WM Spezial

WM-Spezial

2 WM-SPEZIAL Donnerstag, 11. Juni 2026 Von Tilmann Mehl Winston-Salem Julian Nagelsmann hat die Vorbereitung nicht darauf ausgelegt, die Öffentlichkeit und kommende Gegner zu verwirren. Der deutsche Bundestrainer scheint vor dem ersten Gruppenspiel seine Elf gefunden zu haben, die er gegen Curacao am Sonntag (19 Uhr) auf das Feld schicken will. Die beiden Testspiele gegen Finnland und die USA lassen mehr als nur erahnen, wem er das Vertrauen schenken wird. Da es die fußballerische Gesetzgebung so will, dass von dem 26-Mann-Kader lediglich elf gleichzeitig auf dem Platz stehen, gibt es im deutschen Team Gewinner und Verlierer der Vorbereitung. Gewinner • Leroy Sané Ginge es nach den meisten Fans, hätte er wohl nicht einmal einen Platz im Kader. Geht es nach Nagelsmann, wird der 30-Jährige aber im Eröffnungsspiel wohl auf dem Feld stehen. Das hat nicht zwingend etwas mit den Vorleistungen Sanés in seinem Verein zu tun. Die waren bei Galatasaray Istanbul höchst durchwachsen. Auch die guten Leistungen im Nationaldress am Ende der WM-Qualifikation waren nicht maßgeblich dafür. Sané profitiert von der Verletzung Lennart Karls. Sané aber nutzte auch die Chance, indem er gegen die USA den Siegtreffer erzielte. Er dürfte sich damit seinen Platz auf dem rechten Flügel gesichert haben. Vorerst. • Nathaniel Brown Der Frankfurter weiß „noch gar nicht, wie gut er ist“. Das sagt Julian Nagelsmann über ihn. Am wichtigsten ist auch, dass der Bundestrainer weiß, wie gut seine Spieler sind. Nagelsmann glaubt jedenfalls zu wissen, dass Brown derzeit besser ist als David Raum. Das ist bitter für den Leipziger, aber schön für den Frankfurter. Der Linksverteidiger versah seinen Dienst bei den beiden Testspiel-Siegen überaus souverän, was angesichts seiner 22 Jahre nicht selbstverständlich ist. „Er ist einen Tick zu bescheiden für das, was er kann. Ich will bei ihm noch mehr Selbstvertrauen initiieren“, so Nagelsmann. Offenbar ist der FC Bayern an einer Verpflichtung Browns interessiert. Das könnte für zusätzliches Selbstvertrauen sorgen. • Felix Nmecha Ein Hohn, dass der 25-Jährige erst bei acht Länderspielen steht. Nmecha bringt vieles mit, das ihn zu einem Mittelfeldspieler von internationalem Top-Format machen könnte. Noch aber ist ihm der endgültige Durchbruch in diese Sphären nicht gelungen. Trotz seiner enormen Physis, strategischen Fähigkeiten und außergewöhnlicher Technik spielte er in der öffentlichen Wahrnehmung selten eine tragende Rolle. Das liegt auch an den drei langwierigen Verletzungen, die ihn in den vergangenen drei Jahren immer wieder aus der Spur brachten. Zuletzt laborierte er an einem Außenbandriss im Knie, meldete sich aber pünktlich zum Saisonendspurt zurück. Der Bundestrainer hat ihn daraufhin fest an der Seite von Aleksandar Pavlovic eingeplant. Verlierer • Leon Goretzka Im März hatte Julian Nagelsmann noch angekündigt, Leon Goretzka werde bei der WM eine wichtige Rolle spielen. Derzeit spricht wenig dafür. Felix Nmecha hat ihm den Rang im zentralen Mittelfeld abgelaufen. Eine Situation, die Goretzka aber gut kennt. Auch in München wurde er zeitweise an den Rand gedrängt. Er kämpfte sich aber immer wieder zurück. Der Bundestrainer weiß um diese Stärke Goretzkas. • David RaumGalt als Linksverteidiger als gesetzt. Spielte für Leipzig eine außerordentlich gute Saison. Hatte dann aber zur Unzeit mit Leistenproblemen zu schaffen, die ihm nun seinen Stammplatz kosten, weil Nathaniel Brown mehr als nur ein solider Vertreter ist. • Nick Woltemade Hat seinen Status als Stammstürmer verloren. Dabei hatte er mit seinen Treffern in der Qualifikation großen Anteil daran, dass die Deutschen sich letztlich ohne ganz große Probleme für die WM qualifiziert haben. Hinter Woltemade liegt allerdings eine schwierige Saison in Newcastle, in der er weniger Spielzeit als erhofft erhielt. In der Nationalmannschaft ist zuletzt Deniz Undav an ihm im internen Ranking vorbeigezogen. Weil zudem Kai Havertz seine Verletzungen endgültig zu überwunden haben scheint, ist Woltemade derzeit nur Stürmer Nummer drei. • Antonio Rüdiger Julian Nagelsmann verteidigte seinen Innenverteidiger häufiger, wenn der sich eine Undiszipliniertheit leistete. Nagelsmann schätzt die aggressive Spielweise Rüdigers. Der tut einer ansonsten eher braven Mannschaft auch gut. In Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah hat sich allerdings ein Duo gefunden, das höchsten Anforderungen genügt. Bitter für Rüdiger ist, dass ihm zuletzt auch noch Waldemar Anton vorgezogenwurde. Leroy Sané traf zuletzt gegen die USA. Ihm winkt ein Stammplatz bei der Weltmeisterschaft. Foto: Tom Weller, dpa Die Gewinner und die Verlierer der Vorbereitung Vor