blasmusik auf eine Stufe stellen. Volksfeste, CSD, ein Soul-Konzert. Was manchmal gegensätzlich erscheint, ist im Kern doch das Gleiche. Leute kostümieren sich, zeigen Identität, feiern, wollen Teil einer Gemeinschaft sein. Wenn wir uns an die wilden 70er erinnern, scherte sich kaum jemand darum, ob Männer Schlaghosen, Pailletten oder schrille Farben trugen. Auch die heutige "Tracht" ist mehr Verkleidung als Tradition. Wen stört das? Wann genau sind wir eigentlich so spießig geworden? Politische Akteure nutzen Traditionen und Vielfalt immer öfter als Identitätswaffen, um die Gesellschaft in Lager zu teilen. Wo Menschen eigentlich zusammenkommen und das Leben genießen könnten, werden künstliche Gräben gezogen. Kleidungscodes werden moralisch bewertet. Dann schaut´s hoid weg! Ich würde mir wünschen, dass wir diese inszenierte Biederkeit überwinden. Warum ist respektvolle Neugier nicht interessanter? Widersprüche existieren manchmal nur in unserem Kopf. Man muss nicht jedem Trend hinterherjagen, aber man muss auch nicht jeder Tradition hinterherweinen. Wir begeben uns in diesem Magazin auf eine kleine Zeitreise in die schrillen und dabei doch widersprüchlichen 70er Jahre - mit unserem Titelstar Tony Davis alias Barry White, der mit seiner souligen Stimme den "Sound of Love" prägte. Was Sie sonst so in diesem Heft finden? Einen Toast Hawaii, den niemand mag. Eine neue espresso Mediaberaterin, die davor unsere Grafikerin war. Einen FDP-Karl-Ettinger, der Flaschen sammelt. Eine Barthelmarktkönigin mit Plastikdiamanten im Gesicht. Ein schwules Pärchen, für das Tradition und Vielfalt keine Gegensätze sind uvm. Ganz schön widersprüchlich oder? Ganz schön espresso! Viel Vergnügen mit unserer Oktober-Ausgabe wünscht Ihnen Stefanie Herker, Chefredakteurin SABINE KACZYNSKI SONJA MELZER MEDIENBERATERIN MOBIL: 0176/64382760 sonja.melzer@espresso-mediengruppe.de EVELIN RAFFALT MEDIENBERATERIN MOBIL: 0172/8533599 raffalt@espresso-mediengruppe.in SEBASTIAN BIRKL marketing teamespresso Outfit von Retzlaff Moden, Ingolstädter Straße 27 & 29, Pfaffenhofen, Tel. 08441 84887 retzlaff.moden@online.de Instagram @retzlaff_moden Foto: Thorsten Brieger Stefanie Herker editorial
1 Fotos + Text: Stefanie Herker
11 espresso DER SÄNGER TONY DAVIS INTERPRETIERT MIT SEINEM ORCHESTER BARRY WHITE SONGS. AM 29. NOVEMBER TRITT ER IN INGOLSTADT AUF. ESPRESSO HAT IHN VORAB GETROFFEN. Tony, wie kamst du zur Musik? Ich habe im Alter von fünf Jahren angefangen, Gitarre zu spielen – in der Kirche. Ich spielte mit meinem Onkel, der ebenfalls Gitarre spielt, ein paar Mal pro Woche beim Abendgottesdienst. Dafür bekam ich ungefähr 35 Cent pro Abend, und ich war unglaublich stolz darauf. Als Barry White seine großen Erfolge feierte, warst du gerade ein Teenager. Welche Musik hat dich damals inspiriert, und erinnerst du dich noch an deine erste Begegnung mit seiner Musik? Ich wurde von Gruppen und Künstlern wie Earth, Wind & Fire, Stevie Wonder, Steely Dan, Marvin Gaye und natürlich Barry White inspiriert – um nur einige zu nennen. Das süße Leben eines Musikers war nicht immer deine Realität. Du warst beim Militär und hast den Golfkrieg hautnah erlebt. Warum bist du zum Militär gegangen, und was hat diese Zeit mit dir gemacht? Ich bin zum Militär gegangen, weil ich die Welt kennenlernen und unabhängiger werden wollte. Der Golfkrieg war für mich ein Weckruf. Er hat mir bewusst gemacht, wie zerbrechlich das Leben ist, und mir geholfen zu verstehen, wie wichtig es ist, das Leben ernst zu nehmen. Wie hast du es zum internationalen Barry-White-Cover-Star geschafft? Nachdem Barry White viel zu früh im Jahr 2003 verstarb und ich bis dahin nicht den ganz großen Durchbruch mit eigener Musik geschafft hatte, dachte ich mir, eigentlich bringe ich alles mit, um ihm ein würdiges Denkmal zu setzen. Jetzt stehe ich mit meinem 13-köpfigen Orchester auf zahlreichen Bühnen und hoffe, er wäre stolz auf mich. Barry White steht für pure Romantik, Samtanzüge und den Sound der 1970er-Jahre. Wie bereitest du dich darauf vor? Eigentlich passt das perfekt zu meinem persönlichen Stil und meiner persönlichen Ausstrahlung. Du wirkst heute sehr positiv und glücklich. Bist du mit 65 Jahren mit dir im Reinen? Ich glaube sehr stark an Gott und bete jeden Tag. Ich hatte das große GOTT. UND TEE MIT HONIG » (...) Frauen haben buchstäblich versucht, mir die Hose herunterzuziehen! «
1 » Der Golfkrieg war für mich ein Weckruf. «
13 espresso Glück, in einer sehr liebevollen Familie mit viel Frieden aufzuwachsen. Ich habe meinen Vater nie laut sprechen oder meine Eltern streiten hören. Ich versuche, dieselbe Energie in meinem eigenen Leben zu bewahren. Ich versuche immer, die positive Seite des Lebens zu sehen und für jeden Tag dankbar zu sein, an dem ich aufwache. Wenn dein Leben ein Lied wäre – wie würde es heißen? „Easy Like Sunday Morning“ von Lionel Richie. Und außerdem mein eigener Song, den ich vor vielen Jahren geschrieben habe: „You’ll Stand Through It All“. Wie pflegst du deine Stimme im Alltag? Ich wache morgens auf und summe über den Tag hinweg immer wieder, um meine Stimme aufzuwärmen. Außerdem trinke ich über den Tag verteilt Ingwertee mit Zitrone und Honig. Welcher Song von Barry White verlangt dir am meisten ab? „I Love You Just the Way You Are“. Ich gebe mir große Mühe, dieselbe Emotion einzufangen und den Song gleichzeitig zu meinem eigenen zu machen. Was kannst du besser als Barry? Ich würde sagen: Lionel-Richie-Songs. Wie viele Shows hast du bisher gespielt? Und erinnerst du dich an einen besonders verrückten Moment auf der Bühne? Ich habe weltweit Hunderte von Shows gespielt. Ein besonders verrückter Moment war während eines Auftritts in Peking, China. Die Frauen haben buchstäblich versucht, mir die Hose herunterzuziehen – auuuuutsch! Wenn du morgen mit der Stimme von Mickey Mouse aufwachen würdest – was wäre dein Plan B? Ein Gebet sprechen, Tee trinken und einfach schweigen. (lacht) Was können die Gäste bei deiner „Tribute to Barry White“-Show am 29. November diesen Jahres im Festsaal des Stadttheater Ingolstadt erwarten? Bringt einfach eure Tanzschuhe mit und macht euch darauf gefasst, ordentlich Kalorien zu verbrennen! Es wird ein unvergesslicher Abend. Lasst die Musik spielen! Nähere Infos zum Konzert in Ingolstadt finden Sie in unseren Events. Tickets gibt es ab 52 Euro unter www.eventim.de www.mode-maltry.de Öffnungszeiten: Mo - Fr 9.30 bis 18.00 Uhr Sa 9.30 bis 16.00 Uhr DER HERBST KOMMT BRAUN IST ANGESAGT. MODE UND JACKEN VON OLSEN UND LEBEK.