Kurzem war noch nicht abzusehen, dass Leroy Sané beim deutschen WM-Auftakt auf dem Feld stehen wird. Er ist einer, der von den Testspielen profitieren konnte – andere dagegen haben die Erwartungen nicht erfüllt. Das Warten auf den „Wusiala“-Schub Vor zwei Jahren eröffnete das Zauber-Duo mit Jamal Musiala und Florian Wirtz die Heim-EM mit zwei Toren. Nach Verletzungen und Enttäuschungen ringen die beiden Offensivkünstler um ihre WM-Form. Winston-Salem Bei der ziemlich rasanten Fahrt zum Training auf dem Campus der Wake Forest University sitzen Jamal Musiala und Florian Wirtz jeweils auf der Rückbank des Golfcarts – aber in verschiedenen. Und auch beim ersten Teil des Trainings in Winston-Salem sind die Fußball-Zauberer fünf Tage vor dem Start ins WM-Turnier zunächst in verschiedene Gruppen eingeteilt. Am Sonntag (19 Uhr, ARD/MagentaSport) aber, im ersten Gruppenspiel der Nationalmannschaft in Houston soll alles im Idealfall so beginnen, wie es auf den Tag genau zwei Jahre zuvor bei der Heim-EM der Fall war. Am 14. Juni 2024 startete das DFB-Team in München mit einem fulminanten 5:1 gegen Schottland. Wirtz schoss früh das erste Tor, Musiala legte das 2:0 nach – und Deutschland feierte ein neues Fußball-Traumduo namens „Wusiala“. 24 Monate später sind beide 23. Und alle Deutschland-Fans warten nach einer holprigen Premieren-Saison von Wirtz beim FC Liverpool und noch mehr nach der schweren Beinverletzung von Bayern-Star Musiala auf den neuen „Wusiala“-Schub in Amerika. Gelingt er gegen die Karibik-Kicker aus Curaçao, die übrigens in der WM-Vorbereitung mit 1:4 gegen die Schotten verloren? Der Bundestrainer redet den Raketenstart seiner Offensivstars am Nasa- Standort in Texas förmlich herbei. „Jamal tritt immer besser auf, Flo ist eh top drauf“, sagte Julian Nagelsmann nach der 2:1-Generalprobe gegen die USA. Tatsächlich war in Chicago bei Musiala weiter viel Luft nach oben, auch Wirtz war nicht top. Sechs Tage zuvor hatte das in Mainz beim 4:0 gegen Finnland noch anders ausgesehen. 2:0 Wirtz, 4:0 Musiala – geht doch, dachten alle. „Ich fühle mich gut“, sagte Wirtz vor seiner WM-Premiere, räumte aber ein: „Ich weiß nicht, ob ich in Topform bin.“ Musiala wartet nach seinem Bruch des linken Wadenbeins samt schwerer Fußverletzung bei der Klub-WM 2025 in den USA seit Monaten darauf, dass es endlich wieder dauerhaft klick macht auf dem Platz. „Ich hatte gute Phasen, manchmal nicht so gute Phasen“, sagt er. Der Fußball-Weise Rudi Völler (66) versucht, im Curaçao-Countdown nach außen größtmögliche Gelassenheit auszustrahlen. Im Uni-Hörsaal in Winston-Salem sagte der DFB-Sportdirektor: „Die Saison von Flo in Liverpool war nicht so, wie er sich das vielleicht vorgestellt hat. Aber man sieht immer wieder, zu welcher Figur er gereift ist. Er ist ein außergewöhnlicher Fußballer, der enorm wichtig ist, dass wir unsere Ziele erreichen. Und da habe ich bei ihm überhaupt keine Bedenken. Er wird bei seiner ersten WM Top-Leistungen abrufen.“ Bei Musiala, der im Gegensatz zu Wirtz schon bei der vermurksten WM 2022 in Katar dabei war, klingt Völler ähnlich zuversichtlich: „Jamal kommt aus einer sehr schweren Verletzung und hat eine Weile gebraucht, um wieder 90 Minuten zu spielen. Aber das ist kein Problem. Er wird hier super aufgebaut von den Fitnesscoaches, von Julian. Auch wenn es mal bei dem einen oder anderen Spiel ein bisschen weniger war und es nicht so gelaufen ist bei ihm: Er ist ganz nah dran, wieder der alte Jamal Musiala zu werden. Da bin ich total optimistisch, dass das schon gegen Curaçao funktioniert.“ Wenn Wirtz und Musiala im Offensiv-Quartett mit Kai Havertz und vermutlich Leroy Sané funktionieren, dann scheint einiges möglich für Team Deutschland. Die Erwartungshaltung an das Duo hat zugenommen. „Flo ist nicht mehr der ganz junge Spieler, das gilt auch für Jamal“, sagte Völler. Und Wirtz spricht wohl auch für seinen Fußball-Kumpel Musiala, wenn er seine Funktion im WMKader beschreibt: „Ich glaube schon, dass meine Rolle sich verändert hat. Bei der Heim-EM war ich zwei Jahre jünger – und einige ältere Spieler sind jetzt nicht mehr dabei. Ich bin bereit, voranzugehen. Ich traue mir das zu.“ Wenn das beiden gelingt, ist in Amerika wieder „Wusiala“-Time. (dpa) Deutsche Hoffnungsträger in der Offensive: Florian Wirtz (links) und Jamal Musiala. Foto: Federico Gambarini, dpa

A Mexiko Südafrika Südkorea Tschechien B Kanada Bosnien-Herzegowina Katar Schweiz C Brasilien Marokko Haiti Schottland D USA Paraguay Australien Türkei E Deutschland Curaçao Elfenbeinküste Ecuador F Niederlande Japan Schweden Tunesien 1 Mexiko 0 0 0 0:0 0 0 1 Tschechien 0 0 0 0:0 0 0 1 Südafrika 0 0 0 0:0 0 0 1 Südkorea 0 0 0 0:0 0 0 Donnerstag, 11. Juni Mexiko – Südafrika Do21:00 Freitag, 12. Juni Südkorea – Tschechien Fr04:00 Donnerstag, 18. Juni Tschechien – Südafrika Do18:00 Freitag, 19. Juni Mexiko – Südkorea Fr03:00 Donnerstag, 25. Juni Tschechien – Mexiko Do03:00 Südafrika – Südkorea Do03:00 1 Schweiz 0 0 0 0:0 0 0 1 Bosnien-H. 0 0 0 0:0 0 0 1 Kanada 0 0 0 0:0 0 0 1 Katar 0 0 0 0:0 0 0 Freitag, 12. Juni Kanada – Bosnien-H. Fr21:00 Samstag, 13. Juni Katar – Schweiz Sa21:00 Donnerstag, 18. Juni Schweiz – Bosnien-H. Do21:00 Freitag, 19. Juni Kanada – Katar Fr00:00 Mittwoch, 24. Juni Schweiz – Kanada Mi 21:00 Bosnien-H. – Katar Mi 21:00 1 Schottland 0 0 0 0:0 0 0 1 Brasilien 0 0 0 0:0 0 0 1 Marokko 0 0 0 0:0 0 0 1 Haiti 0 0 0 0:0 0 0 Sonntag, 14. Juni Brasilien – Marokko So00:00 Haiti – Schottland So03:00 Samstag, 20. Juni Schottland – Marokko Sa00:00 Brasilien – Haiti Sa02:30 Donnerstag, 25. Juni Schottland – Brasilien Do00:00 Marokko – Haiti Do00:00 1 USA 0 0 0 0:0 0 0 1 Türkei 0 0 0 0:0 0 0 1 Paraguay 0 0 0 0:0 0 0 1 Australien 0 0 0 0:0 0 0 Samstag, 13. Juni USA – Paraguay Sa03:00 Sonntag, 14. Juni Australien – Türkei So06:00 Freitag, 19. Juni USA – Australien Fr21:00 Samstag, 20. Juni Türkei – Paraguay Sa05:00 Freitag, 26. Juni Türkei – USA Fr04:00 Paraguay – Australien Fr04:00 1 Deutschland 0 0 0 0:0 0 0 1 Curaçao 0 0 0 0:0 0 0 1 Elfenbeinküste 0 0 0 0:0 0 0 1 Ecuador 0 0 0 0:0 0 0 Sonntag, 14. Juni Deutschland – Curaçao So19:00 Montag, 15. Juni Elfenbeinküste – Ecuador Mo01:00 Samstag, 20. Juni Deutschland – Elfenbeinküste Sa 22:00 Sonntag, 21. Juni Ecuador – Curaçao So02:00 Donnerstag, 25. Juni Ecuador – Deutschland Do22:00 Curaçao – Elfenbeinküste Do22:00 1 Niederlande 0 0 0 0:0 0 0 1 Schweden 0 0 0 0:0 0 0 1 Japan 0 0 0 0:0 0 0 1 Tunesien 0 0 0 0:0 0 0 Sonntag, 14. Juni Niederlande – Japan So22:00 Montag, 15. Juni Schweden – Tunesien Mo04:00 Samstag, 20. Juni Niederlande – Schweden Sa19:00 Sonntag, 21. Juni Tunesien – Japan So06:00 Freitag, 26. Juni Tunesien – Niederlande Fr01:00 Japan – Schweden Fr01:00 Der Spielplan der Fußball-WM Auftakt in mexikanischer Problemzone Proteste begleiten das Eröffnungsspiel Mexiko-Stadt Der Anpfiff zur bisher größten Fußball-WM soll zum Stimmungszünder für das weltweite Milliardenspektakel werden. Doch Mexiko-Stadt gleicht vor dem Duell des Mitgastgebers im legendären Aztekenstadion gegen Südafrika (Donnerstag, 21 Uhr, ZDF/Magenta TV) vor allem einer großen Problemzone. Hundertschaften schwer bewaffneter Polizei und der Nationalgarde rund um das Stadion im Süden der Stadt. Jüngst sicher gestellte Sprengsätze bei protestierenden Lehrern, Schutzmauern in der historischen Altstadt, Verkehrschaos auf den Straßen. Und als ob das alles nicht ausreichen würde: Der bange Blick in den teils düsteren Himmel – Unwetter drohen zum Auftakt. Beklemmende Bilder sendet die Stadt, in der zum dritten Mal eine WM eröffnet wird. 1970 und 1986 war Mexiko alleiniger Gastgeber. „Unser Ziel ist es, die beste WM in Mexikos Geschichte zu zeigen“, versicherte der erfahrene Trainer Javier Aguirre. Die Freude, die einst auch für den Ruhm von „La Ola“ bei der WM 1986 sorgte, wartet aber noch auf ihr Comeback. Präsidentin Claudia Sheinbaum schwor die mexikanische Mannschaft höchstpersönlich noch ein vor dem Turnier. Die teils gewaltsamen Proteste der Lehrer verurteilte sie als „Provokation“. Zwei Tage vor dem Match konterten die Protestler und blockierten Zugänge, woraufhin die Zufahrtsstraße vor dem Aztekenstadion abgeriegelt wurde. Wie die aufgeladene Stimmung den Ablaufplan am Donnerstag durchkreuzen könnte – anderthalb Stunden vor dem Spiel startet die Eröffnungsshow – wird sich zeigen. Auch, wie FifaBoss Gianni Infantino darauf reagieren wird. Das Aztekenstadions ist ein Fußball-Tempel mit Gänsehaut-Faktor in über 2200 Metern über dem Meeresspiegel. Die Südafrikaner bereiteten sich eigens im noch etwas höher gelegenen Pachuca auf die besonderen Herausforderungen in der dünnen Luft vor. Für wen die Luft gleich nach dem ersten Spiel dieser WM dünner wird, muss sich zeigen. Dicke Luft herrscht schon jetzt. Die Lehrerproteste gegen Rentenmaßnahmen, aber auch Transporteure und Bauern drohen mit Blockaden. Und Angehörige wollen auf 130.000 verschwundene Menschen in Mexiko aufmerksam machen. (dpa; Foto: Luis Barron, dpa) C. Sheinbaum Diese Stars fehlen Die Liste ist lang und reicht auch für mehr als eine Mannschaft. Wer kann nicht oder darf nicht beim Turnier spielen? Darunter sind etliche bekannte Namen. Mexiko-Stadt Auch andere Nationen haben ihren Lennart Karl. Manche Fußballstars – allen voran aus Italien – machen aber auch ohne Verletzung notgedrungen Urlaub während der XXL-WM in den USA, Mexiko und Kanada, weil sie die Qualifikation verpasst haben oder nicht