14 Ein Klassiker der 70er ist der »Blue Hawaii«, der 1957 von Harry Yee, dem Barchef des Hilton Hawaiian Village in Honolulu entwickelt wurde. Auftraggeber war dabei der niederländische Spirituosenhersteller Bols, der um eine kreative Verwendung seines neuen Produkts Blue Curaçao bat. Bekannt wurde der Drink durch den gleichnamigen Film mit Elvis Presley, dem King of Rock 'n' Roll, wobei beider Namensgeber eigentlich ein Song von Bing Crosby war. FÜR 1 DRINK 5 cl weißer Rum 3 cl Blue Curaçao 6 cl Ananassaft 1 cl Limettensaft 1 Limettenscheibe zur Deko ZUBEREITUNG Alle Zutaten außer die Deko in einen Shaker geben und mit reichlich Eiswürfeln schütteln, bis der Shaker anläuft. Der Drink wird klassisch im Hurricane-Glas mit Crushed Eis serviert. "Da unser Barchef aber der Meinung ist, dass beides wenig Anmut besitzt, serviert er ihn lieber eiskalt und ohne Eis im Martini-Glas", heißt es im Buch "Flower Power Food". Mit einer Limettenscheibe dekorieren und von Palmen auf Hawaii träumen. Die 70er im Glas und auf dem Teller Hauptsache Hawaii
15 espresso Alle Rezepte und vieles mehr zu finden in: Flower Power Food Thomas Ortler, Udo Bernhart 29,99 €, 208 Seiten, ca. 105 Abbildungen, Format 19,3 x 26,1 cm, Hardcover. Diesen Artikel gibt es auch als E-Book. Irgendwann musste es ja kommen, dieses Sinnbild der Küche der 70er-Jahre. Der Convenience-Charakter von Toastbrot und Scheiblettenkäse mit exotischem Konservenobst, der Kirsche, die nie fehlen durfte, und dem Currypulver, das nicht aus Indien, sondern aus Großbritannien stammt. "Klischeehafter geht es eigentlich nicht und ich muss zugeben: Von allen Gerichten à la Hawaii ist er mir am liebsten, denn mit einem scharfen Dip und einem kühlen Bier eignet er sich durchaus für einen frechen Samstagabend. Die Kirsche habe ich übrigens durch eine Tomate ersetzt. Ist meiner Meinung nach schlicht und ergreifend sinnvoller", erklärt der Flower-Power-Koch. FÜR 2 TOASTS 2 weiße Toastscheiben 4 Flocken Butter 2 Scheiben Kochschinken vom Schwein 2 Scheiben eingelegte Ananas 2 Scheiben Schmelzkäse (in der Größe des Toastbrots) 2 Kirschtomaten 2 Prisen Currypulver 2 Zahnstocher ZUBEREITUNG Heizt den Backofen auf 200 °C vor und bestreicht beide Toastscheiben auf allen Seiten mit etwas Butter. So bekommen sie mehr Crunch. Belegt nun jede Toastscheibe in folgender Reihenfolge: zuerst 1 Scheibe Schinken, dann 1 Scheibe Ananas und zum Schluss 1 Scheibe Käse. Vollendet mit der Tomate, die ihr mit einen Zahnstocher in die Mitte des Toasts steckt, und jeweils 1 Prise Currypulver. Schiebt die Toasts für 6 Minuten in den Ofen und serviert sie anschließend mit einer scharfen Sauce. Tipp Ihr könnt den Schinken beliebig mit Speck oder Salami austauschen. Auch das helle Toastbrot könnt ihr durch Schwarz- oder Sauerteigbrot ersetzen. Wichtig ist aber, dass die Ananas nicht frisch ist, sonst verliert sie nämlich zu viel Wasser und weicht das Toastbrot zu sehr auf. Toast Hawaii FÜR 4 PERSONEN 4 Kugeln Zitronensorbet 100 ml kalte Milch 100 ml kalter Prosecco 10 cl Wodka Abrieb von 1 unbehandelten Zitrone getrocknete Limettenscheiben oder Lakritzstangen als Deko (optional) ZUBEREITUNG Gebt in einen hohen Behälter mit mindestens 1 l Füllvermögen das Eis, die Milch, den Prosecco und den Wodka. Verwendet nun einen Stabmixer, um eine homogene, dickflüssige Creme zu erzeugen. Diesen Prozess könnt ihr natürlich genauso gut in einem Standmixer oder Smoothie Maker erledigen. Füllt das wunderbar geschmeidige Sorbet in vier schöne Gläser und toppt es mit frisch geriebener Zitronenzeste. Als Deko passen getrocknete Zitrusfruchtscheiben oder Lakritzstangen. Tipp Wenn ihr das Sorbet alkoholfrei halten möchtet, dann könnt ihr den Prosecco und den Wodka durch gute Limonade ersetzen. Dieses Rezept funktioniert zudem mit jedem Fruchteis auf Wasserbasis (= Sorbet). Zitronensorbet (ohne Hawaii) Eine kulinarische Zeitreise durch die 70er Fotos: Udo Bernhart, Texte: Thomas Ortler
1 kinda chic? Gem-Stone-Königin Franzi vs. Barthelmarktkönigin Franzi. Über Nachhaltigkeit reden wir später. Nur eines vorne weg: Man muss nicht jeden Trend mitmachen. Fotos + Text: Stefanie Herker
17 espresso BARTHELMARKTKÖNIGIN FRANZI MÖCKEL WILL TATTOOS, NICHT DIAMANTEN. Sie hat 32 Dirndl im Schrank und träumt von Sonnenuntergängen mit König Ludwig auf dem Schloss Neuschwanstein. Die neue Barthelmarktkönigin heißt Franziska Möckel und kommt aus Oberstimm. Auf dem Barthelmarkt ratscht sie lieber im Weißbiergarten, als dass sie in den Zelten feiert. Sie fährt alles, außer Kettenkarussell - eine Frau, die weiß, was sie will. Wenn sie eine Schallplatte wäre, dann eine Mischung aus Rammstein, Hans Zimmer und Helene Fischer. Die 24-Jährige, die sagt "Dahoam sterbn d´Leid", liebt Outdoor-Aktivitäten, geht gerne wandern und picknicken mit ihrem Freund. Und: Sie hat ein Privatkino im Garten. Naja fast, einen Beamer. Sie hat ein großes Herz für Tiere - verletzte Feldhasen, um genau zu sein. Die pflegte sie als Kind, weil ihr Vater Landwirt war. Jetzt kümmert sie sich mit viel Herzblut um die Belange der Oberstimmer Bürgerinnen und Bürger. Sie arbeitet bei der Gemeinde und verteilt dort auch gerne herzliche Umarmungen an Menschen, die es gerade brauchen. Sie führt eine "Life Bucket List", auf die sie neben "Surfen auf Hawaii" auch "Barthelmarktkönigin werden" geschrieben hatte. Dazu passt ihre Dirndl-Liebe, eines hat sie sich bereits selbst genäht. "Ein maßgeschneidertes mit König Ludwig-Print muss noch her!" Das steht schon fest. Ihr größtes Geheimnis ist es vielleicht, dass sie eigentlich lieber Aperol trinkt, als Bier. Well, nobody is perfect! Aber: "You are enough" - das hat sie sich auf ihrem Unterarm verewigen lassen. Weil ihr doch tatsächlich jemand einreden wollte, sie wäre es nicht. Dann ist da noch das Flügel-Tattoo an