nominiert worden sind. Eine Elf der Stars, die bei der WM aus verschiedenen Gründen fehlen: Tor • Gianluigi Donnarumma 82 Länderspiele hat der Keeper der Squadra Azzurra schon absolviert. Die Liste seiner Erfolge ist lang: Europameister, dazu Champions-League-Sieger einst mit Paris Saint-Germain vor einem Jahr, viermal französischer Meister, englischer Pokalsieger mit Manchester City in diesem Jahr. Eine WMEndrunde hat der 27-Jährige aber noch nicht in seiner Vita. Abwehr • Harry MaguireNach der Nicht-Nominierung durch Thomas Tuchel war der 33 Jahre alte Engländer not amused. „Ich war zuversichtlich, dass ich nach der Saison, die ich gespielt habe, in diesem Sommer eine tragende Rolle für mein Land hätte spielen können“, kommentierte der Manndecker von Manchester United. Auch die Ehefrau des 66-maligen Nationalspielers schaltete sich öffentlich ein und giftete in Richtung des deutschen Trainers der Three Lions: „Es ist nur schade, dass du gegen eine einzige Meinung ankämpfen musstest.“ • Raphaël Guerrero Es ist kein guter Fußball-Sommer für den 32-Jährigen. Sein Vertrag beim FC Bayern endet am 30. Juni. Einen neuen Arbeitgeber gibt es noch nicht. 2016 wurde Guerreiro mit Portugal Europameister, auf 65 Einsätze kommt er insgesamt. Diesmal steht er nicht im Kader. • Éder Militão Er bleibt vom Verletzungspech verfolgt. Zwei Kreuzbandrisse überstand der 28 Jahre alte Brasilianer bereits und kämpfte sich bei Real Madrid zurück. Im April musste sich der Abwehrchef einer Muskeloperation in Finnland unterziehen. Einmal mehr wird der Brasilianer mehrere Monate fehlen. • Dani Carvajal Vor zwei Jahren war er Teil des EM-Triumphs der Spanier. Diesmal ist der mittlerweile auch schon 34 Jahre alte Abwehrspieler nicht mehr im Aufgebot. Es wird bei fünf WM-Einsätzen verteilt auf die Endrunden 2018 und 2022 bleiben. Sein Vertrag bei Real Madrid läuft zudem Ende des Monats nach 13 Jahren und unzähligen Erfolgen aus. Mittelfeld und Angriff • Christoph Baumgartner Der Traum endete beim Aufwärmen vor dem Länderspiel gegen Tunesien. „Das ist für mich der schwerste Tag meiner Karriere – und es wird sicher etwas dauern, bis ich diese Niederlage verarbeitet habe“, sagte Baumgartner nach seiner Verletzung. Muskelverletzung, Operation, längere Pause. Bitter für den 26-Jährigen, der bei RB Leipzig eine äußerst starke Saison spielte und Österreich auch im Gruppen-Duell mit Weltmeister Argentinien inspirieren sollte. • Dominik Szoboszlai Ein Tor in der Nachspielzeit traf auch den Kapitän der ungarischen Nationalmannschaft ins Mark. „Es tut weh, weil wir es wirklich wollten“, erklärte der Profi vom FC Liverpool und ehemalige RBLeipzig-Spieler nach dem 2:3 gegen Irland. Ungarn rutschte auf Gruppenrang drei ab, die Play-offs waren deshalb nicht mehr drin und Szoboszlai mit seinen Teamkollegen raus. • Serge Gnabry Schon die EM im eigenen Land verpasste der Profi des FC Bayern. Und nun auch die WM. Noch vor dem Pokal-Halbfinale des späteren Doublesiegers gegen Bayer Leverkusen erlitt Gnabry einen Ausriss der Adduktoren. Sein 57. Länderspiel für Deutschland wird der 30 Jahre alte Offensivmann nicht bei der WM bestreiten. • Chwitscha Kvaratskhelia Sein Marktwert wird derzeit auf rund 140 Millionen Euro geschätzt. Er zählt damit zu den teuersten Profis der Welt aktuell. Kwarazchelia gewann mit Paris Saint-Germain zweimal nacheinander die Champions League und wurde in der abgelaufenen sogar zum Spieler der Saison in der Königsklasse gewählt. Mit Georgien schaffte der 25-Jährige aber nicht die WM-Teilnahme. • Robert Lewandowski Diesmal klappte es nicht im Play-off gegen Schweden. Die WM in Katar dürfte die letzte des 37 Jahre alten polnischen Super-Torjägers gewesen sein, auch wenn er weiter in der Auswahl spielt. Nach dem dramatischen 2:3 gegen die Schweden meinte der Mittelstürmer: „Das schlimmste Gefühl wird sein, wenn wir morgen aufwachen.“ Nicht viel besser wird es ihm ergehen, wenn der WM-Ball ohne den 167-maligen Nationalspieler rollt und er noch immer ohne neuen Verein nach dem Vertragsende und tränenreichen Abschied beim FC Barcelona ist. • Luis Suárez 143 Länderspiele für Uruguay, 69 Tore. Skandale waren auch dabei. „Ich würde der Nationalmannschaft niemals absagen, wenn sie mich braucht – besonders nicht mit einer WM vor der Tür“, hatte Suárez betont. Marcelo Bielsa, den der Mittelstürmer von Inter Miami und Top-Lionel-Messi-Kumpel nach der Copa América 2024 kritisiert hatte, verzichtete aber auf Suárez. (von Jens Marx, dpa) Gianluigi Donnarumma. Foto: Arveda, dpa Serge Gnabry. Foto: Harry Langer, dpa Eder Militao. Foto: Nick Potts, dpa Christoph Baumgartner. Foto: Woitas, dpa Chwitscha Kvaratskhelia. Foto: Weller, dpa Harry Maguire. Foto: Martin Rickett, dpa Raphael Guerrero. Foto: Jaspersen, dpa Dominik Szoboszlai. Foto: Byrne, dpa R. Lewandowski. Foto: Piotr Nowak, dpa Donnerstag, 11. Juni 2026 WM-SPEZIAL 3