ihrer Wade, das sagt: "Du wirst immer beschützt". Dass Franzi nicht nur empathisch ist, sondern Humor hat, erkennt man an ihrem Büroklammer-Tattoo. Zusammen mit ihrer Arbeitskollegin hat sie sich dieses in Herzform - im Rahmen einer Spendenaktion für Hochwasseropfer - stechen lassen. "Weil ich handwerklich nicht begabt bin, passt die Büroklammer ein Leben lang", meint sie scherzhaft. So viel Franzi, so viel Charme. Eigentlich braucht es doch da gar keine zusätzlichen Glitzersteine mehr. "Doch, doch!" Sagt das Social-Media-Volk. Von der Torte bis zur Katze wird seit Wochen fast überall auf der Welt so ziemlich alles mit bunten Plastiksteinchen überzogen - #bedazzled. Von derartigen Trends hält Franzi nicht viel. Man wird sie auf Social Media deshalb auch nicht als 80er-Jahre KI-Version sehen oder über belanglose "kindachic"-Posts von ihr stolpern. Ein Reel beim Wandern darf sein, aber nicht für den Algorithmus, sondern um persönliche Erinnerungen zu schaffen. Und mal ganz ehrlich: Wer eine Krone trägt, braucht doch keinen Kaffeebecher mit Plastikglitzer für einen Tag. Jeden einzelnen Pin auf ihrer Schärpe feiert sie aber wie ein kleines Mädchen, das sich einen Traum erfüllt hat. Nur, dass dieser Traum eben nicht nur ein Foto lang hält. Ganz ohne Plastik schafft es die Königin aber nicht. "Ich muss doch schöne Fingernägel haben", schmunzelt sie. "Und gelentlich auch XXL-Wimpern". Gedanklich pimpt sie sich noch ein wenig weiter: Sie denkt schon länger an ein Edelweiß-Tattoo. Das passt zu ihrer Wanderleidenschaft und soll ihre Liebe zu Bayern zeigen. Wer einmal länger mit Franzi spricht, stellt fest, dieses Königinnen-Gesamtpaket ist nur schwer zu toppen: Für ihre Bewerbungsbilder zur Barthelmarktkönigin fuhr sie extra in die Berge. Und auch wenn am Ende nur drei Bewerberinnen auf der Bühne den Mut hatten, bereut sie nicht, schon im Vorfeld alles gegeben zu haben. Darüber, ob eine Königinnen-Wahl nicht mehr am Puls der Zeit wäre, will die Frischgewählte nicht philosophieren. Sie hat schon in ihrer Kindheit Königinnen bewundert und freut sich nun auf anstehende Begegnungen mit Menschen, Gespräche mit Älteren - "Von denen kann man viel lernen", sagt sie - und strahlende Kinderaugen, die sie bewundern. Und wenn Herzlichkeit Trend wird, ist sie dabei. too cool to copy
16 NUR ZWEI MÄNNER. Für Peter Praunsmändtl und seinen Lebensgefährten René Siepen sind Tradition und Vielfalt keine Gegensätze
19 espresso Ob in Tracht auf der Wiesn oder bunt auf dem CSD: Für den gebürtigen Ingolstädter Peter Praunsmändtl und seinen Lebensgefährten René Siepen schließen sich Tradition und Vielfalt nicht aus. „Tracht zu tragen schafft Verbundenheit und Zugehörigkeit – und genau das suchen wir doch alle“, erklärt Peter. Doch der Weg zum Selbstbewusstsein war ein Prozess: Mit Ende zwanzig traute er sich noch nicht, Händchen haltend durch die Stadt zu gehen; Blicke auf dem Ingolstädter Volksfest verunsicherten ihn. Heute, mit 39 Jahren, steht er drüber. „Mir ist das mittlerweile egal, und René sieht die Blicke meistens gar nicht erst“, schmunzelt er. Auch beruflich geht Peter eigene Wege, abseits des bekannten Ingolstädter Familienunternehmens Autohaus Praunsmändtl. Als Yoga-Lehrer und Health Coach veranstaltet er mehrmals im Jahr Retreats in Österreich – eine Kombination aus Yoga, Eisbaden und geselligen Hüttenabenden in Tracht, die Raum für echte Verbundenheit schafft. Nebenbei choreografiert er Shows für den Robinson Club und unterrichtet Tanz in Hamburg, wo das Paar gemeinsam lebt. Seine Liebe fand er übrigens im Scheinwerferlicht: Als Peter das Musical Mamma Mia! besuchte, verdrehte ihm ein Darsteller auf der Bühne den Kopf – René. Er spielte damals den Harry. „Ich wusste sofort, dass ich ihn kennenlernen muss, und habe ihn auf Instagram ausfindig gemacht“, lacht Peter. Seit anderthalb Jahren gehen die beiden Seite an Seite durchs Leben. Auch René, der als Musical-Darsteller in einer bunten und toleranten Branche arbeitet, kennt die Schattenseiten. Homophobe Anfeindungen hat er abseits der Bühne schon erlebt. Umso klarer ist seine Haltung: „Wichtig ist, dass du mit dir selbst im Reinen bist – nicht, dass du die Erwartungen anderer erfüllst.“ Beide spüren, dass der gesellschaftliche Ton rauer wird und ein spürbarer Rechtsruck stattfindet. Doch aufgeben ist keine Option. Peters und Renés Appell an alle, die noch mit sich ringen, ist deutlich: Sichtbarkeit zeigen. „Wenn wir auch nur einen Menschen dazu ermutigen können, mutig zu sein und sein eigenes Leben zu leben, haben wir alles erreicht.“ » Unser Drang zu leben wie wir es möchten, ist stärker als Angst. « Fotos + Text: Stefanie Herker
20 NUR EIN MANN. Bis vor wenigen Monaten hatte Felix Brüste, eine Gebärmutter und Eierstöcke. Der 22-Jährige ist trans. Mit espresso spricht er über seinen Weg. Felix, hört man Geschichten von trans Männern, schildern diese oft, sie wollten schon als Kind lieber Junge als Mädchen sein. Wie war das bei dir? Schon in der Grundschule habe ich mich anders gefühlt. Ein Junge meinte damals, ich wäre mehr Junge als Mädchen – was mich sehr glücklich gemacht hat! Ich habe zwar nicht verstanden wieso, aber es war auf jeden Fall eines der besten Komplimente, das ich je bekommen habe (lacht). Ich war nie das typische Mädchen. Ich wollte immer aussehen wie ein Junge, sein wie ein Junge. Bist du mit den typischen Erwartungen an ein Mädchen aufgewachsen? Ja, das war schlimm. Ich bin sehr in der Mädchenrolle aufgewachsen. Ich musste Wäsche waschen und im Haushalt helfen – meine Brüder wiederum nicht. Haare schneiden durfte ich nicht. Jungsklamotten tragen auch nicht. Wann hast du das erste Mal über Geschlechtsidentität nachgedacht? Ich glaube mit zehn oder elf. Da dachte ich mir: Das passt nicht. Das