4 WM-SPEZIAL Donnerstag, 11. Juni 2026 G Belgien Ägypten IRIran Neuseeland H Spanien KapVerde Saudi-Arabien Uruguay I Frankreich Senegal Irak Norwegen J Argentinien Algerien Österreich Jordanien K Portugal DRKongo Usbekistan Kolumbien L England Kroatien Ghana Panama 1 Belgien 0 0 0 0:0 0 0 1 Ägypten 0 0 0 0:0 0 0 1 Iran 0 0 0 0:0 0 0 1 Neuseeland 0 0 0 0:0 0 0 Montag, 15. Juni Belgien – Ägypten Mo21:00 Dienstag, 16. Juni Iran – Neuseeland Di 03:00 Sonntag, 21. Juni Belgien – Iran So21:00 Montag, 22. Juni Neuseeland – Ägypten Mo03:00 Samstag, 27. Juni Neuseeland – Belgien Sa05:00 Ägypten – Iran Sa05:00 1 Spanien 0 0 0 0:0 0 0 1 Saudi-Arabien 0 0 0 0:0 0 0 1 Uruguay 0 0 0 0:0 0 0 1 KapVerde 0 0 0 0:0 0 0 Montag, 15. Juni Spanien – Kap Verde Mo18:00 Dienstag, 16. Juni Saudi-Arabien – Uruguay Di 00:00 Sonntag, 21. Juni Spanien – Saudi-Arabien So18:00 Montag, 22. Juni Uruguay – Kap Verde Mo00:00 Samstag, 27. Juni Uruguay – Spanien Sa02:00 Kap Verde – Saudi-Arabien Sa 02:00 1 Frankreich 0 0 0 0:0 0 0 1 Norwegen 0 0 0 0:0 0 0 1 Senegal 0 0 0 0:0 0 0 1 Irak 0 0 0 0:0 0 0 Dienstag, 16. Juni Frankreich – Senegal Di 21:00 Mittwoch, 17. Juni Irak – Norwegen Mi 00:00 Montag, 22. Juni Frankreich – Irak Mo23:00 Dienstag, 23. Juni Norwegen – Senegal Di 02:00 Freitag, 26. Juni Norwegen – Frankreich Fr21:00 Senegal – Irak Fr21:00 1 Österreich 0 0 0 0:0 0 0 1 Argentinien 0 0 0 0:0 0 0 1 Algerien 0 0 0 0:0 0 0 1 Jordanien 0 0 0 0:0 0 0 Mittwoch, 17. Juni Argentinien – Algerien Mi 03:00 Österreich – Jordanien Mi 06:00 Montag, 22. Juni Argentinien – Österreich Mo19:00 Dienstag, 23. Juni Jordanien – Algerien Di 05:00 Sonntag, 28. Juni Jordanien – Argentinien So04:00 Algerien – Österreich So04:00 1 Portugal 0 0 0 0:0 0 0 1 Usbekistan 0 0 0 0:0 0 0 1 Kolumbien 0 0 0 0:0 0 0 1 DRKongo 0 0 0 0:0 0 0 Mittwoch, 17. Juni Portugal – DR Kongo Mi 19:00 Donnerstag, 18. Juni Usbekistan – Kolumbien Do04:00 Dienstag, 23. Juni Portugal – Usbekistan Di 19:00 Mittwoch, 24. Juni Kolumbien – DR Kongo Mi 04:00 Sonntag, 28. Juni Kolumbien – Portugal So01:30 DR Kongo – Usbekistan So01:30 1 Kroatien 0 0 0 0:0 0 0 1 England 0 0 0 0:0 0 0 1 Panama 0 0 0 0:0 0 0 1 Ghana 0 0 0 0:0 0 0 Mittwoch, 17. Juni England – Kroatien Mi 22:00 Donnerstag, 18. Juni Ghana – Panama Do01:00 Dienstag, 23. Juni England – Ghana Di 22:00 Mittwoch, 24. Juni Panama – Kroatien Mi 01:00 Samstag, 27. Juni Panama – England Sa23:00 Kroatien – Ghana Sa23:00 Der Spielplan der Fußball-WM Schiri Artan begeistert empfangen Nach US-Verbot zurück in Somalia MogadischuDer von den USA abgewiesene Schiedsrichter Omar Artan ist bei der Ankunft in Somalia von seinen Landsleuten begeistert empfangen worden. Am Flughafen der Hauptstadt Mogadischu begrüßten Offizielle sowie mehrere hundert Anhänger, die somalische Flaggen schwenkten, den ursprünglich für die Fußball-WM vorgesehenen Unparteiischen. „Ich verspreche euch, so Gott will, dass ich bei der nächsten (WM) dabei sein werde“, sagte Artan. Er wolle der somalischen Bevölkerung Mut machen und sie zur Zuversicht ermuntern. Artan sollte als erster Schiedsrichter Somalias bei einer WM Spiele leiten, nachdem er es auf die finale Liste des Weltverbands Fifa geschafft hatte. Für die verweigerte Einreise sollen Sicherheitsbedenken wegen angeblicher Verbindungen zu einer Terrororganisation der Grund gewesen sein, hatte ein Vertreter der US-Regierung dem Nachrichtensender CNN zuvor mitgeteilt. Die Überprüfung am Flughafen in Miami habe bei Artan „Verbindungen zu mutmaßlichen Mitgliedern terroristischer Organisationen“ ergeben. Weitere Einzelheiten nannte er nicht. Somalia gehört zu den 39 Staaten, deren Staatsangehörige von den verschärften Einreisebestimmungen der US-Regierung von Präsident Donald Trump betroffen sind. Artan war 2025 als Afrikas bester männlicher Schiedsrichter ausgezeichnet worden. Der afrikanische Fußballverband hatte ihn als einen von sieben afrikanischen Unparteiischen für die WM ausgewählt. Nach seiner verweigerten Einreise hatte sich Artan sehr enttäuscht gezeigt. Er sei „einfach nur ein Schiedsrichter“, der versuche, sich mit der WM-Teilnahme den größten Traum seines Lebens zu erfüllen, sagte er der New York Times. Formelle Fehler seien ihm nicht unterlaufen: „Ich hatte die richtigen Papiere und das Visum.