21 espresso Und dann hadert man wieder? Genau, ja. Und eben diese Angst davor, wie Leute reagieren könnten. Ich habe versucht, es zu verdrängen und es zum größten Teil in mich reingefressen. Das hat meiner Psyche nicht ganz so gut getan. Kurz nach meinem Outing war ich dann sogar in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, weil mir das alles zu viel wurde – auch wenn das Outing einigermaßen gut ankam. Ich war auch suizidgefährdet. Wie geht es dir jetzt? Um einiges besser. Klar gibt es immer noch Probleme, aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Was hat dir dabei geholfen, dich selbst besser zu verstehen? Diese eine Freundin von früher, mit ihr habe ich viel darüber geredet. Auch der Klinikaufenthalt hat mir sehr geholfen. Die Klinik hat mir auch eine Therapeutin in Ingolstadt empfohlen, die auf Transgender spezialisiert ist. Bevor man mit der Hormontherapie beginnen darf, muss man psychisch stabil sein. Wann hast du entschieden, deine Transition zu beginnen? Ich wusste schon von Anfang an, dass ich definitiv etwas anpassen muss. Ich habe mich in meinem Körper überhaupt nicht wohlgefühlt. Periode, Brüste … das war für mich der Horror. Vor drei Jahren habe ich mit der Hormontherapie angefangen. Zuvor war ich zwei Jahre in Therapie. Für Stefanie Beckmann (die oben erwähnte Psychotherapeutin, Anm. d. Red.) habe ich extra Audios aufgenommen, um die Veränderung meiner Stimme aufzunehmen. Das war auch echt ganz schön und cool, das mitzukriegen. Was mir Sorgen gemacht hat, war, dass ich nicht jede Operation haben wollte. Ich wollte nur die Brust-, Gebärmutter- und Eierstockentfernung. Den Penoidaufbau wollte ich nicht. Einerseits, weil es mir zu risikohaft ist und weil ich das einfach nicht wirklich brauche. Was ich wirklich brauchte, war die Brustentfernung und die Eierstockentfernung. Das war etwas, was mich gestresst hat, was ich wirklich gehasst habe. Bis man diese OPs kriegt, dauert es seine Zeit. Das Abwarten war auch eine Herausforderung für sich. Aber am Ende hat sich das natürlich gelohnt. Warum hast du dich für den Namen Felix entschieden? Ich hatte am Anfang einen ganz anderen Namen, weil ich den schon als Kind mochte, aber der passte überhaupt nicht. Ich habe meiner Therapeutin ein paar Namen gegeben und sie meinte: Felix. Du siehst aus wie ein Felix. Und seitdem heiß ich Felix. Als das Selbstbestimmungsgesetz kam, habe ich mich direkt für die Namensänderung angemeldet. Was hat dir bei der Entscheidung zur Transition am meisten Angst gemacht? Die Akzeptanz. Ich hatte Angst. Wie würden andere reagieren? Wie würden sie mit mir umgehen? Würden sie mich überhaupt noch mögen? Würde meine Familie mich akzeptieren? All das, was für Wort Transgender kennt man da natürlich noch nicht. Mit zwölf wusste ich dann, dass ich kein Mädchen bin. Da kam auch das Outing bei einer Freundin. Ich habe mich damit schon um einiges besser gefühlt. Es wenigstens einem erzählen zu können, war eine Erleichterung. Kannst du dich an den Tag des Coming-outs noch erinnern? Ich hatte Angst davor, mich zu outen und habe es sehr lange versteckt. In der 5. Klasse habe ich es dieser Freundin erzählt - sie stand voll hinter mir. Sie hat mir angeboten, nach Klamotten zu schauen und die Haare zu schneiden. Ich habe mich das aber nie getraut. Bei meiner Mutter habe ich mich erst mit 17 geoutet. Bei Amazon habe ich Jungsklamotten bestellt. Auf Nachfrage habe ich ihr geantwortet: Ich bin ein Junge. Sie hat eigentlich relativ positiv reagiert, aber es gab natürlich trotzdem öfter Schwierigkeiten. Wie hat dein Umfeld reagiert? Die anderen haben es erst in der 10. Klasse erfahren. Ich habe mich vor der Klasse auf einen Tisch gesetzt und es ihnen erklärt. Sie waren stolz auf mich, dass ich mich traue, es ihnen zu sagen. Auch der Lehrer war sehr unterstützend. Ich habe es ihm im Voraus gesagt. Er fand das super von mir - und hatte es auch schon ein bisschen geahnt. Wie sind deine Brüder damit umgegangen? Bei meinen Brüdern habe ich eingeführt, dass sie mir 50 Cent zahlen müssen, wenn sie mich misgendern. Irgendwann hat’s dann auch funktioniert (lacht). Zu merken, dass man trans ist und das für sich anzunehmen, ist sicher ein Prozess. Kannst du uns in deine damalige Gefühlswelt mitnehmen? Es war hart und psychisch sehr anstrengend. Schon in der Grundschulzeit war es für mich schwierig. Ich war im Schwimmverein und habe es geliebt, aber irgendwann wollte ich es nicht mehr machen. Im Badeanzug habe ich mich nicht wohlgefühlt und in Badehose gehen konnte ich nicht. Ich habe damals natürlich nicht verstanden, wieso das so ist. Als ich es dann einigermaßen wusste, habe ich trotzdem versucht, mich anzupassen. Ich habe versucht, mich mit Schminke auseinanderzusetzen. Ich habe zum größten Teil versucht, mich wie ein Mädchen zu verhalten und mich so zu kleiden, aber die typischen Klamotten habe ich gehasst. In der Grundschule war es leichter, da war es egal, ob du Junge oder Mädchen bist. Ab der fünften Klasse war es anders. Entweder du bist ein Mädchen oder ein Junge. Bis zu meinem Outing war es schon ein bisschen schwierig. Wie lange hat es gedauert, bis du deine Gefühle einordnen konntest? Das ist ein bisschen schwierig einzuschätzen, es gab immer ein Hin und Her. Passe ich mich jetzt an oder lasse ich es zu? Gab es mal einen bestimmten Tag, wo du dachtest: Ich bin Mann? Ja, mehrmals. Das kam sehr oft vor. » Ich habe Angst, dass mir einiges weggenommen wird «
22 espresso andere Familien völlig normal ist, dass man geliebt wird, war für mich mit Angst verbunden. Dass das einfach endet und nicht mehr da ist. Ich hatte auch Angst davor, dass mich nie jemand lieben wird. Ich hatte panische Angst davor, dass ich keinen Partner finde, weil ich einfach anders bin. Ich habe mich deswegen ziemlich gesträubt, mich mit anderen Männern zu treffen. Was sich dann durch einen guten Freund gelöst hat, weil er sagte: Mach einfach! Wen juckt’s? Da draußen gibt's Menschen, die genau dich mögen, weil du so bist, wie du bist. Das hat sehr geholfen und jetzt habe ich endlich einen Freund (kichert). Was war der schönste oder befreiendste Moment auf deinem Weg? Einerseits die Akzeptanz von meiner Familie, auch wenn es ein paar Schwierigkeiten gab. Dass meine Freunde völlig hinter mir standen – und auch die Lehrer. Und als ich endlich das erste Mal Testosteron-Gel auftragen durfte und die Krankenkasse bestätigte, dass sie die Kosten übernehmen würde. Da war ich schon um einiges erleichtert. Welche Veränderung hat sich besonders wichtig angefühlt? Die Stimme. Das war für mich am wichtigsten. Meine Stimme war sehr hoch und piepsig. Ich habe Telefonieren gehasst. Weil ich wusste, sobald jemand am Telefon mit mir spricht, und ich mich mit Felix vorstelle, hinterfragt er das. Ich war sehr froh, als der Stimmbruch losging. Wahrscheinlich lässt nicht jeder trans Mensch auch die geschlechtsangleichende OP durchführen. Warum hast du dich dafür entschieden? Duschen und baden habe ich gehasst, weil ich mich nicht sehen konnte. Vor dem Spiegel stehen war für mich schlimm. Ich habe das Haus nicht ohne Brustbinder verlassen. Man darf das Ding eigentlich nur rund acht Stunden am Tag tragen, weil es den Brustkorb verschieben oder Rippen brechen kann. Ab und zu habe ich das auch ein bisschen überzogen. Ich bin auch einmal damit eingeschlafen, ich hatte am nächsten Tag Rückenschmerzen des Todes (lacht). Ich war sehr froh, als ich ihn nicht mehr brauchte. Wie hat sich dadurch dein Verhältnis zu deinem eigenen Körper verändert? Ich fühle mich viel, viel wohler. Ich bin glücklicher. Auch meine Körperhaltung hat sich verändert. Ich hatte eine gekrümmte Haltung, um die Brüste zu verstecken. Manchmal erwische ich mich noch dabei, wie ich gekrümmt dastehe, obwohl ich das gar nicht mehr brauche. Was sind deiner Meinung nach die größten Missverständnisse bezüglich trans Menschen? Dass viele das nur für Aufmerksamkeit machen. Oder dass es nur eine Phase ist - was natürlich auch vorkommen kann, das ist aber auch völlig normal in der Pubertät, dass man eine Geschlechtskrise hat. Aber bei den meisten Leuten ist es einfach keine Phase, sondern die Wirklichkeit. Gab es spezielle Hürden, die dir die Transition schwer gemacht haben? Zum Glück nicht. Aber ich habe schon viele Geschichten gehört, dass die Krankenkasse die Anträge ablehnt. Meine Krankenkasse hat es direkt genehmigt. Ich war selbst die Hürde aufgrund meiner psychischen Instabilität. Zu akzeptieren, dass man erst stabil sein muss, um anfangen zu können, war eine große Hürde. Von „Rechts“ nehmen verbale Angriffe auf queere Menschen zu. Wie nimmst du diese wahr? Ich selbst wurde noch nie wirklich angegriffen, aber durch meinen Umkreis kriege ich das sehr häufig mit. Ich bin auch oft auf dem CSD und kriege ab und zu mit, dass wir bespuckt werden. Einmal haben Leute mit Glasflaschen nach uns geworfen. Mit der Wahl in Sachsen-Anhalt… wenn ich das sehe oder wenn ich die AfD höre, graust es mir. Ich habe richtig Panik. Ich habe Angst, dass mir einiges weggenommen wird. Ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Was ist, wenn sie mir meinen Namen wegnehmen? Oder wenn sie mir meine Hormone wegnehmen? Ich würde ja gar nicht mehr leben. Oder, dass sie mir sagen: Jetzt musst du wieder weibliche Hormone nehmen! Was kann die Gesellschaft tun, um eine inklusivere Umgebung zu schaffen? Ich finde, sie sollten alle nicht so negativ durch die Welt gehen. Ihr wisst nie, wer euch gegenübersteht. Nur weil jemand nicht so aussieht, als wäre er Teil dieser Community, heißt das nicht, dass die Person es nicht ist. Ich finde, man sollte viel offener damit umgehen und mehr Akzeptanz zeigen. Wir tun euch nichts, wir wollen einfach nur dieselben Rechte und uns in unserem eigenen Körper wohlfühlen. Wir haben jetzt viel über Geschlechtsidentität gesprochen. Lassen wir das mal weg, wer bist du dann? Ich bin ein sehr offener Mensch. Ich akzeptiere jeden so, wie er ist, solange er sich selbst und anderen nicht wehtut. Ich bin aber auch sehr zurückhaltend bei neuen Menschen. Ich versuche, so gut es geht, zu helfen. Und ich bin ein Tiermensch, hauptsächlich ein Hundemensch. Was macht dich glücklich? Hunde (lacht). Ich passe regelmäßig auf einen auf. Das klingt vielleicht dämlich, aber wenn's mir schlecht ging, durfte ich diesen Hund zu mir holen. Allein seine Anwesenheit hat dafür gesorgt, dass es mir besser geht. Die Zeit mit meinem Freund macht mich glücklich. Oder Aktivitäten wie lesen und zeichnen, irgendwas Kreatives. Was sind deine Interessen, Träume und Ziele? Ich möchte irgendwann Hundepsychologe und Hundetrainer werden. Ich arbeite jetzt auch in einer Tierarztpraxis. Ich möchte irgendwann selbstständig auf eigenen Beinen stehen, aktuell wohne ich in einer therapeutischen Wohngruppe. Das Interview lesen vielleicht andere junge trans Menschen. Was möchtest du ihnen mit auf den Weg geben? Der Weg wird auf jeden Fall sehr schwer und anstrengend. Aber die Zeit ist es wert. Auch wenn es manchmal mit den Behörden oder mit der Krankenkasse oder auch mit eurer psychischen Gesundheit schwierig ist: Gebt nicht auf. Es dauert einfach. Und: Ihr seid okay, so wie ihr seid. Ihr seid nicht unnormal. Kämpft für eure Rechte. Und welche Botschaft möchtest du allen anderen Menschen geben? Nehmt jeden mit offenen Armen entgegen. Auch wenn er nicht so ist wie ihr. Es ist normal, dass jeder anders ist. Und dafür sollte man sich nicht schämen. Interview & Foto: Sebastian Birkl Anmerkung: Auch wenn Felix bei Freund:innen und auf der Arbeit offen mit seiner Lebensgeschichte umgeht, haben wir ihn für das Fotoshooting anonymisiert. Ein Grund dafür ist die Angst vor Übergriffen.