“ Das somalische Ministerium für Jugend und Sport kritisierte die Entscheidung der US-Behörden. Omar Artan sei die Einreise in die USA „ohne einen triftigen Grund“ verweigert worden, hieß es in einer Stellungnahme. Die somalische Regierung habe sofort Kontakt zu den US-Behörden und zur Fifa aufgenommen, bislang aber keine Lösung gefunden. (dpa; Foto: Mosa’ab Elshamy, dpa) OmarArtan Schlechte Laune statt Vorfreude Ein Schiedsrichter darf nicht einreisen und Fans werden schikaniert. Der Gastgeber führt Krieg gegen ein Teilnehmerland und dessen Präsident bevorzugt Käfigkämpfe statt Eröffnung des Turniers. Von Thomas Spang Washington In Zeitlupe zerplatzte Omar Abdulkadir Artans Traum. Elf Stunden verbrachte der Fifa-Schiedsrichter aus Somalia in einem Hinterzimmer der US-Grenzschützer am Flughafen Miami. Offiziell hieß es, der Reisende sei „aufgrund von Bedenken bei der Überprüfung als nicht zulassungsfähig eingestuft” worden. Artan selbst äußerte gegenüber der New York Times bei seiner Rückkehr nach Mogadischu einen anderen Verdacht. „Sie haben ein Problem mit meinem Land.” Das vermutet auch die demokratische Staats-Senatorin Zaynab Mohamed aus Minnesota, in dem viele somalische Einwanderer leben. Sie spricht von „politisch motiviertem Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, die dem Geist der Weltmeisterschaft widerspricht.” Der Verdacht liegt nahe. Donald Trump nannte die Somalier öffentlich „Müll” und setzte das Land auf die Liste der Länder mit Einreiseverboten. Sein WM-Koordinator Andrew Giuliani verteidigte die Abweisung Artans gegenüber derBBCmitderBehauptung, die USA wollten sicherstellen, „dass wir nicht zulassen, dass ein Fußballturnier zur Gelegenheit für Terroristen wird, ins Land zu kommen”. Mit derselben Begründung verweigerte das Gastgeberland Begleitern der iranischen Mannschaft, dem irakischen Team-Fotografen sowie akkreditierten Sportjournalisten aus Afrika und dem Nahen Osten die Einreise. Das iranische WM-Team musste kurzfristig Quartier im mexikanischen Tijuana beziehen, obwohl es seine Vorrundenspiele in Los Angeles und Seattle bestreitet. So viel Unfreundlichkeit gab es selbst bei den Weltmeisterschaften in Katar und Russland nicht zu beklagen. Die USA und deren Präsidenten scheint das alles wenig zu interessieren. Die Fifa reagiert mit einem Schulterzucken. Dabei hatte Fifa-Boss Gianni Infantino 2017 während der USBewerbung versprochen, jedes qualifizierte Team brauche samt Anhängern und Offiziellen Zugang zum Land, „sonst gibt es keine Weltmeisterschaft”. Heute gilt das Versprechen nichts mehr. Fans aus Ländern mit Einreiseverboten bleiben draußen. Andere müssen bei der Einreise bis zu 10.000 Dollar Kaution hinterlegen. Begleitet wird das von einem auffälligen Desinteresse der Amerikaner. 54 Prozent sagten den Meinungsforschern von YouGov, sie würden die WM nicht verfolgen. Präsident Trump bleibt der Eröffnung des DreiLänder-Turniers in Mexiko fern. Stattdessen freut er sich auf die Käfigkämpfe vor dem Weißen Haus zu seinem 80. Geburtstag an diesem Wochenende. Für die Kommunen, die Hunderte Millionen Dollar in Sicherheit, Stadionumbauten und Marketing gesteckt haben, droht die WM zu einem teuren Flop zu werden. Ebenso für Hoteliers und Vermieter von Privatunterkünften, die auf das große Geschäft gehofft hatten. Nur der Spielort San Francisco kommt auf eine Buchungsquote von mehr als 40 Prozent. Das hat auch mit den sündhaft teuren Tickets zu tun. Selbst billige Plätze bei wenig attraktiven Spielen kosten 400 bis 600 Dollar. Public Viewing ist keine Alternative, weil mehrere Städte ihre Fanmeilen absagten; übrigens auch wegen der angekündigten Einsätze der Einwanderungspolizei ICE rund um die Leinwände. Die Gewerkschaften drohen mit einem Streik des WM-Servicepersonals, falls vermummte ICE-Beamte Beschäftigte rund um die Sportstätten drangsalieren. Neu in der Geschichte der Fifa ist, dass ein Gastgeberland aktiv Krieg gegen ein Teilnehmerland führt. Kurz vor der Eröffnung drohten die Feindseligkeiten zwischen den USA und Iran am Persischen Golf zu eskalieren. Das wirft erneut die Frage auf, was sich Infantino dabei gedacht hat, Trump einen eigens für ihn erfundenen „Friedenspreis” zu verleihen. Obwohl Vorfreude auf die 104 Spiele in den USA kaum anzutreffen ist, glaubt der amerikanische Fußball-Chronist Roger Bennett, dass sich die Begeisterung nach dem Anpfiff des ersten Spiels der USA gegen Paraguay am Freitag einstellen wird. So wie vor 30 Jahren, als die USA 1994 die erste Fußball-Weltmeisterschaft ausrichteten. „Das ist die Magie dieses Turniers”, sagt Bennett dem MagazinThe Atlantic. Der Fußball biete „reine Momente, die die Dunkelheit vertreiben und Licht hereinlassen können”. Nein, das hat nichts mit der WM zu tun. Arbeiter setzen den Bau einer Arena vor dem Weißen Haus fort. Dort bekommt Präsident Donald Trump anlässlich seines 80. Geburtstags einen Käfigkampf geboten. Foto: Rahmat Gul, dpa Gewerkschaften drohen mit einem Streikdes Servicepersonals.