Anzeige espresso 23 IHR BESONDERER ABEND BEGINNT IN GEISENFELD. Internationale Klassiker. Modern interpretiert. RESERVIEREN & GUTSCHEINE julio-geisenfeld.de Stadtplatz 3 85290 Geisenfeld ca. 25 Min. von Ingolstadt
24 Lasst euch nicht kleinhalten. Ein Kommentar von Sebastian Birkl Schwulsein ist ja okay, aber zeigt es doch bitte nicht. So lässt sich ein Großteil der Kommentare in den Sozialen Medien zum Christopher Street Day zusammenfassen. Mussten queere Menschen sich nicht lange genug verstecken? Am Arbeitsplatz, im Verein, vor der eigenen Familie? So friedvoll der CSD in Ingolstadt Jahr für Jahr über die Bühne geht, so erschreckend sind die Reaktionen im Vorfeld darauf. „Hoffe es Regnet Scheiße“, „Linker Dünnschiss“, „Krank!“ (garniert mit sich übergebenden Emojis) liest man beispielsweise in einem Ingolstädter Onlineportal. Die zuständigen Admins halten mit dem Argument falsch verstandener Meinungsfreiheit die schützende Hand über den Hass. Einen besonders krassen Fall machte im Juli die Ingolstädter Instagram-Seite „queererstammtisch_in“ öffentlich. Ausgerechnet unter einem Beitrag über einen geplanten Workshop gegen Gewalt und Diskriminierung an LGBTIQ+-Menschen kommentiert jemand: „Solche braucht kein Mensch, der Herr A. H. hätte das schon erledigt“. Eine Anspielung an Nazi-Deutschland unter Adolf Hitler und die damalige Inhaftierung Homosexueller. „Über 50.000 Männer verurteilte die NS-Justiz. 10.000 bis 15.000 schwule Männer kamen in Konzentrationslager. Tausende von ihnen überlebten die Gefangenschaft nicht“, schreibt Sarah Bornhorst für das Deutsche Historische Museum über diesen Teil deutscher Geschichte. Zeigt es nicht. Zeigt euch nicht. Die Botschaft ist klar: Versteckt euch wieder, so wie ihr es Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte zuvor machen musstet. Aber diese Zeiten sind vorbei. Rechtsruck hin oder her. Ja, möglicherweise werden die Zeiten härter für queere Menschen in diesem Land. Aber ein Rückzug ist die falsche Konsequenz. „Kein Schritt zurück“ lautete das Motto des Ingolstädter CSDs. Kein Schritt zurück, weil ihr dazu viel zu weit gekommen seid. Kein Schritt zurück, weil zu viel Leid, zu viel Kampf in den letzten Jahrzehnten steckt. Das wirft man nicht weg. Lasst euch nicht kleinhalten. Zeigt euch. Habt Spaß. Und lasst euch um Gotten Willen nicht für dumm verkaufen, wenn selbsternannte „konservative“ Netzwerker den CSD plötzlich für sich entdecken und von rechts kapern wollen. MEHR FOTOS Fotos: Sebastian Birkl
35
26 espresso Derf 's no a Bandl sei? Fotos: Sebastian Birkl
27 espresso Keine ruhige Minute hatte Karl Ettinger auf dem Lieblingsfest der Schanzer. Der Stadtrat organisierte das Bürgerfest heuer bekanntlich gemeinsam mit Oli Munz auf eigene Faust, weil der Stadt das Geld ausging. Wie ein Duracell-Häschen zog er nach vielen anstrengenden Wochen der Planung am Freitag und Samstag auch noch selbst durch die Altstadt, um so viele Unterstützer-Bändchen wie möglich an den Mann und die Frau zu bringen (auch um seine Ehe zu retten, wie er scherzhaft am Samstagabend auf der Rathausplatz-Bühne verkündete). Bemerkenswert: Als espresso am Bürgerfestfreitag nachts um 1.30 Uhr den Heimweg antrat, zog tatsächlich noch Karl Ettinger eine Tonne durch die Straßen und räumte auf. Am Samstag verkaufte er wieder Bändchen, am Sonntagabend sehen wir ihn, wie er Bauzäune abbaut und nebenbei Passanten erklärt, dass die Bauzaunverkleidung mit Werbung fürs Tierheim tatsächlich eine Katze aus dem Tierheim zeigt. Keine anonyme Katze aus dem Internet also. Am Montagvormittag begegnen wir ihm, wie er die nun wirklich letzten Reste des Bürgerfests einpackt. Keiner soll sagen, Karl Ettinger hätte es sich leicht gemacht.
24 espresso HERBSTFEST INGOLSTADT FEST UMZUG IM BLICK
29 espresso INGOLSTADT NEUBURG RAIN JETZT BEWERBEN DONAUTOWER INGOLSTADT KLARE SICHT. KLARE ZAHLEN. STEUERBERATER STEUERFACHWIRT STEUERFACHANGESTELLTER (M/W/D) Mehr Fotos Fotos: Sebastian Birkl
1 VOLKSFESTAUSKLANG IN EICHSTÄTT Wer sich wieder einmal an den Geschmack seiner Kindheit erinnern mochte, der wurde vielleicht zwischen Zuckerwatte und kandierten Äpfeln auf dem Eichstätter Volksfest glücklich. Schlumpfblaue Nostalgie lag in der Luft - vom Himmel über das Kettenkarussell. Insgesamt war es in Eichstätt wohl eine der schlumpfblausten Wochen des Jahres überhaupt. Der traditionelle Umzug durch die Altstadt bis zum Festgelände bildete den Abschluss der Feierlichkeiten am letzten Sonntag. Fotos: Stefanie Herker
31 espresso
espresso 32 MENSCHEN AM RAND Ein Perspektivwechsel beim Pfaffenhofener Volksfestumzug 2026
33 espresso Was wäre ein noch so prächtiger Volksfestumzug ohne seine Zuschauer und Zuschauerinnen? Sie applaudieren, lachen, winken. Weil wir sonst nur den Zug zeigen, zeigen wir heuer den Rand. Die Blicke fallen oft auf jene, die vorne gehen. Dabei sind es die Menschen am Rand, die den Weg säumen und dem Umzug Bedeutung geben. Das Leben spielt sich auch an den Rändern ab. Und wahrscheinlich sollten wir unseren Blick auch öfter denjenigen schenken, die nicht in der Mitte stehen. Mehr Fotos Fotos: Stefanie Herker
34 espresso AM 20. NOVEMBER LIEST DIE AUTORIN UND KUNST-EXPERTIN SASA HANTEN IN PFAFFENHOFEN Sasa Hanten ist Autorin, Rechtsanwältin, Kunst-Theoretikerin, Expertin für bildende und zeitgenössische Kunst. Am 20. November liest sie bei der Lesebühne in Pfaffenhofen aus ihrem druckfrischen Roman "Talent zum Glück". Im Interview erzählt sie davon, wie sie als junges Mädchen zur Kunst kam, wie unterschiedlich Frauen und Männer sammeln und gibt einen kleinen Einblick in ihren neuen Roman. Als Kind haben Sie eine Klosterschule besucht. Wie kamen Sie zur Kunst? Mit 10 Jahren kam ich ins Internat, und in dieser Klosterschule gab es eine Ordensschwester, die ausschließlich für die Kunst zuständig war. Sie hatte einen bunt gemischten Fundus und in dem wurde gestöbert. Allerdings, gefällt mir oder gefällt mir nicht, das durfte ich nicht sagen. Es wurde debattiert. Heute würde man sagen, es wurde aus dem Fundus heraus „kuratiert“. Mit 14 war ich im Museum und habe mir eine Ausstellung angesehen. Danach habe ich dort angerufen und mir die Adresse des Künstlers geben lassen und habe dann einen Termin ausgemacht. Der Künstler hat ziemlich gestaunt, dass ein Kind vor der Tür steht. Natürlich hatte er auf einen Sammler gehofft. Ich habe ihm dann drei Monatsgehälter, in meinem Fall also 30 Mark Taschengeld, angeboten, für ein kleines Aquarell und er hat sich drauf eingelassen. Er hat mir das Bild in die Hand gedrückt und ich bin los. Ich kam wieder und wurde so eine Art Ateliermaskottchen. So hat alles angefangen. Ein Leben mit der Kunst und in der Kunst. Über Lebenslust und neue Denkmuster » Glück ist nichts, was einem widerfährt, kein Schicksal, sondern mehr ein Zugang zum Leben, eine Lebensart. « Sasa Hanten Talent zum Glück Roman, 496 Seiten €24,00, ISBN 978-3-89667-800-3 Blessing Verlag Foto: Paola Komanek
35 espresso Sie sind vereidigte Sachverständige für zeitgenössische Kunst. Was genau machen Sie in diesem Beruf? Ich bin für alle Fragen rund um die zeitgenössische Kunst zuständig und gleichzeitig bin ich auch Rechtsanwältin, das heißt mein Berufsleben spielt sich an besonders schönen Orten mit besonders spannenden Leuten ab. Es ist toll, sich in Sammlerdepots, in Ateliers oder auf Kunstmessen zu bewegen. Ich komme ja auch in die Häuser, in denen sich diese Sammlungen befinden. Was meinen Beruf aber wirklich besonders macht, ist dieses Leben hinter den Kulissen, denn wenn ich gerufen werde, passieren besonders dramatische Dinge. Meistens ist dann jemand tot, denn wann wird schon mal eine ganze Sammlung bewertet, wann wird das ganze Werk eines Künstlers angeschaut? Natürlich nur an wichtigen Übergängen im Leben. Manchmal handelt es sich auch nur um eine Scheidung oder um den Verkauf eines Unternehmens, aber für die Beteiligten fühlt sich das nicht weniger dramatisch an. Ich beschäftige mich gern mit diesen Dingen, denn ich habe großen Respekt vor der Lebensleistung der Künstler, aber auch der Sammler. Denn die Kraft, die da drinsteckt, die Schöpferkraft bei den Künstlern und die Leidenschaft bei den Sammlern, dass ist das, was diesen Markt so spannend macht. Wie wird denn gesammelt? Sammeln Männer anders als Frauen? Sammler muss nicht gegendert werden, denn Sammler sind in der Regel Männer. Unternehmer, Freiberufler. Und in der Sammlung geht es darum, sich ein Denkmal zu setzen. Unternehmerische Risiken werden vorweggenommen, Mutproben werden gemacht, aber im Wesentlichen geht es um die eigene Spürnase, die unter Beweis gestellt werden soll. Dass man weiß, was die Kunst der Zukunft wird. Das will man bestimmen, man will oben auf dem Treppchen stehen. Die Sammler sagen auch immer, man habe stets zu viel Geld für die Kunst ausgegeben, über seine Verhältnisse gesammelt. Ziemlich kokett finde ich das, denn das sind ja im normalen Leben kluge Kaufleute, aber im Zusammenhang mit der Kunst ist es scheinbar angemessen zu sagen, da brennen einem die Sicherungen durch. Dieselben Männer sagen über Frauen, die einen gut gefüllten Schuhschrank haben, das sei Verschwendung und Wahnsinn. Die Frauen unterdessen tragen etwas zusammen, von dem sie glauben, dass sie es brauchen. In diesem Spektrum, zwischen Männern, die sammeln, um die Zukunft zu bestimmen, und Frauen, die sammeln, weil sie glauben, dass das später gebraucht wird, in diesem Spektrum spielt sich meine Berufstätigkeit ab. Ihr Roman heißt „Talent zum Glück“. Das klingt, als hätten Sie ein Rezept für ein glückliches Leben gefunden. Wie ist denn Ihre Lebensphilosophie? „Deine gute Laune nervt mich und deine Liberalität kotzt mich an“, das hat ein Studienkollege zu mir gesagt, und ich habe mich gefreut. Denn damit hat er auf seine Weise genau gesagt, was meine Lebensphilosophie ist. Nämlich, ich bin gerne übertrieben gut gelaunt. Genauso wie mein Romanheld Eby, der natürlich ich bin, in "Talent zum Glück“. Da geht es genau darum, dass man Frieden macht mit Dingen, die man nicht ändern kann und sich über alles andere wahnsinnig freut und vielleicht viele Dinge, die man nicht ändern kann, vielleicht sogar herüberzieht auf die Seite, wo man sich darüber freuen kann. Also, Glück ist nichts, was einem widerfährt, kein Schicksal, sondern mehr ein Zugang zum Leben, eine Lebensart. Wie beschreiben Sie Ihren Roman? „Talent zum Glück“ ist ein optimistisches Buch, das jeden etwas angeht. Mit liebendem Auge und originell-weise, wie Kinder denken, werden verpönte Gedanken (Wohin mit den Eltern? Findet das Glück mich nicht?) ausgesprochen und knifflige Themen (die Liebe des Lebens liebt nicht zurück, Abschiede) verhandelt. Das ist das Buch mit dem schönsten Inhaltsverzeichnis aller Zeiten. Und: alle Akteure haben viele Vorbilder, nur eine Person ist präzise porträtiert. Wer? Das müssen die Lesenden selbst herausfinden. Bild: Talent zum Glück Xenia Hausner 2026 Studio Xenia Hausner /VG Bildkunst & Sammlung S. Hanten
36 espresso Rund 31,5 Milliarden Euro-Banknoten sind aktuell im Umlauf. Seien wir ehrlich: Seit der Einführung haben wir uns an der Optik längst sattgesehen. Da kommt es ganz gelegen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) einen Wettbewerb ins Leben gerufen hat, um den Scheinen ein moderneres Aussehen zu verleihen. Zehn Designs standen bis 21. September zur Wahl. Eines davon, Variante H, stammt vom Regensburger Künstlerpaar Gisela Goppel und Florian Topernpong. Wie man Vögel zeichnet, erklärt Gisela Goppel bald in einem Online-Workshop des MKK Ingolstadt. Wir haben uns vorab mit ihr über ihre Geldschein-Entwürfe unterhalten, denn da dreht sich ebenfalls (fast) alles um unsere gefiederten Freunde. IT'S ALL ABOUT THE BIRDS Georg-Heiss-Str. 44 85051 Ingolstadt Tel. 08450/9 29 57 75 info@ritas-haarparadies.de www.ritas-haarparadies.de 15 JAHRE RITA´S HAARPARADIES - EIN HERZLICHES DANKE, INGOLSTADT! Liebe Kundinnen und Kunden, liebe Freunde, kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht: Seit nun schon 15 Jahren darf ich Sie in meinem Salon verschönern, begleiten und verwöhnen. Für Ihre Treue, die vielen wunderbaren Gespräche und Ihr tiefes Vertrauen in all den Jahren sage ich von ganzem Herzen Danke! Sie machen Rita´s Haarparadies zu dem, was es heute ist. Weil diese 15 Jahre ohne Sie nicht möglich gewesen wären, möchte ich Ihnen ein kleines Geschenk zurückgeben. Feiern Sie mit uns und sichern Sie sich mein Jubiläums-Special: 15 % Rabatt auf alle Haarschnitte! (Gültig von 13.10. bis 16.10.2026) Möglicherweise reisen ihre Geldscheine bald durch ganz Europa. Bislang dürfte Gisela Goppel einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt gewesen sein, doch ihre Arbeiten könnten einem durchaus schon begegnet sein – im Buchladen beispielsweise. Gisela Goppel gestaltet u. a. Buchcover, etwa für den Insel Verlag (Unsere Jahre auf Fellowship Point), dtv (Im Dorf der Schmetterlinge) oder KiWi (Hotel Shanghai). Außerdem illustriert sie eine monatliche Kolumne in der FAZ. „Einer der größten Aufträge der letzten Jahre war für dm“, sagt Goppel. Für die Drogeriekette gestaltete sie im Sommer 2024 die Glasfassaden im ganzen Land. Hinzu kommen Arbeiten für das Who‘s Who der Zeitschriftenlandschaft: Spiegel, Brigitte, Elle, Glamour und Focus. Florian Topernpong Gisela Goppel Fotos: Florian Hammerich