Das sind die Geheimfavoriten 48 Teams nehmen an der Rekord-WM teil – und neben den üblichen Titelanwärtern gibt es diesmal etliche Mannschaften, die für eine Überraschung gut sind. Eine ist deutscher Gruppengegner. Von Florian Eisele NewYorkNatürlich gibt es die naheliegenden Favoriten. Frankreich zum Beispiel könnte ohne Probleme zwei Teams zur Fußball-Weltmeisterschaft schicken, die jeweils ein Kandidat auf den Titel wären. Als Europameister gehört Spanien zum Favoritenkreis, dann kommen aus Südamerika Argentinien und Brasilien, mit etwas Abstand Deutschland und England. Zugleich gab es aber selten so viele Mannschaften wie diesmal, die überraschen könnten. •NorwegenAls die Skandinavier 1998 das bis dato letzte Mal bei einer WM dabei waren, war ein Großteil der heutigen Spieler noch nicht mal geboren. Aktuell verfügt Norwegen aber über das, was man gemeinhin als „Goldene Generation“ bezeichnet. Mit Erling Haaland steht einer der weltbesten Stürmer im Kader, Spielmacher und Kapitän ist mit Martin Ødegaard vom FC Arsenal ein weiterer Weltklasse-Spieler. Weitere Schlüsselspieler sind Abwehrspieler Kristoffer Ajer vom FC Brentford, der Ex-Leipziger Alexander Sørloth, der Dortmunder Julian Ryerson oder der aktuelle RB-Flügelspieler Antonio Nusa. Das Team hat gewachsene Strukturen, Trainer Ståle Solbakken (ehemals 1. FC Köln) ist seit Dezember 2020 im Amt, in dieser Zeit gelang ein Sprung in der Weltrangliste von Platz 43 auf 29. In der WM-Qualifikation gelangen 37 Tore in acht Spielen. Bei der WM hat Norwegen eine starke Gruppe mit Frankreich, Senegal und Außenseiter Irak bekommen, Aber große Namen gab es auch schon in der Qualifikationsgruppe. Trotzdem gewann Norwegen alle acht Spiele und wurde Erster – vor Italien. •JapanWie gefährlich das japanische Team sein kann, musste zuletzt auch die DFB-Auswahl erfahren. Mit 1:2 im November 2022 ging bei der jüngsten WM das erste Gruppenspiel verloren, was bekanntlich auch der Anfang vom Ende für die Nationalelf war. Als Bundestrainer Flick ein Jahr später auch das nächste Aufeinandertreffen verlor, musste er gehen. Im WM-Achtelfinale 2022 scheiterte Japan denkbar knapp im Elfmeterschießen an Kroatien, das danach bis ins Halbfinale einziehen sollte. Seither haben die Asiaten nochmals einen großen Schritt nach vorne gemacht. Japan steht aktuell auf dem 15. Platz der Weltrangliste und gilt als nicht weniger als das beste asiatische Team seit langer Zeit. Trainer Hajime Moriyasu steht seit 2018 an der Seitenlinie. Dazu kommt die individuelle Klasse: Noch vor zehn Jahren spielten viele japanische Nationalspieler hauptsächlich in der heimischen J-League. Aus dem aktuellen 26er-Kader sind es nur noch drei. Ritsu Doan (Frankfurt), Kaishu Sano (Mainz) oder Hiroki Ito (FC Bayern) zählen auch in der Bundesliga zu den begehrtesten Spielern. Zur aktuellen WM reist Japan mit sechs Siegen in Folge an - unter anderem gelang Ende März ein 1:0-Sieg gegen England in Wembley. • Türkei Die goldene Regel bei jedem Turnier, an dem die Türkei teilnimmt: Immer gehört das Team dann auch zum Kreis der Geheimfavoriten. Ist natürlich auch diesmal so. Mit Arda Güler (Real Madrid) sowie den beiden in Regensburg geborenen Kenan Yildiz (Juventus) und Can Uzun (Frankfurt) sind viele junge Spieler im Kader, die bei ihren Klubs Leistungsträger sind. Dazu kommen erfahrene Kräfte wie Kapitän Hakan Çalhanolu von Inter Mailand. Bei der ersten WM-Teilnahme seit 24 Jahren zehrt das junge Team von den Erfahrungen, die es bei der EM vor zwei Jahren gemacht hat. Zudem ist ein Stück Italien bei der WM auch dabei: Vincenzo Montella, ehemaliger italienischer Nationalspieler, coacht das Team seit 2023. Einer seiner ersten Erfolge war ein Testspielsieg gegen Deutschland. Mit ihm gelang nicht nur die WM-Quali, sondern auch der Aufstieg in die höchste Liga der Nations League. Dazu kommt: Die Türkei hatte Glück bei der Gruppenauslosung. Gegen die USA, Paraguay und Australien scheint auch der Gruppensieg möglich. •Ecuador In der deutschen Gruppe reden viele von der Elfenbeinküste und vergessen Ecuador - zu Unrecht. Denn das Team ist derzeit eine der am meisten unterschätzten Nationalmannschaften der Welt und hat eine der besten Qualifikationen seiner Geschichte gespielt: Nur Argentinien lag am Ende vor der Mannschaft. Ecuador, das die Qualifikation sogar mit einem Drei-Punkte-Abzug begann, landete am Ende vor Nationen wie Uruguay, Kolumbien und Brasilien. Vor allem die Defensive ist das Prunkstück der Mannschaft. Ecuador kassierte in der gesamten WM-Qualifikation nur 5 Gegentore in 18 Spielen – der mit Abstand beste Wert aller südamerikanischen Teams. Im Kader stehen mit den Innenverteidigern Willian Pacho (Paris, ehemals Frankfurt) und Piero Reyna (Arsenal, ehemals Leverkusen) sowie dem defensiven Mittelfeldspieler Moises Caicedo (FC Chelsea) absolute Extraklasse für die Verteidigung. Die deutsche Nationalmannschaft sollte das Weiterkommen schon vor dem Treffen mit den Südamerikanern im letzten Gruppenspiel perfekt gemacht haben – ein Finale gegen Ecuador ist keine gute Idee. Zwei, die für eine Überraschung gut sind: Norwegens Erling Haaland (r) und Martin Ødegaard schalteten in der Qualifikation Italien aus. Foto: Lise Åserud, dpa Notizen vom Spielfeldrand Fanparty Helene Fischer würde erneut auf der Fanmeile