37 espresso Zwei Themen gab die EZB den europäischen Designern vor: „Europäische Kultur“ und „Flüsse und Vögel“. Goppel und Topernpong reichten Entwürfe für beide ein, mit „Flüsse und Vögel“ schafften sie es in die Endrunde. „Damit sind wir ganz happy, weil das natürlich eine Thematik ist, die uns sehr entspricht und wir das Gefühl haben, dass auch die Leute angesprochen sind.“ Tatsächlich ist es so, dass die Vögel fast die komplette Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Folgt man den Social-Media-Reaktionen, scheint es nur schwer vorstellbar, dass bei der Online-Umfrage der EZB die Wahl auf „Kultur“ fallen könnte. Diese Designs zeigen u.a. Maria Callas, Ludwig van Beethoven und Marie Curie. Keine Chance gegen Mauerläufer, Eisvogel, Bienenfresser, Weißstorch, Säbelschnäbler und Basstölpel – möchte man zumindest meinen. Vögel und das sogenannte Birdwatching sind längst zum Social-Media-Trend mutiert. Damit trifft die EZB den Zeitgeist. Aber welches Verhältnis hat Gisela Goppel zu den Federfreunden? „Mein Vater ist Biologe“, sagt sie. Die Themen Natur, Naturschutz und Vögel begleiteten sie schon als Heranwachsende. „Bei Urlaubsreisen in Europa sind wir oft in besondere Naturräume gefahren, wo es auch Vögel zu beobachten gab. Das war dann der Säbelschnäbler im Wattenmeer oder Flamingos in Frankreich.“ Auch an eine Schlucht in Spanien mit einer sehr großen Geierkolonie erinnert sie sich. „Das war schon etwas, was mir nahe liegt und was meine Liebe zur Natur geprägt hat.“ Doch trotz guter Startbedingungen stand vor dem ersten Strich viel Recherchearbeit an. „Wir haben viele Vorgaben von der EZB gekriegt, sind aber trotzdem nochmal sehr tief eingestiegen“, erklärt sie. Die Idee war, ein tiefes Verständnis für jeden der zu zeichnenden Vögel zu entwickeln – mit dem Ziel, jede Vogelart in ihrer Besonderheit darzustellen. „Die Bienenfresser haben wir zusammen auf einem Ast gezeigt, weil sie in Brutkolonien leben und auch recht sozial sind.“ Der Eisvogel sitzt hingegen eher alleine auf einem kleinen Ast, so ist er auch auf dem 10-Euro-Schein zu sehen. Da der Storch weite Strecken zurücklegt, habe man ihn im Flug gezeichnet. Nachdem sie sich über die passenden Silhouetten herangetastet hatte, ging es schließlich in die Ausarbeitung. Erst mit Aquarell, dann weiter in digitaler Form. „Auf jedem Schein ist eine Etappe des Flusses dargestellt“, erklärt Goppel zu den Entwürfen. Von der Quelle im Gebirge über mehrere Stationen bis zum Meer. „Zu diesen jeweiligen Lebensräumen wurden Vögel gesucht, die darin leben.“ Wie können Vögel die Europäische Idee symbolisieren? „Vögel fliegen über Grenzen hinweg und haben dadurch etwas sehr Verbindendes. Vögel haben keine Nationalität und sind überall beheimatet, das ist natürlich eine starke Metapher für ein geeintes Europa“, erklärt sie. 20.10. 18 – 20 Uhr DIYnstag - Online-Workshop mit Gisela Goppel "Tierzeichnungen: Vögel" Anhand von Vögeln erhalten die Teilnehmenden dieses Workshops einen schönen Einstieg ins Zeichnen von Tieren. Dabei wird gezeigt, wie man sich über einfache Grundformen annähern kann. Das hilft sowohl beim Zeichnen aus der Vorstellung als auch beim Arbeiten nach Vorlagen oder Naturbeobachtungen. Vögel eignen sich dafür gut, weil ihre Körperformen meist recht kompakt sind und es trotzdem auch eine große Vielfalt an Arten gibt. Der Workshop richtet sich sowohl an Anfänger*innen als auch an kreativ arbeitende Menschen, die ihre gestalterischen Möglichkeiten erweitern möchten. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. HINWEIS: Die Teilnehmenden bekommen per Post das notwendige Workshopmaterial zugeschickt und erhalten einen Link zum Onlineworkshop. GEWINNSPIEL Wir verlosen 2 Plätze für den Online-Workshop mit Gisela Goppel beim DIYnstag des MKK Ingolstadt. Teilnahmeschluss ist bereits am 11.10.26. Zur Teilnahme schickt eine Mail mit Stichwort VÖGEL an win@ espresso-magazin.de. Rechtsweg ausgeschlossen. „Viele Leute verbinden damit auch etwas sehr Positives: Freiheit, Grenzenlosigkeit. Wir fanden in unserer Arbeit auch die Einzigartigkeit der jeweiligen Vögel eine schöne Metapher für die Vielfalt der Kulturen, die Europa so besonders machen.“ Beim Fokus auf die Vögel vergisst man fast, dass die Scheine auch noch eine Rückseite haben. Darauf zu sehen sind Gebäude wie das EU-Parlament, der Europäische Gerichtshof und die EZB. Fast ein bisschen schade, dass die Gebäude gar keine so große Beachtung finden, oder? „Ich denke, das ist ganz natürlich, dass erst das Lebendige, der Vogel, den Fokus auf sich zieht – weil es eben etwas Emotionales ist.“ Einen Favoriten unter den eigenen Entwürfen haben weder Goppel noch Topernpong. Man habe versucht, in jeden Schein so viel Arbeit zu investieren, dass am Ende jeder davon ein Lieblingsschein sei. Aus den Rückmeldungen schlussfolgern sie aber, dass der Eisvogel in der Bevölkerung wohl besonders gut ankommt. „Vielleicht, weil es ein heimischer Vogel ist – oder grundsätzlich ein beliebter Vogel.“ Im Wettbewerb standen auch Entwürfe im Hochformat zur Wahl. Haben die beiden Regensburger ebenfalls damit experimentiert? „Das stand nicht so wirklich zur Debatte“, sagt Goppel. Man habe sich recht schnell für das Querformat entschieden, und zwar „aus dem Gedanken heraus, dass es in Europa keine Tradition für Scheine im Hochformat gibt. Es wäre eine große Umgewöhnung für sehr viele Menschen. Wir haben nicht wirklich einen Grund gefunden, der die Änderung begründen würde. Es ist natürlich ästhetisch ganz reizvoll im Hochformat, aber uns war die Funktionalität wichtiger.“ Was ist das für ein Gefühl, wenn sie daran denkt, dass bald hunderte Millionen Menschen mit ihren Scheinen durch Europa laufen könnten? So ganz will Goppel nicht mit diesem Gedanken spielen. „Wir sind jetzt schon sehr geehrt, dass wir unter den zehn Finalisten sind, bei so vielen anderen tollen Entwürfen. Das ist ja schon ein ganz tolles Gefühl“, sagt sie. „Für uns ist es eher so, dass wir diese Scheine alle so gut gemacht haben, wie wir sie machen konnten. Sie sind jetzt raus in die Welt gestartet. Der Schein muss jetzt seinen eigenen Weg gehen.“ Flattern ihre Vögel bald durch Europa? Die Entscheidung der EZB fällt voraussichtlich Ende des Jahres.
www.espresso-magazin.deRkJQdWJsaXNoZXIy MTYzMjU=