auftreten Berlin Schlagersängerin Helene Fischer könnte sich vorstellen, bei einem Titelgewinn der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft wieder auf einer Fanmeile aufzutreten. „Wenn sich das zeitlich ausgeht, auf jeden Fall. Ja“, sagte die 41-Jährige im Interview der Bildkurz vor dem Start ihrer Tour in Dresden auf die Frage, ob sie bei einem WM-Sieg wieder auf die Fanmeile kommen würde. Problem dabei: In Berlin wird es diesmal auf der Straße des 17. Juni im Herzen der Hauptstadt anders als bei vorherigen Turnieren keine große FußballParty geben. (dpa; Foto: Kalaene, dpa) Politik Irans Sportminister droht mit Spielabbrüchen Teheran Der Iran hat mit einem Spielabbruch gedroht, wenn es bei Auftritten des Teams in den Stadien zu Protesten der persischen Diaspora gegen die islamische Führung kommen sollte. „Wir haben der Fifa bereits mitgeteilt, dass die Verantwortlichen des Teams das Spiel abbrechen würden, sobald wir politische Parolen hören“, warnte Sportminister Ahmed Donjamali. Der iranische Fußballverband habe die Fifa aufgefordert sicherzustellen, dass iranische Zuschauer ausschließlich die offizielle Flagge mitbringen dürfen – und nicht die alte persische Flagge. (dpa; Foto: Stringer, dpa) Gelb-blaues Meer Schwedischer Fußballverband plant einen Trikot-Gag Stockholm Ganz Schweden in den Nationalfarben gelb und blau und das „von der nördlichsten Spitze Schwedens bis in den Süden und nach Monterrey“. Etwas schräg wirkt es schon, was sich der schwedische Fußballverband kurz vor dem WMStart ausgedacht hat. Zwölf Stunden vor dem WM-Auftakt in Monterrey gegen Tunesien am Montag (4 Uhr MESZ) soll eine Trikot-Zeremonie den WM-Countdown einläuten. Dazu soll jeder Schwede am Sonntag um 16 Uhr MESZ ein Nationaltrikot überstreifen. Wie das genau funktionieren soll, blieb unklar. (dpa; Foto: Michael Buholzer, Keystone/dpa) Senegal Keine Schikane bei der Einreise in die USA Dakar Das senegalesische WM-Team hat Berichte über Probleme bei der Einreise in die USA zurückgewiesen. Die Mannschaft sei nicht bei einer Sicherheitskontrolle auf dem Rollfeld schikaniert worden. In einer Mitteilung hieß es, das im Netz zirkulierende Video sei nicht bei der Landung des Teams in San Antonio entstanden, sondern beim Abflug in Raleigh. Die Spieler seien direkt aus dem Hotel auf das Rollfeld gefahren worden, um Zeit zu sparen. Die Sicherheitskontrolle sei daher nicht im Terminalgebäude, sondern vor dem Flugzeug vorgenommen worden. (dpa; Foto: Gilbertc, adobestock) Im Nachhinein würde Oliver Bierhoff wohl eine andere Wahl treffen. Die deutsche Mannschaft trat aber verständlicherweise mit reichlich Selbstvertrauen bei der WM 2018 in Russland an, schließlich war man Weltmeister. Als solcher galt es als wenig schicklich, sich mit Kleinstaufgaben wie dem Überstehen der Gruppenphase zu befassen. Daher gab Bierhoff die Losung aus, „das Turnier von hinten“ zu denken. Ganz hinten stand das Finale und weil das in Moskau stattfand, suchte der Quartiermeister eine Unterkunft in der Nähe aus. Watutinki geriet zum Synonym für das deutsche Scheitern und wieder einmal stand das Abschneiden in engem Zusammenhang mit den wohnlichen Begebenheiten der Mannschaft. Allerdings gab es keinen Grund, an den planerischen Fähigkeiten Bierhoffs zu zweifeln. Der Mann war schließlich vier Jahre zuvor für wunderbare Wochen am Rande des Urwalds im Campo Bahia verantwortlich. Beim Einzug der Mannschaft hatten die letzten Handwerker noch nicht einmal die Tür hinter sich zugezogen und dass man mit einer rostigen Autofähre übersetzen musste, um das Lager zu verlassen: geschenkt. Die Geschichte zieht ihr schönstes Kleid über die Vergangenheit. In Katar schaffte es der DFB abermals, sich maximal abzuschotten. Während der zentralistisch angelegten Weltmeisterschaft wählte das Team (abermals um Bierhoff) den größtmöglichen Abstand zum Trubel. Anders als in Brasilien, war das nicht von Erfolg gekrönt. Der Wahl des Quartiers wird eine entscheidende Rolle zugesprochen, wenn es um Erfolg oder Misserfolg geht. Mitunter werden sogar übernatürliche Wesen in den Unterkünften der Mannschaft ausgemacht. Sowohl 1954 (Spiez), als auch später im niedersächsischen Malente wird von einem Geist berichtet, der das Team befallen und zum Sieg getragen habe. Berti Vogts versuchte als Bundestrainer 1994 eben jenen Geist abermals zum Leben zu erwecken – und scheiterte. Im Jahr 2026 sind die besten Kicker des Landes in North Carolina untergebracht. Auf die Idee, das Turnier vom Ende und daher von New Jersey aus zu denken, kam diesmal niemand. Die Fußballer betten sich im mondänen Graylyn Estate in Winston-Salem. Ob sich die architektonische Harry-Potter-Atmosphäre auf das kickende Personal überträgt, wird die Zeit weisen. Übernatürliche Wesen wurden bislang noch nicht rund um das Hotel gesichtet. Sich nicht blicken zu lassen, zählt allerdings auch als Grundvoraussetzung für ein Gespenst von Welt. Als gut gilt die Unterkunft am Ende, wenn die Mannschaft nicht spielt, als sei sie von allen guten Geistern verlassen. Von allen guten Geistern verlassen Von Tilmann Mehl Übersteiger Das Graylyn Estate erinnert entfernt an die magische Heimat von Harry Potter. Foto: Wake Forest Athletics/DFB, dpa Donnerstag, 11. Juni 2026 WM-SPEZIAL 5

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